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Landtagswahlen 2014

Wahlen in Deutschland Rechte Socken oder Politikveränderer?

Die AfD ist nach Sachsen auch in Brandenburg und Thüringen in den Landtag eingezogen. Ignorieren geht nicht – doch die Frage ist: Lässt sich die Partei integrieren? Ein Kommentar.
73 Kommentare
Die AfD ist überall: Nun zieht sie auch in die Landesparlamente in Brandenburg und Thüringen ein.

Die AfD ist überall: Nun zieht sie auch in die Landesparlamente in Brandenburg und Thüringen ein.

DüsseldorfWir können froh sein. Froh darüber, dass wir nicht wie in Frankreich eine drittstärkste politische Kraft haben, die Nationalismus zum neuen Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts erklärt. Froh darüber, dass wir nicht wie in Österreich einen dem Hurra-Patriotismus verfallenen Zahntechniker an der Spitze der drittstärksten Partei im Lande haben. Froh, weil wir nicht wie die Schweden eine drittstärkste politische Gruppierung haben, die die „homogene Gesellschaft“ fordert und und nichts anderes als die Ablehnung von allem Ausländischen meint.

Nein, Deutschland hat bloß die AfD – die Alternative für Deutschland, und es sieht nach den Wahlen in Brandenburg und Thüringen so aus, als könnte sich diese Partei als dauerhafte Kraft in der Politik behaupten. Bei drei Landtagswahlen und der Europawahl hat sie eindrucksvolle Erfolge verbucht. Sie dürfte deutschlandweit mindestens, was die Zahl ihrer Wähler anbelangt, auf dem Niveau der Grünen liegen. Die im Meer der Bedeutungslosigkeit versinkende FDP hat sie deutlich unter sich gelassen. Wer ist diese Alternative für Deutschland, und was will sie?

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.
Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Beides ist noch nicht entscheiden, aber das, was sich abzeichnet, reicht immerhin aus, um nicht gleich den Untergang des Abendlandes beschwören zu müssen.

Die AfD ist keine Gründung enttäuschter Ewig-Gestriger oder gnadenloser Populisten, sondern sie stammt aus einer Bewegung von Kritikern der Europolitik, die mit wissenschaftlichen Argumenten gegen die Strategie der Euroretter ins Feld gezogen ist. Sie nimmt auf, was viele denken: Die Nachteile, die die europäische Integration mit sich bringt, wiegen ihre Vorteile auf. Das ist, meine ich, falsch – aber es ist eine Geisteshaltung, über die sich leidenschaftlich streiten lässt.

Vielleicht ist es typisch deutsch, dass es hierzulande Ökonomen sind, die bei den Eurokritikern den Ton angeben und nicht Populisten. Den Wissenschaftlern wird eine höhere Glaubwürdigkeit zugestanden als den Demagogen. Und ich finde, dies ist kein schlechter Zug. Dass die AfD mit der Ablehnung des Euro darüber hinaus nationales Gedankengut bedient, macht sie interessant für all die, die sich im europäischen Dickicht und globalen Dschungel verloren fühlen.

Lucke: Unsere Wähler sind ehemalige SPD- und Linke-Wähler

Je mehr Modernisierungsgegner sie allerdings um sich schart, um so altbackener wirkt sie. Eine Partei der Verlierer hat keine Zukunft. Ein „Vorwärts in die Vergangenheit“ funktioniert nicht, wenn die AfD irgendwann als Koalitionspartner zur Verfügung stehen möchte. Die AfD muss eine kompromissbereite, moderne Alternative werden oder sie beraubt sich jeglicher politischer Machtoptionen.

Es ist diese Entwicklung, die die Ergebnisse der Wahlen in Sachsen und jetzt in Thüringen sowie Brandenburg in ein milderes Licht tauchen. So wie wir und unser Land sich verändern, verändern sich die Parteien, die uns in der Politik vertreten. Gäbe es die AfD nicht, würde das im besten Fall bedeuten, dass die Politik stillsteht. Im schlechtesten Fall wäre es sogar ein Anzeichen für ein Versagen unserer Demokratie. Beides wäre eine schlechtere Alternative.

