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Zum Landtagswahlen 2016 Special von Handelsblatt Online

AfD bei den Landtagswahlen Wo die Rechtspopulisten abblitzen

Die AfD ist der große Wahlgewinner der drei Landtagswahlen. Doch in einzelnen Städten und Regionen bekam die Partei nur halb so viele Stimmen wie anderswo. Das liegt an mehreren Faktoren, wie Politologen erklären.
Die AfD und ihre Parteichefin stoßen mit ihren rechtspopulistischen Parolen bei Studenten auf Widerstand. Quelle: Reuters
Frauke Petry

Die AfD und ihre Parteichefin stoßen mit ihren rechtspopulistischen Parolen bei Studenten auf Widerstand.

(Foto: Reuters)

Berlin Die AfD hat bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz triumphiert. Die Partei erzielte zweistellige Ergebnisse, in Sachsen-Anhalt kam die Partei sogar auf mehr als 24 Prozent. Doch die AfD kam nicht in allen Teilen der drei Bundesländer so gut an. Vor allem dort, wo das Bildungsniveau hoch ist und der Studentenanteil in der Bevölkerung groß ist, schnitt die Partei schlechter ab als anderswo. Doch es gab noch andere Faktoren, auf die Politologen hinweisen.

Ein Überblick:

Baden-Württemberg: Studenten sind keine Protestwähler

Im Südwesten des Landes holte die AfD 15,1 Prozent der Stimmen und ist damit drittstärkste Kraft hinter den Grünen und der CDU geworden. Gerade einmal in drei von 70 Wahlkreisen im Ländle erreichte die Alternative für Deutschland weniger als zehn Prozent: Im Wahlkreis Stuttgart I kamen die Rechtspopulisten auf sieben Prozent der Stimmen, im Bezirk Freiburg I waren es 8,4 Prozent, in Konstanz neun Prozent.

„Tragisch, wie Dummheit und Blindheit zur Selbstschädigung werden“
Martin Herrenknecht, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Herrenknecht AG
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Klar, als CDU-Mann lassen mich die Wahlergebnisse in Baden-Württemberg nicht kalt. Das gilt auch für Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Aus meiner Sicht macht es aber keinen Sinn, Schnappatmung zu bekommen, da es mal ganz anders ausgegangen ist. Von einem massiven Rechtsruck zu reden, ist ebenso überzogen. Mit den Denkschablonen der vergangenen zwanzig Jahre kommen wir heute nicht mehr weiter. Die etablierten Volksparteien, vorne weg die CDU, müssen endlich wieder aktiver und konkreter die wahren Probleme und Herausforderungen des Landes anpacken und durch entsprechende Programme sauber abarbeiten.

(Foto: AP)
Wolfgang Grupp, Inhaber von Trigema
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Das Abschneiden der AfD ist eine klare Protestaussage in Richtung CDU. Hätte die Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik früher umgesteuert, hätte die AfD nicht diese Zustimmung erfahren. (…) Die AfD ist eine Übergangserscheinung. Sie hat teilweise bis weit hinein ins bürgerliche Lager Wähler gewonnen. Aber das wird nicht auf Dauer so bleiben. Wichtig ist allerdings, dass die Kanzlerin den Weckruf auch wahrnimmt und in der Flüchtlingspolitik ihren Kurs ändert.

(Foto: dpa)
Friedrich von Metzler, persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Metzler
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Ich bin froh, dass wir in Deutschland demokratisch diskutieren und jeder für seine Überzeugungen einstehen kann. Trotzdem ist es bedauerlich, dass durch die Flüchtlingsproblematik solch radikale Ideen entstehen. Es sind Minderheiten, die sich zu Mehrheiten erklären. Das schadet dem Image von Deutschland. Es gibt viel mehr Freiwillige, die sich für ein offenes Deutschland einsetzen. Statt um Flüchtlinge sollten wir uns mehr Sorgen machen um den Teil der Bevölkerung, der nichts verändern will.

