Landtagswahlen Sellering darf auf zweite Amtszeit hoffen

Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern hätte sie gebraucht, doch wegen eines Todesfalls in der Familie fiel Angela Merkel bei der abschließenden Veranstaltung im Landtagswahlkampf aus. An diesem Sonntag fällt die Entscheidung
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Welche Politiker in Schwerin um die Macht kämpfen
SPD top-candidate in Mecklenburg-Vorpommern state election, State Premier Sellering gestures after speaking to supporters at election campaign event in Rostock Warnemuende
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Erwin Sellering (SPD)

Als parteipolitischer Spätstarter hat Erwin Sellering (61) zügig Karriere gemacht, die ihn 2008 bis in das Amt des Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern führte. Der 1949 in Sprockhövel bei Bochum geborene Jurist trat erst 1994 - nach seinem Wechsel als Richter von Gelsenkirchen nach Greifswald - in die SPD ein. Zwei Jahre später wurde er in den Landesvorstand gewählt, 2007 zum Landesvorsitzenden. Sellering, der vor seiner Wahl zum Regierungschef schon Justiz- und Sozialminister war, gilt als Pragmatiker. Er führt seit knapp drei Jahren die von seinem Vorgänger Harald Ringstorff gebildete SPD/CDU-Regierung, hält sich aber auch eine Neuauflage von Rot-Rot offen. Wichtig sind ihm solide Finanzen, die Energiewende sieht er als große Chance für das Land. Sellering ist in zweiter Ehe verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter.

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Lorenz Caffier (CDU)

Der politische Umbruch 1989 hat den Pastorensohn und Diplom- Landtechniker Lorenz Caffier (56) in die Politik gespült. Er gehörte für die DDR-CDU noch kurz der frei gewählten Volkskammer an und zählt zu den wenigen Politiker, die schon seit 1990 im Landtag sitzen. Bevor er 2006 zum Innenminister berufen wurde, war er 16 Jahre lang Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion. Als Schatzmeister und später als Generalsekretär war
er emsiger Parteiarbeiter, ehe ihn die Landes-CDU 2009 zum Vorsitzenden und damit zu ihrem Hoffnungsträger wählte. Seit 1994 wartet die Union im Nordosten bei Landtagswahlen auf einen Sieg. Die Verantwortung für die umstrittene Kreisreform und eine eher verunglückte Plakatkampagne zum Wahlkampfauftakt machen es aber auch für Caffier schwer. Der gebürtige Dresdner lebt seit vielen Jahren in Neustrelitz, er ist verheiratet und hat vier Kinder.

Helmut Holter - Spitzenkandidat der Linken fuer die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
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Helmut Holter (Linke)

Helmut Holter (58) gilt das Aushängeschild der Linken Mecklenburg-Vorpommerns und soll sie zurück in die Regierungsverantwortung führen. Der in Moskau geschulte ehemalige Mitarbeiter der SED-Bezirksleitung Neubrandenburg hatte die Nachfolgepartei PDS regierungsfähig gemacht. 1998 wurde in Schwerin die bundesweit erste rot-rote Landesregierung gebildet. Acht Jahre lang war Holter Arbeitsminister, bei Gewerkschaften wie Arbeitgebern geachtet. Für seinen Kurs hat er in der Landespartei heute breite Rückendeckung, Kritiker wurden an den Rand gedrängt. Holter gilt als Pragmatiker, der zu radikalen Forderungen aus der Bundespartei auf Distanz bleibt, und damit weiter potenzieller Partner für die SPD ist. Mit ihr strebt er einen „Politikwechsel“ an. Der studierte Betonbauingenieur stammt aus Ludwigslust, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

FDP-Spitzenkandidat Gino Leonhard
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Gino Leonhard (FDP)

In der krisengeschüttelten FDP fällt Gino Leonhard (38) die Herkulesaufgabe zu, die Liberalen bei der Landtagswahl über die Fünf-Prozent-Hürde zu hieven. Von ihrem Spitzenergebnis 2006, als die FDP mit 9,6 Prozent eine glanzvolle Rückkehr ins Parlament feierte, scheint die Partei weit entfernt. Der frühere Schiffsmechaniker muss dabei nicht nur gegen das derzeit schlechte Image der FDP ankämpfen, er ist den Wählern auch weitgehend
unbekannt. Zwar machte Leonhard schon mit 24 als Bürgermeister auf Hiddensee erste politische Erfahrungen, als Landtagsabgeordneter aber blieb er blass. Nur weil die zerstrittene Landes-FDP dem bisherigen Fraktionschef Michael Roolf die Zustimmung versagte, rückte er von Platz zwei auf den Spitzenplatz der Landesliste vor. Leonhard ist verheiratet und hat eine Tochter. Er lebt auf Rügen, wo er auch geboren wurde.