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73 Kommentare zu "Wahlen in Deutschland: Rechte Socken oder Politikveränderer?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Du bist wahrlich ein erbärmliches Würstchen.

  • Ich finde den Artikel sehr schön geschrieben und überhaupt bin ich mit Deutschland und seiner Politik sehr zufrieden. Die AfD ist doch ok, jeder darf machen was er möchte so lange alle in Frieden leben. Liebe für alle!

  • Nachdem eine (nahezu) Allparteienunion im Bundestag das eigentlich undenkbare seit April 2014 zum real exisitierenden Alptraum hat werden lassen, Panzer rollen wieder durch Europa, Hunderttausende haben ihr Zuhause verloren, Tausende Tote und Verwundete, Faschistische Mörderbanden sitzen im Parlament und werden weltweit hofiert, auch von merkel,Steinmeier, Gabriel, wundert sich jemand, daß die wähler nach einer alternative suchen?
    Frau Merkel regiert radikal Anti-National und wird von einer Verräterpartei dabei mit nahezu unangreifbarer Zweidrittel-Mehrheit versorgt. Das ist ein so unglaublicher Alptraum, die Interessenlage so offensichtlich US-dominiert, es ist eigentlich unfassbar.
    > „Frau Merkel, beenden Sie Ihre unterwürfige Haltung gegenüber den USA, der Zweite Weltkrieg ist schon lange vorbei! Werden Sie erwachsen!“. Würde die Kanzlerin eigenständiger handeln, sie wäre überrascht, auf wieviel Zuspruch sie dabei in der Bevölkerung in Deutschland stoßen würde.<
    Zitat von Ray McGovern, Ex-CIA-analytiker, der mit acht langgedienten Kollegen einen offenen Brief an Merkel verfasst hat. Hochinteressant auch seine Einschätzung zur russischen Beteiligung in der Ukraine
    https://www.facebook.com/Onlinepetition
    Den Zuspruch erhalten jetzt diejenigen, die bereit und in der Lage sind auch unabhängig von US-Interessen zu agieren. Wobei die Zerschlagung des Euros als starke Alternative zum Dollar durchaus auch im Interesse der USA liegt, da müssen die AfDler wohl auch nochmal ein bischen drüber nachdenken.

  • Was war so verkehrt an der "klassischen Einverdienerehe"? Immerhin sicherte diese den Lebensstandard einer ganzen Familie, inklusive dem kleinen Häuschen. Arbeitgeber übernahmen noch Verantwortung für ihre Arbeitnehmer, jeder hatte seine Planungssicherheit und konnte sich unbelastet für Kinder entscheiden. Heute soll/muss Frau mitarbeiten um einigermaßen leben zu können. Damit degradiert man Frauen zu Gebährmaschinen, die möglichst schnell wieder arbeiten sollen. Und das soll fortschrittlich sein?

  • Die Blumen bekommen Sie zurück, von Ihnen ernst genommen zu werden gehört nicht zu meinen Bedürfnissen, da Sie sich selber nicht ernst nehmen, sondern eher zu en politischen Humoristen zählen. "g"

    Natürlich fällt es Ihnen schwer Unterschiede zwischen den Grünen und der Union konkret zu benennen, da es diese Unterschiede nicht mehr gibt.



  • Laut Spiegel.de:

    " Die AfD profitiert von allen

    Die AfD kann ihr Ergebnis im Vergleich zur Europawahl deutlich verbessern: In Brandenburg kommt sie auf rund 120.000 Stimmen, rund 40.000 mehr als bei der Europawahl; in Thüringen erreicht sie mit fast 100.000 Stimmen ein deutlich besseres Ergebnis als im Mai (rund 68.000 Stimmen).

    Im Freistaat nimmt die AfD der Linkspartei 16.000 ehemalige Wähler im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren. Auch wenn es für Rot-Rot-Grün rechnerisch reicht, der Verlust dieser Stimmen ist besonders schmerzhaft für die Partei von Bodo Ramelow. Die Christdemokraten verlieren 18.000 Stimmen, die SPD 12.000 Stimmen und die FDP 11.000 Stimmen. Obwohl die Wahlbeteiligung in beiden Bundesländern gesunken ist, schaffen es die Rechtskonservativen sogar, jeweils 12.000 bisherige Nichtwähler für sich zu gewinnen.

