Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Special

Landtagswahlen 2014

Nach Äußerungen über Behinderte TU Dresden droht AfD-Politiker mit Konsequenzen

Seine abfälligen Äußerungen über Behinderte könnten für den Vize der Sachsen-AfD berufliche Konsequenzen haben. Der Arbeitgeber von Thomas Hartung hat von ihm bereits eine Stellungnahme gefordert.
Update: 23.06.2014 - 16:54 Uhr 12 Kommentare
Thomas Hartung: Wegen Behinderten-feindlicher Aussagen unter Beschuss.

Thomas Hartung: Wegen Behinderten-feindlicher Aussagen unter Beschuss.

BerlinDer stellvertretende Vorsitzende des sächsischen Landesverbands der Alternative für Deutschland (AfD), Thomas Hartung, gerät wegen seiner Äußerungen über Behinderte mit Down-Syndrom (Trisomie 21) unter Druck. Nach dem die Parteispitze ihn bereits aufgefordert hatte, die Debatte darüber zu beenden, ob ein Menschen mit Dow-Syndrom Lehrer werden kann, hat sich nun Hartungs Arbeitgeber, die Technische Universität Dresden, eingeschaltet.

„Die TU Dresden distanziert sich in aller Deutlichkeit von Inhalt und Form der Äußerungen seitens Herrn Dr. Thomas Hartung. Sie stehen in krassem Gegensatz zu den Werten, für die die Universität eintritt und nach denen sie handelt“, heißt es in einer Mitteilung des Rektors der Uni, Hans Müller-Steinhagen. „Herr Dr. Hartung wurde bereits zu einer Stellungnahme aufgefordert, eine Prüfung der Konsequenzen ist eingeleitet.“

Hartung ist Diplompädagoge. Neben seiner politischen Tätigkeit arbeitet er seit 2002 als Freier Dozent für Journalismus und Medienproduktion an der TU Dresden und, wie es in seinem Uni-Profil heißt, einem Dutzend weiterer Hochschulen, darunter in Berlin, Hessen und Rheinland-Pfalz.

Hartung hatte in ungewöhnlich hartem Ton einem Behinderten mit Down-Syndrom die Befähigung abgesprochen, als Lehrer zu unterrichten. Er nahm dabei Bezug auf den Spanier Pablo Pineda. Dieser hat das Down-Syndrom, schaffte dennoch seinen Hochschulabschluss ist Schauspieler und seit 2009 Lehrer.

Hartung kandidiert für die AfD auf Listenplatz 2 für die Landtagswahl in Sachsen am 31. August. Nach einer vor kurzem veröffentlichten Forsa-Umfrage könnte die Partei ein Ergebnis von 8 Prozent einfahren. Hartung wäre damit mit der AfD sicher im nächsten Landtag vertreten.

Warnung an „Bildungsverschlimmbesserer“

Auf seiner Facebook-Seite schrieb Hartung dazu: „Ich spreche einem Menschen mit Trisomie 21 die Befähigung ab, in Deutschland den Hochschulberuf eines Lehrers zu ergreifen, und gebe kund, dass ich als Nichtbehinderter von einem solchen nicht unterrichtet werden möchte. Dafür muss ich mich im Deutschland des Jahres 2014 rechtfertigen.“

Natürlich bleibe er dabei, so Hartung weiter, „dass von den max. 80.000 Trisomie-21-Menschen, die in Deutschland leben, keiner geeignet ist, jenen hochschulischen Lehrberuf zu ergreifen, der zur Beschulung von Millionen anderen Menschen berechtigt. Aber wenn diese Zusammenhänge 98 % der Mitleser nicht verstehen, kann das durchaus daran liegen, dass diese 98 % nicht imstande sind, mir zu folgen.“

Seine Analyse schickte Hartung noch eine eindringliche Warnung hinterher: „Spätestens, wenn die ersten Bildungsverschlimmbesserer eine Down-Syndrom-Quote unter der deutschen Lehrerschaft einfordern, sprechen wir uns wieder.“

Die AfD-Landeschefin, die zugleich Co-Vorsitzende der Bundes-AfD ist, Frauke Petry, ging Hartung auf dessen Facebook-Seite scharf an: „Thomas - wann ist endlich Schluss mit dieser Diskussion??? Gib einfach zu, dass Du verbal total danebengehauen hast. Ich dachte, wir hatten das geklärt!!!!!“

Via Twitter äußerte sich Petry auch zum Spanier Pineda:

In einer dann verbreiteten Pressemitteilung erklärt Petry, ohne den Namen ihres Parteifreundes zu erwähnen, dass der Bildungserfolg Pinedas ein Beweis dafür sei, "dass eine hohe persönliche Motivation auch die standardisierten Schranken des Bildungssystems durchbrechen kann".

