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AfD und NPD Usedom – eine Insel driftet nach rechts

Die AfD hat bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern auf Usedom ihr bestes Ergebnis erzielt. Mancherorts kommt sie zusammen mit der NPD auf über 50 Prozent. Die Reisebranche ist besorgt. Denn es steht viel auf dem Spiel.
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Ostseestrand von Zinnowitz auf der Insel Usedom: Bleiben nach dem AfD-Erfolg die Urlauber weg? Quelle: dpa
Strandwetter an der Ostsee.

Ostseestrand von Zinnowitz auf der Insel Usedom: Bleiben nach dem AfD-Erfolg die Urlauber weg?

(Foto: dpa)

BerlinDie Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat aus Sicht der Reisebranche ein bedenkliches Ergebnis gebracht. Dabei geht es nicht vornehmlich um die Sorge, dass die AfD landesweit 20,8 Prozent der Stimmen eingefahren hat. Viel kritischer wird der Umstand gesehen, dass nirgendwo sonst mehr Wähler ihr Kreuz bei AfD und NPD gemacht haben als auf der Ferieninsel Usedom. In Peenemünde beispielsweise kommen beiden Parteien zusammen auf 52,4 Prozent der Zweitstimmen. Andernorts auf der Insel schnitten AfD und NPD ebenfalls stark ab.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) befürchtet deshalb schon Nachteile für die Tourismuswirtschaft in dem Bundesland. „Die Reisebranche steht für ein weltoffenes und gastfreundliches Deutschland. Tourismus und Fremdenfeindlichkeit passen nicht zusammen“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig dem Handelsblatt. Vielmehr gehe es darum, Brücken zu bauen. „Wir wollen im Ausland willkommen sein, das Gleiche sollte daher auch für alle gelten, die hierher kommen.“

Die AfD verzeichnete in Usedom ihre bestes Ergebnis der Landtagswahl. Und zwar im Wahlkreis Vorpommern-Greifswald III. Dazu gehört der östliche Teil des Landkreises Vorpommern-Greifswald mit der Stadt Wolgast und der Ferieninsel Usedom. Fast jeder Dritte dort (32,3 Prozent) gab der AfD seine Stimme. Zum Vergleich: In einem Rostocker Innenstadt-Wahlkreis brachte die Partei es nur auf 12,2 Prozent.

In dem Wahlkreis holte der AfD-Kandidat Ralph Weber mit 35,3 Prozent eines von drei Direktmandaten für seine Partei. Die SPD erzielte dort nur 17,8, die CDU 19 und die Linke 17,9 Prozent. Weber arbeitet seit 2009 als Rechtsprofessor an der Universität Greifswald. Dort ist er umstritten. So war er mit dem Tragen von Thor-Steinar-Kleidung, die auch in rechtsextremen Kreisen beliebt ist, in die Kritik geraten. Wie die „Welt am Sonntag“ kürzlich berichtete, soll Weber zudem einen ausgewiesenen Neonazi promoviert und schon 2010 mit dem damaligen NPD-Chef Udo Voigt über die Gründung einer rechten Partei gesprochen haben. Erst vor kurzem soll zudem ein Vertreter der rechtsextremen „Reichsbürger“ im Rahmen von Webers Vorlesung an der Uni Greifswald einen Vortrag gehalten haben.

Dörthe Hausmann, Chefin der Usedom Tourismus GmbH, hat bereits besorgte Reaktionen auf den Wahlsonntag registriert. In den vergangenen Tagen hätten sie mehrere Mails von Urlaubern erreicht, die sich erschrocken über den Ausgang der Wahl zeigten. Zwar habe bislang noch niemand seinen Urlaub abgesagt, sagte Hausmann der Nachrichtenagentur dpa. Doch es sei fraglich, ob das so bleibe.

Hausmann erinnerte an Dresden, wo die Pegida-Aufmärsche vor einem Jahr die Besucherströme bremsten. In der Elbmetropole ging die Zahl der Übernachtungen nach Jahren des Wachstums 2015 um drei Prozent zurück.

AfD-Wahlerfolg beunruhigt auch den Städtebund
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14 Kommentare zu "AfD und NPD: Usedom – eine Insel driftet nach rechts"

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  • Ich werde mit meiner Familie jetzt erst recht den Jahresurlaub auf Usedom verbringen.

     

    Weiter so, liebe Usedomer, wir kommen.Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Solange sogenannte demokratische Politiker der SPDCDUCSUGRÜNELINKSPARTEI Blockparteien Ihr Mandat nicht als öffentliche Aufgabe und als Dienst an der Gesellschaft und am Bürger begreifen, sondern nur als gelungenes Karrieresprungbrett zum Einstieg in lukrative Jobs in der Wirtschaft, wird der Zustrom von frustrierten AfD-Wählern anhalten.

    Dieser Staat ist zu einer Wohlfühloase für Manager und Politiker verkommen.

