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Gastbeitrag zur Berlin-Wahl Drei-Punkte-Plan zur Entzauberung der AfD

Viele erklären den AfD-Aufstieg als Reaktion auf die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Für den DIW-Ökonomen Kritikos greift das zu kurz. Er nennt andere Gründe für den Erfolg der Partei. Ein Gastbeitrag.
22 Kommentare
Der Ökonom Alexander Kritikos ist Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW Berlin) und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Potsdam. Quelle: DIW
Alexander Kritikos

Der Ökonom Alexander Kritikos ist Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW Berlin) und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Potsdam.

(Foto: DIW)

BerlinDie AfD fährt im Jahr 2016 einen Wahlerfolg nach dem anderen ein. Sachsen-Anhalt 24 Prozent, Baden-Württemberg 15 Prozent, Mecklenburg-Vorpommern 21 Prozent. Und jetzt Berlin 14 Prozent (auch hier im Ostteil 5 Prozent höher als im Westteil). Vor der Flüchtlingskrise in den Jahren 2014 und 2015 lag die AfD im Westen noch bei rund 5 Prozent, im Osten bei rund 10 Prozent. Das ließe den Schluss zu: Mit dem Schüren von Ängsten vor Flüchtlingen konnte diese Partei einen Wähleranstieg von bis zu 10 Prozentpunkten erzielen.

Da ist es kein Wunder, dass Politiker aller Couleur ein Eindämmen der Flüchtlingszuwanderung fordern, im festen Glauben, damit ginge auch die Zustimmung zur AfD zurück. Doch so leicht werden sich die Wähler von der AfD nicht wieder abwenden – es sind nicht nur Protestwähler.

Eine jüngst erschienene DIW-Studie macht deutlich, dass sich nicht nur Menschen mit geringer oder mittlerer Bildung für die AfD entscheiden, Männer häufiger als Frauen; nicht nur Arbeitslose und Arbeiter, sondern auch Menschen, die Angst haben um ihre zukünftige finanzielle Situation.

Vermutlich sind das vor allem Menschen, die sich als Verlierer der Globalisierung sehen, die entweder einen Jobverlust fürchten, etwa wenn sie täglich mit Schlagworten wie „Industrie 4.0“ konfrontiert werden, oder bereits arbeitslos sind. Es sind Menschen, die das subjektive Gefühl haben, dass die Einkommensungleichheit zu ihren Ungunsten immer weiter steigt. Es sind wohl auch Menschen, die in Zeiten der Globalisierung für sich keine Entwicklungsperspektive mehr sehen.

Der ungehinderte Zuzug von Flüchtlingen hat die zuvor bei vielen nur diffus wahrgenommenen Ängste kanalisiert und eine Adresse gegeben. Flüchtlinge könnten die Jobs wegnehmen und die ohnehin schon niedrigen Löhne weiter drücken.

Diesen Menschen wird man ihre Sorgen und Ängste nicht durch Obergrenzen in der Zuwanderung nehmen, auch nicht durch Studien, die das Gefühl der steigenden Einkommensungleichheit zu widerlegen versuchen, noch nicht einmal durch die Einführung des Mindestlohns. Denn auch der setzt voraus, dass man einen Job hat.

Eigentlich ist Deutschland ein Profiteur der Globalisierung der Märkte, nicht umsonst ist das Land Exportweltmeister. Es ermöglicht vielen einen hohen Lebensstandard, auch dank der Arbeitsmarktreformen vor bald 15 Jahren und der gestiegenen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Und es wird auch in Zukunft wichtig bleiben, dass die Wirtschaftspolitik das Land in die Lage versetzt, eine solch wettbewerbsfähige Wirtschaftsstruktur weiter zu entwickeln.

Globalisierungsverlierer zurückholen
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22 Kommentare zu "Gastbeitrag zur Berlin-Wahl: Drei-Punkte-Plan zur Entzauberung der AfD"

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  • Frau Lana Ebsel19.09.2016, 17:57 Uhr
    Als Erstes muss Merkel ihr devotes Sklavenrudel von "Wir-schaffen-das-"Nachschwätzern einsperren.
    Als zweites muss sie sich "Wir schaffen das NICHT" auf die Stirn tackern, sonst glaube ich ihre angebliche Reue in keinster Weise, denn ihr Ruhigstell-Gemurmel kennt man zur Genüge und weiß, dass es nicht mal einen Pfennig wert ist.