Petry weist auf einen seit Jahren herrschenden Lehrermangel in Sachsen an allen Schulformen hin und fordert dann als Konsequenz daraus eine "bedarfsgerechte schulische und berufliche Förderung", die "selbstverständlich" auch Menschen mit Behinderung ein schließe. "Meine persönlichen Erfahrungen aus der Arbeit mit behinderten Menschen haben mir gezeigt, dass ihre empathischen Fähigkeiten in unserer Gesellschaft dringend nötig sind“, betonte Petry.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Nach Äußerungen über Behinderte - TU Dresden droht AfD-Politiker mit Konsequenzen

12 Kommentare zu "Nach Äußerungen über Behinderte: TU Dresden droht AfD-Politiker mit Konsequenzen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich kann ehrlich gesagt nicht einschätzen, ob und wie sich ein Down-Syndrom auf die Befähigung zum Lehrerberuf auswirkt. Das Wohl und die Bildung der Kinder sollten aber in jedem Fall Priorität haben - wenn das der Fall ist, hätte ich nix dagegen.

  • Als AfD-Mitglied von Anfang an bin ich davon überzeugt, dass "98%" der vernunftbegabten AfD-Mitglieder der Auffassung von Frauke Petry sind, dass wir dringend eine

    "bedarfsgerechte schulische und berufliche Förderung" brauchen, die "selbstverständlich" auch Menschen mit Behinderung einschließen.

    Als Diplompädagogin und aus Sicht meiner eigenen schulpsychologischen Arbeit kann ich Frau Petrys Plädoyer für die Integration Behinderter in unsere "Schneller-weiter-höher-Gesellschaft" 100%ig unterstützen, wenn sie u.a. auch diesen hochwichtigen Aspekt betont:

    "Meine persönlichen Erfahrungen aus der Arbeit mit behinderten Menschen haben mir gezeigt, dass ihre empathischen Fähigkeiten in unserer Gesellschaft dringend nötig sind“

    Auf die verbliebenen "2%" der Mitglieder mit solch unsäglich menschenverachtender Denke, wie sie dieser Kollege mit einer selbstverständlichen Dreistigkeit in die Welt postet, sollte die AfD leichten Herzens verzichten können.

    Zwecks Schadensbegrenzung für die gesamte Partei erwarte ich mindestens parteipolitische Konsequenzen bezüglich der Kandidatur dieses völlig ungeeigneten Kandidaten!

    Frau Petry ziehen Sie um der Glaubwürdigkeit willen die Reißleine!!!!

  • @Adelheid: ... sorry, das muss selbstverständlich diskreditieren heißen .... so ist es, wenn man mit Wortvorhersage tippt.

  • "Aber wenn diese Zusammenhänge 98 % der Mitleser nicht verstehen, kann das durchaus daran liegen, dass diese 98 % nicht imstande sind, mir zu folgen.“

    98% sind also laut Hartung zu bloede, um ihn zu verstehen. Diese Beleidigung sollten die Waehler sehr wohl verstehen - es reicht ja, falls diese 98%, die Hartung als AfD-Vize beleidigt, dafuer eine andere Partei waehlen... Die AfD ist unwaehlbar!

  • Was hat Toleranz mit einer Diskussion über Fähigkeiten zu tun? Ich will mal ein anderes Beispiel nennen. Wie weit wäre es um Ihre "Toleranz " bestellt, wenn sich herausstellen würde, der Pilot Ihrer Maschine ist Epileptiker?

  • +++ Als Lehrer muss man geistig voll da sein, kognitive Fähigkeiten und Abstraktionsvermögen haben. Das wird niemand ernsthaft bestreiten. +++

    Ich bin kein Neurologe, aber ist das Down-Syndrom grundsätzlich als eine geistige Behinderung einzustufen ? Gibt es Heilungschancen ? In Einzelfällen kann ggf. die Befähigung zum Lehrer da sein, vor allem durch parallele Unterstützung des Lehrer-Kollgegiums.

    Es kommt darauf an, ob er in Verachtung gesprochen hatte gegen den Lehrer oder ob er auf Missstände aufmerksam machen wollte.

    Die Medien sollten auch nicht blind vor lauter angeordnetem Hass auf die AfD reagieren, das durchschauen die Leser sehr schnell.

  • @ prinzeugen
    "...an, die AfD zu dekretieren"??? Um was fuer ein Dekret soll es sich da handeln?

  • Das war politisch ziemlich unkorrekt- böse AfD.

  • Die Wahrheit tut manchmal weh ... die Aussage ist dennoch korrekt .... fast schon verzweifelte Züge nehmen allerdings diese unsäglichen, schmutzigen Kampagnen der systemtreuen Medienvertreter an, die AfD zu dekretieren .... der Aufstieg und die Etablierung des konservativen Bürgertums ist dennoch unaufhaltbar und das ist auch gut so!

  • Das ist ja Spitzenklasse, der Typ ist Diplompädagoge und gibt solchen Müll von sich? So jemand soll Werte vermitteln? OK, muss man erst mal "Werte" definieren. Toleranz gehört aber offensichtlich schon mal nicht dazu.

Alle Kommentare lesen