    Mit katastrophalen Konsequenzen für uns alle; insbesondere für uns, die überhaupt noch Steuern und Sozialversicherungsabgaben zahlen ...

  •  Mir egal. Um Dunkel-Deutschland habe ich schon immer einen großen Bogen gemacht (und fühle mich jetzt nur bestätigt).

    Seitdem sich meine Eltern was schickes 250 qm großes an der schönen Côte d’Azur für den Ruhestand gegönnt haben, verbringe ich sowieso im Sommer wenn dann nur noch da meine Freizeit falls der Nürburgring geschlossen ist. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die AfD auf Fremdenfeindlichkeit zu reduzieren geht am Thema vorbei.

    Gerade Vorpommern hat stark unter den von der CDU initiierten Kreisgebietsreformen zu leiden. Aemter werden zusammengelegt bzw. geschlossen, Gerichte geschlossen. Krankenhaeuser totgespart ...

    Oeffentlicher Naehverkehr ist fast nicht mehr existent. Busse 2-3 am Tag und zum naechsten Bahnhof > 30 km. Die Politik in MVP ist auf die Staedte ausgericht. Schwerin, Rostok, Stralsund, Wismar etc. da laeuft es mehr oder weniger gut, das platte Land ist gut fuer Touristen und um Windraeder aufzustellen, sonst stoert es Schwerin nur.

    Der Aufstieg der AfD ist zu grossen Teilen hierauf zurueckzufuehren.

  • Wir fühlen uns dort immer sehr wohl, sehr nette Menschen, klasse Küche, alles gut.
    Wir haben uns sogar überlegt dort später einmal hinzuziehen, ist jetzt natürlich erste Wahl.
    Unsere verlorenen Städte wie Stuttgart oder Offenbach und Frankfurt müßten dann ja Ferienhochburgen sein, sind sie aber nicht.

  • Regierungskritik darf man hier nicht äussern, aufpassen!

  • Wer glaubt das dies Usedom schaden würde hat vom realen Leben keine Ahnung,eher das Gegenteil ist der Fall weil alle Aussenstehenden die Usedomer für Ihre Stellungnahe gegen Merkel unterstützen werden.Jeder der dort selbst mal im Urlaub war weiß das er dort von liebenswerten Menschen
    eine wunderschöne Urlaubszeit bereitet bekommt (obwohl Sie beschissen bezahlt werden) die Ihr Heimatland lieben und achten.Frau Merkel ist Deutschland scheiss egal ,aber was will man auch von jemandem erwarten der selbst keine Kinder groß gezogen hat,so einer Person fehlt jegliche Empathie dafür was es bedeutet wenn Kinder und Enkelkinder in mehreren Hundert Kilometern Entfernung der Großeltern aufwachsen müssen weil die Politik nicht in der Lage ist für vernünftige Zukunftsfähige Arbeitsplätze zu sorgen

  • Wenn die sattsam bekannten Spezialökonomen Fratzscher und Horn etwas von sich geben, weiß man wie er Hase läuft.

    Nicht ein Tourist wird wegen AfD Wahlerfolgen Usedom nicht besuchen, genau so wenig wie Frankreich-Besucher Frankreich meiden wegen Wahlerfolge der FN oder Österreich Fans nicht mehr Urlaub machen in der Alpenrepublik weil Herr Hofer demächst der neue Präsident sein wird.

    Diese Stimmungsmache ist zu urchsichtig, um ernst genommen werden zu können

  • Wenn ich 150 direkte Nachbar aus Kriegsgebieten vor die Nase gesetzt bekomme ohne einen Einfluß darau zu haben, wäre ich auch besorgt.

    Wer will Romas, Sintis, Albaner! SYRER, Kosovaren, Bulgaren, Afghanen, Libanesen, die aus den Magreb-Staaten, Russen, Polen und und und als direkten Nachbarn?

  • Also diesen Artikel halte ich für übertrieben. Davon wird kein einziger Tourist weniger kommen um Urlaub zu machen.
    Jetzt so zu tun als wenn die Welt untergeht ist hirnrissig. Wie wäre es mal mit so einer Kritik an der Kanzlerin mit ihrem ganzen Gefolge?

    Berichtet doch mal wer die Parteien, bevorzugt die CDU, mit großzügigen Millionenbeträgen sponsert, soll das Demokratie sein?
    Berichtet doch mal ob die Kanzlerin die Journalisten in der Türkei schützt!
    Berichtet doch mal über die tatsächlichen Finanzierungskosten der Migration!

    Ja, es ist halt nun mal so, dass in Deutschland die Schere immer weiter auseinander geht.Wer bezahlt denn die Kosten für die vielen Kriegsflüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge? Nicht die Industrie! Die lässt sich jeden Handschalg erst mal suventionieren!
    Die Politiker auch nicht, die bezahlen ja keine Steuer, wenn es nicht so traurig wäre...



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