Landtagswahl Grüne im Höhenrausch, CDU und SPD im Sturzflug – Umfragen zur Hessenwahl eröffnen neue Optionen

Umfragen zeigen: Für Hessen könnte es nach der Wahl ganze neue Koalitionsoptionen geben. Inzwischen gibt es sogar drei Anwärter auf das Amt des Ministerpräsidenten.
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Alle drei haben Chancen auf das Amt des Ministerpräsidenten. Quelle: picture alliance / Boris Roessle
Al-Wazir, Bouffier und Schäfer-Gümbel

Alle drei haben Chancen auf das Amt des Ministerpräsidenten.

(Foto: picture alliance / Boris Roessle)

BerlinEs sollte eine gute Nachricht im Wahlkampfendspurt werden. Auf Drängen von Ministerpräsident Volker Bouffier hatte das Land Hessen für die Sitzung im Bundesrat am Donnerstag einen Antrag gestellt: „Hardwarenachrüstungen statt Fahrverbote“, hieß er und darin zur Begründung, sie stellten „die wirksamste Methode zur Emissionsreduktion dar“. Der Bund solle die Voraussetzungen schaffen und dafür sorgen, dass die Hersteller die Kosten übernehmen. Schließlich drohen in Frankfurt Fahrverbote.

Doch die anderen Bundesländer folgen nicht. So lehnten die von der FDP mitregierten Bundesländer den Antrag ab und obendrein die Autoländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Bouffier und seiner schwarz-grünen Landesregierung blieb nichts anderes übrig, als den Antrag von der Tagesordnung zu nehmen und auf die Botschaft für die Wähler zu verzichten.

Die Hessenwahl hat in diesem Jahr Bedeutung wie selten zuvor: Verliert die CDU die Wahl, dann werden sie in der Partei die Frage nach der Zukunft von Kanzlerin Angela Merkel stellen. Verliert die SPD deutlich, könnte der Wunsch bei den Genossen Überhand nehmen, die Große Koalition in Berlin zu verlassen.

Und die Grünen reden schon davon, Volkspartei zu werden, wenn sie wie zuletzt in Bayern 20 oder mehr Prozent der Stimmen erhalten und nach Winfried Kretschmann (Baden-Württemberg) vielleicht sogar einen zweiten Ministerpräsidenten stellen.

Unmöglich scheint nichts mehr: Laut der jüngsten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF kommt die CDU nur noch auf 26 Prozent (2013: 38,3 Prozent) und die SPD auf 20 Prozent (30,7). Die Grünen verdoppeln sich auf 22 Prozent (11,1). Linke und FDP liegen bei jeweils acht Prozent (5,2; 5,0), die AfD kommt auf zwölf Prozent (4,1).

Die ARD kommt in ihrer Sonntagsfrage zu ähnlichen Ergebnissen. Neben Bouffier kann sich nicht etwa vor allem TV-Duell-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) Hoffnung auf das Amt des Ministerpräsidenten machen, sondern auch Grünen-Frontmann Tarek Al-Wazir.

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Stand jetzt reicht es nicht für eine Neuauflage der schwarz-grünen Koalition, obwohl sie entgegen allen Vorhersagen gut und vertraut zusammengearbeitet hat. Als Ursache für die Verschiebungen werden indes vor allem die Probleme mit den Dieselfahrverboten und die Rolle der CSU im Bund, vor allem von Horst Seehofer, gesehen.

So berichten Wahlkämpfer der CDU, dass sie bei Hausbesuchen meist nur auf diese Themen angesprochen würden. „Im Augenblick überlagert die Bundespolitik die politische Diskussion“, sagt Bouffier.

Entsprechend drängen Sachargumente nicht durch, etwa dass die im Verkehr befindlichen Dieselautos alle legal fahren und es daher keine Handhabe gibt, Hersteller zu Nachrüstungen zu verpflichten. Dies hatte der Bundesvorstand der CDU am Montag noch heftig diskutiert.

Das Gremium soll auf Wunsch Hessens am Sonntag noch einmal in Berlin tagen, um dann geschlossen in die letzte Woche bis zum Wahltag zu ziehen. Deswegen tritt im Endspurt CDU-Chefin Merkel allein viermal auf, Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Präsidiumsmitglied Jens Spahn jeweils 16-mal sowie Parteivizin Julia Klöckner sechsmal und zudem noch andere Politprominenz aus Berlin und aus den Ländern.

Die letzte Umfrage, so hoffen sie in der CDU, könne sogar Anhänger mobilisieren. Nicht wegen drohender Verluste, sondern wegen der Alternativen: Schließlich könnten die Grünen ein rot-rotes Bündnis schmieden, dem dann Wirtschaftsminister Al-Wazir vorstehen würde.

Vor Rot-Rot warnte die CDU bereits unter Roland Koch immer wieder erfolgreich. Entsprechend erklärte Stefan Heck, Chef der Jungen Union Hessen, sofort: „Schäfer-Gümbel schließt eine Koalition mit der SED-Nachfolgepartei Die Linke nicht aus und hält sich alle Optionen offen.“

Das Schreckgespenst der roten Socken könne auch FDP-Wähler überzeugen, ihr Kreuz bei der CDU zu machen, hieß es in der Union. Derzeit wären die Liberalen indes das Zünglein an der Waage für ein Jamaikabündnis – oder aber für eine Ampelkoalition. Dies scheint aber bei der FDP wenig Sympathie zu haben.

„Tarek Al-Wazir als Ministerpräsident ist für uns sehr schwer vorstellbar“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat, René Rock. Die Grünen indes gaben sich bescheiden und notierten in sozialen Medien: Umfragen seien „noch keine Wahlergebnisse“.

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