(Foto: Reuters)
Felix von Nathusius, Chef des Autozulieferers Ifa-Rotorion aus Haldensleben (Sachsen-Anhalt)
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Der Wahlerfolg der AfD ist ein negatives Signal für den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt. Für uns als international tätiges Unternehmen sind Weltoffenheit und ein konstruktiver, demokratischer Diskurs unmittelbar mit unserem wirtschaftlichen Erfolg verknüpft. Fremdenfeindlichkeit und nationaler Populismus werden dem Land nachhaltig schaden. Es wäre aber zu kurz gegriffen, das Erstarken der AfD allein auf die Flüchtlingsdebatte zu reduzieren. Den etablierten Parteien muss es nun gelingen, neue Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um die enttäuschten Menschen, die vom wirtschaftlichen Aufschwung ausgeschlossen sind, in die Mitte der Gesellschaft zurückzuführen. Das gelingt nur mit einer starken Wirtschaft, die sichere und attraktive Arbeitsplätze bietet. Wir werden alles daran setzen, das der erfolgreiche Kurs, den die Landesregierung unter Führung von Ministerpräsident Haseloff in den letzten zehn Jahren eingeschlagen hat, beibehalten wird.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Hans Bauerfeind, Vorstandschef Bauerfeind AG, Zeulenroda
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Die AfD lebt allein vom Zulauf durch die Flüchtlingsproblematik. Das Wahlergebnis ist ein Alarm-Signal für die etablierten Parteien in Deutschland, aber auch für Europa: Es richtet sich gegen die Europäische Union und ist ein Rückschritt in längst überwunden geglaubtes nationales Denken. (…) Wir brauchen verbindliche Antworten und Lösungen in den Asyl- und Flüchtlingsfragen. Dann nimmt auch die Bedeutung der AfD wieder ab und sie bleibt hoffentlich nur eine temporäre Erscheinung.

(Foto: dpa)
Andreas Barner, Chef von Boehringer Ingelheim und Präsident des Stifterverbandes
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Die Demokratie ist immer auch herausfordernd – das war bei den Wahlen durch das Abschneiden der AfD wieder so. Aber die Präsenz in den Parlamenten wird, so hoffe ich, nur von kurzer Dauer sein.

(Foto: dpa)
Gordon Riske, CEO Kion Group
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Zuwanderung hat schon immer einen wichtigen Beitrag zum Erfolg wirtschaftsstarker Nationen wie Deutschland oder den USA geleistet. Deutschland ist daher bei allen Herausforderungen gut beraten, weiter weltoffen zu sein und die Chancen der Migration zu nutzen.

(Foto: dpa)

Dass die selbst ernannte Alternative in diesen Wahlkreisen deutlich unter ihrem Landesdurchschnitt von 15,1 Prozent landete, liege am hohen Studentenanteil, erklärt der Politikwissenschaftler Joachim Behnke. Denn was über alle Bundesländer hinweg auffällt: Die Wähler der AfD sind überdurchschnittlich männliche Arbeiter oder Arbeitslose – und zumeist keine Hochschüler.

Laut einer Forsa-Umfrage unter AfD-Anhängern vor wenigen Tagen bezeichneten sich 42 Prozent der Befragten als rechts. 70 Prozent sehen Pegida als Phänomen, das für die breite Mitte der deutschen Gesellschaft steht. Und laut einer Nachwahlbefragung von infratest-dimap gaben 91 Prozent der AfD-Anhänger an, dass sie erleichtert seien, dass zurzeit nur noch wenige Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Gerade bei ihnen kann die Alternative für Deutschland mit rechtspopulistischen Parolen und Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung punkten.

Eine Strategie, die bei Hochschülern nicht zieht. „Studenten sind einfach nicht so anfällig für die Parolen der AfD“, sagt Politikwissenschaftler Behnke. Hochschüler seien zudem keine klassischen Nicht- oder Protestwähler, aus deren Lager die Rechtspopulisten viele Anhänger gewonnen hätten. Für diese These spricht auch, dass die Ergebnisse der AfD in den Studentenstädten Tübingen, Heidelberg, Stuttgart und Freiburg zwischen zehn und elf Prozent geblieben sind.

Und noch etwas fällt auf: Schneidet die AfD schlecht ab, gewinnen vor allen Dingen die Grünen. Im Wahlbezirk Stuttgart I kamen die Grünen bei der Wahl am Sonntag beispielsweise auf 42,4 Prozent, in Freiburg I auf 39 Prozent. Die AfD holte dort weniger als zehn Prozent.

Die Grünen profitieren am stärksten
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