    Landtagswahl in Thüringen: Die Wahlanalyse

    In Brandenburg ergibt sich ein ähnliches Bild: Die Linke büßt am meisten Stimmen im Vergleich zu 2009 an die AfD ein (20.000), die CDU folgt mit 18.000 Stimmen, die FDP mit 17.000 und die SPD mit 12.000 Stimmen. Damit ist eurokritische AfD ein Problem für alle Etablierten - mit Ausnahme der Grünen, die nur geringfügig verlieren. ..."

    ==> Noch fragen Herr Bezahlt-Kommentator "Herr Michael Rensler" ??

  • Kaum 30 Jahre nach dem fulminanten Aufstieg einer Partei mit vergleichbarem Programm in unserem Nachbarland scheint sich nun endlich auch hierzulande eine neue Bewegung nachhaltig zu etablieren. Im Gegensatz zu Piratenpartei, Schill-Partei und anderen Jux-Vereinen scheint hier schon ein Grundverständnis von Politik, Programm, Konzept und Weltbild vorhanden zu sein, sodass einem weiteren Aufstieg weniger im Weg steht als den verblichenen Überraschungsparteien. Interessant auch zu sehen, dass die etablierten die gleichen Fehler machen wie die Schwesterparteien in Österreich: Totschweigen, bekämpfen, lächerlich machen. Dort steht "dank" dieser Taktik die FPÖ nun davor, stärkste Partei zu werden; und so wird es wohl auch in Deutschland mit der AfD kommen, wenn der Konkurrenz nichts anderes einfällt. Ob ich das allerdings noch erleben werde, da derartige Veränderungen immer Jahrzehnte brauchen (bei Wahl-Rhythmen von 4-6 Jahren), steht auf einem anderen Blatt.

  • "Sie bind eben nicht für Wohlstand und Demokratie, sonst würden Sie die militärische Auseinandersetzung nicht einfordern. Sie stehen für Borniertheit und mögliche Gewalt"

    Quatsch, niemand fordert Krieg. Was man fordern muss ist die Einhaltung der Menschenrechte und des Völkerrechts. Im Eigeninteresse. Dafür muss man auch bereit sein zu kämpfen, wenn man bedroht wird.

    Wer aber bei solch einer existenziellen Bedrohung wegen 2 Euro 50 Umsatz mehr lieber einem Despoten in den Hintern kriecht und vor Angst schlottert, der sollte niemals in politische Verantwortung gehoben werden - allein schon die mangelnde Abwägungs- und Urteilsfähigkeit sind dermaßen augenfällig...

  • "Selbstverständlich geht es auch um Herrn Grupp."

    Bullshit, selbstverständlich geht es hier *nicht* um Herrn Grupp, sondern die Mentatlität der AfD-Putinisten. Herr Grupp hat nur zufällig das Pech, einen Ihnen wohlgefälligen Artikel geschrieben zu haben.

    Ich könnte mich darüber schlapp lachen, wie die Sanktionen bezüglich Russland übertrieben und solche im Zusammenhang mit dem Euroausstieg heruntergespielt wird. Dann ist es wirklich zum schießen, wie der lupenreine Autokrat Putin hier verteidigt wird und Frau Merkel als Ausbund des Terrorstaats verunglimpft wird.

    Solche Leute *kann* man nicht ernst nehmen... LOL

  • "Selbstverständlich geht es auch um Herrn Grupp."

    Bullshit, selbstverständlich geht es hier *nicht* um Herrn Grupp, sondern die Mentatlität der AfD-Putinisten. Herr Grupp hat nur zufällig das Pech, einen Ihnen wohlgefälligen Artikel geschrieben zu haben.

    Ich könnte mich darüber schlapp lachen, wie die Sanktionen bezüglich Russland übertrieben und solche im Zusammenhang mit dem Euroausstieg heruntergespielt wird. Dann ist es wirklich zum schießen, wie der lupenreine Autokrat Putin hier verteidigt wird und Frau Merkel als Ausbund des Terrorstaats verunglimpft wird.

    Solche Leute *kann* man nicht ernst nehmen... LOL

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