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    Ihr Kommentar ist zu alt...

    wir haben Euro-Cent und kein Pfennig mehr.

    :-)))


  • Als Erstes muss Merkel ihr devotes Sklavenrudel von "Wir-schaffen-das-"Nachschwätzern einsperren.
    Als zweites muss sie sich "Wir schaffen das NICHT" auf die Stirn tackern, sonst glaube ich ihre angebliche Reue in keinster Weise, denn ihr Ruhigstell-Gemurmel kennt man zur Genüge und weiß, dass es nicht mal einen Pfennig wert ist.

  • Herr Jürgen Mücke19.09.2016, 15:50 Uhr
    Sie müssen einfach gute Politik machen. Fürs Volk gegen Establishment Eliten Konzernherrschaft Lobbyisten. Das Volk hat keine Lobby gehabt. Daher die Unzufriedenheit

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    Die Hauptsächliche Unzufriedenheit in Deutschland mit den Hauptparteien liegt darin dass...

    DIE CDU AUFGEHÖRT HAT DIE CDU ZU SEIN...UM SICH AN ANDERE PARTEIEN ANZUNÄHERN !!!

    SCHON DEN ATOMAUSSTIEG WAR EIN GRAVIERENDER " GRÜNER FEHLER " DASS NUN IN DER ZUKUNFT DER DEUTSCHE WIRTSCHAFT SCHADEN WIRD.

    BRITEN bauen neue Kernkraftwerke...und alle deutsche Nachbarn haben unsicherer Kernkraftwerke als es die deutsche abzuschaltende Kernkraftwerke sind.

    FRANKREICH IST KEIN MUSTER BEISPIEL...und die Tschechei auch nicht...doch warum gehen die Kritiker nicht dorthin ?

    Hier zu Kritisieren was eine Politikerin eventuell falsch gemacht hat ist zu einfach !

    WER KRITISIERT MUSS GLEICHZEITIG DIE LÖSUNG MITLIEFERN !

    Doch es geht hier bei viele Kommentatoren nur darum DIE MORAL IM DEUTSCHEN VOLK ZERSTÖREN ZULASSEN...um dann die Wahlen zu gewinnen...UND UM DANN DIE MORAL WIEDER EINZUFÜHREN MIT DIKTATUR GEGEN DAS DEUTSCHE VOLK HERVORGEHEN ZU WOLLEN und behaupten dass wir es dann so müssen !!!

    Adolf Hitler machte es bereits so...und heute spiegeln sich die politische zeiten und Aktionen aufs neue !

    Lieber Wähler genau hinschauen und genau vergleichen !

  • DEUTSCHLANDS ORAKEL

    Ob Hr. Kritikos bewußt ist, dass seine Bildungs-Visionen für unser Land dem derzeitigen Bundesprogramm der AfD entnommen sein könnten?
    Gar löblich sind Vorstellungen die Jahrzehnte bestehende Vermögensumverteilung zu bremsen. Leider kommt auch dies zu spät.
    Die Frage, die er sich statt dessen stellen sollte, wäre, wie durch Rückführung von Kompetenz von EU-Kommissionen an die Nationalstaaten der Verfall der EU gebremst werden könnte.

    DER WERTHALTIGERE GINI-KOEFFIZIENT FÜR DEUTSCHLAND

  • Dass alle Schöngeister immer meinen. diejenigen, die AfD wählen wären geistig zurückgeblieben, arbeitslos oder haben angst, dass sie gesellschaftlich absteigen könnten. Eigentlich entlarfen solche Kommentatoren nur ihr eigenes geistiges Vermögen durch solche Schmähparolen. Dass es den AfD-Wählern um die Zukunft Deutschlands geht, kann sich in Waldorfschulen herangezogenen Feingeistern nicht erschließen, da dann der eingebleute Gutmenschenvirus zu zucken beginnt und es verhindert.

  • Die AFD ist zur Aufrechterhaltung unserer Demokratie unbedingt erforderlich! Anderswo kann ich keinen einzigen Funken von Opposition mehr erkennen!

  • Das kommt in der Politik davon, wenn man mit wir spricht und nicht erkennt, dass es das wir nicht will und ich gemeint habe, dass es so gehen soll.

    Die Returkutsche kam dann mit "Wir sind das Volk."

    Wer will den eigentlich ein Ghetto in seiner Nachbarschaft. Ich nicht.
    Und wer will hier Hundertausende Illegale im Land. Einige Folgen sind je schon sichtbsr gewesen und Menschen mußten Fehleinschätzungen mit ihrem Leib oder Leben bezahlen.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in Europa vorbei ist.

    Eines ist sicher, wenn eines Tages einer von meinen Familienangehörigen Opfer sein sollte, dann hört der Spaß endgültig auf.

    Wenn dann von Bürgerkrieg jemand spricht, kann ich das z.T. nachvollziehen.
    Mit "Ichglaube-Politiker" und "Wirschaffendas-Politiker" kommt man bei Terror und Ansxhlägen nicht weiter.

  • Kann uns der versierte Herr Ökonom denn auch einen Drei-Punkte-Plan gegen das Missmanagement der etablierten Parteien aufzeigen oder bleibt es nur bei der spöttelnden Arroganz der Herabsetzung von Menschen?

    Ich habe die Menschen, die schnell mit einem Verdammungsurteil bei der Hand sind, immer in Verdacht, daß sie selbst nicht viel taugen.

  • Sie müssen einfach gute Politik machen. Fürs Volk gegen Establishment Eliten Konzernherrschaft Lobbyisten. Das Volk hat keine Lobby gehabt. Daher die Unzufriedenheit

  • Schade, man kann hier nicht mehr auf einzelne Kommentare antworten? Antwort an Herrn Harold: Wenn ich bei den letzten Wahlen den Wahl-O-Mat durchgespielt habe, lag bei mir die AfD sogar bei knapp über 70% Zustimmung. Bei mir liegt aber die FDP immer noch ein wenig davor. Und ich hätte auch gerne wieder eine liberale Partei im BT, wobei ich die AfD als konservativ-liberal ansehe. Die große Deutsche Einheitspartei (kurz DEP) bestehend aus CDU, SPD, Grünen und Linken sehe ich dagegen als sozialistische Partei an. Ach ja, ich wohne selbst in NRW. Alle mir persönlich bekannten Anhänger der AfD sind gut-situiert (sie arbeiten zumindest über die Hälfte des Jahres nur für den Staat), verfügen über einen akademischen Abschluss und sind zumeist auch Profiteure der Globalisierung. Ich denke, der Autor dieses Kommentars liegt komplett falsch, wird dies aber nach der Landtagswahl in NRW auch einsehen. Was uns alle nervt ist, dass inzwischen nur noch Politik gegen die Bürger gemacht wird. Der Bürger hat Melkkuh zu sein und ansonsten das Maul zu halten, wenn man nicht zufällig im ÖD beschäftigt ist. Diese Message kommt inzwischen ja ständig von Politik und Verwaltung rüber. Es wird Zeit, sich dagegen zu wehren. Auch die Kontrollwut des Staates wird inzwischen unerträglich. Die Zeit, die ich mich als Selbständiger mit Finanzbeamten rumärgern musste, hat sich unter Walter-Borjans locker verdoppelt. A. Nahles will uns Selbständigen sowieso an den Kragen. Und an meinem Heimatflughafen FMO werde ich als Versuchskaninchen für die Ausbildung von neuen Zöllnern missbraucht. Letzten Freitag bin ich bei der erneuten Durchsuchung meines Gepäcks durch ein ganzes Rudel an Zöllnern (bis zu 8) fast ausgerastet. Dies sind alles Kleinigkeiten, die aber in Summe dafür sorgen, dass man sich darüber freut, dass es nun endlich eine Alternative zum links-grünen Sozen-Einerlei gibt.

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