Grüne Wahlwerbung für Mecklenburg-Vorpommern
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Silke Gajek/Jürgen Suhr (Grüne)

Die Grünen treten traditionell mit einer Doppelspitze zur Wahl an. Silke Gajek (49) steht dabei in der Tradition der DDR-Bürgerrechtler und Pazifisten. Jürgen Suhr (51), in jungen Jahren Mitglied der FDP, ist im Westen groß geworden und eher den pragmatischen Öko-Intellektuellen zuzuordnen. Beide wollen schaffen, was all ihren Vorgängern misslang: die Grünen auch in Mecklenburg- Vorpommern in den Landtag zu bringen. Doch auf den Sog der Bundespartei wollen sich die Nordost-Grünen nicht verlassen. Als Geschäftsführerin einer Selbsthilfekontaktstelle bringt Gajek vor allem soziale Fragen in die Debatte. Suhr fordert mehr Tempo beim Umsatteln auf erneuerbare Energiequellen wie Wind und Sonne und profiliert sich als Kritiker des Atommüll-Zwischenlagers Lubmin bei Greifswald. Die Schwerinerin Gajek ist verheiratet und hat einen Sohn. Suhr lebt mit Frau und drei Kindern in Stralsund.

Pastoers of the German far-right National Democratic Party NPD gives a news conference at the parliament in Schwerin
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Udo Pastörs (NPD)

Udo Pastörs (58) beherrscht die Inszenierung und die Klaviatur des Tonfalls: Im Gespräch mit dem Bürger gibt sich der gelernte Uhrmacher und frühere Goldhändler weltgewandt und verständnisvoll, seine rechte Ideologie geschickt verpackt. Vor Gesinnungsgenossen werden die Worte lauter und deutlicher. Ein Auftritt im Saarland brachte dem am Niederrhein geborenen und seit gut zehn Jahren mit seiner Frau im westmecklenburgischen Lübtheen lebenden Rechtsextremisten eine Bewährungsstrafe wegen Volksverhetzung ein. Für Attacken gegen die parlamentarische Demokratie und Verbalangriffe gegen Ausländer oder die europäische Nachkriegsordnung erhielt der frühere Zeitsoldat im Landtag die mit Abstand meisten Ordnungsrufe. Wie 2006 will Pastörs die rechtsextreme NPD erneut in den Landtag führen, rechte Kameradschaften sollen dabei helfen.

Mit letzten Kundgebungen und Aktionen haben die Parteien in Mecklenburg-Vorpommern ihren Landtagswahlkampf am Samstag beendet - jetzt haben die Wähler an diesem Sonntag das Wort. Zum Abschluss warnten Vertreter aller demokratischen Parteien am Samstag noch einmal eindringlich vor einem erneuten Einzug der rechtsextremen NPD in den Schweriner Landtag. „Demokratie ist nicht nur eine Staats- und Rechtsform, sie muss eine Lebensform werden“, sagte Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD).

Rund 1,4 Millionen Bürger sind aufgerufen, ein neues Landesparlament zu wählen. Zugleich werden die Kreistage der künftig bundesweit größten Landkreise und die Landräte gewählt. Umfragen zufolge zeichnet sich ein Wahlsieg der Sozialdemokraten unter Führung von Ministerpräsident Erwin Sellering ab.

Bei der Landtagswahl 2006 landete die SPD mit 30,2 Prozent knapp vor der CDU (28,8). Die Linke erzielte mit 16,8 Prozent eines ihrer schlechtesten Ergebnisse, die FDP mit 9,6 Prozent einen Rekordwert. Die rechtsextreme NPD erreichte 7,3 Prozent, die Grünen scheiterten mit 3,4 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Die 71 Sitze im Landtag verteilen sich derzeit so: SPD 23, CDU 22, Linke 13, FDP sieben und NPD 6. Die Wahlbeteiligung betrug 2006 nur 59,1 Prozent.

Am Freitag und Samstag boten vor allem CDU und Linke nochmals Politprominenz auf, um Wähler zu gewinnen. In Neustrelitz und Neubrandenburg warb Kanzlerin Angela Merkel am Freitag erneut um Zustimmung für die CDU und warnte vor einer Rückkehr zu Rot-Rot. „Nur eine starke CDU kann dafür sorgen, dass die Linken nicht in die Regierung kommen“, sagte die CDU-Vorsitzende.

Ihren Auftritt zum Wahlkampfabschluss am Samstag in Waren musste Merkel aber absagen, weil ihr Vater, Horst Kasner, am Freitag gestorben war. An ihrer Stelle sprach der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff. „Auch 2011 kann die CDU gewinnen, das zeigt die Wahl in Sachsen-Anhalt“, machte er den CDU-Anhängern Mut.

Für die Menschen zwischen Schwerin und Greifswald stehe viel auf dem Spiel, erklärte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe am Samstag. Die Wahl werde darüber entscheiden, ob Mecklenburg-Vorpommern weiter auf der Erfolgsspur bleibe - oder wieder in rot-rote Tristesse zurückfalle.

Für die SPD wollten am späten Samstagnachmittag in Schwerin noch Ministerpräsident Sellering und drei weitere Minister in einem Telefonforum Fragen von Wählern beantworten. Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, hatte am Freitagabend zum Wahlkampfabschluss seiner Partei in Schwerin die Wähler aufgefordert, mit ihrer Entscheidung auch ein Signal nach Berlin zu senden. „Sollte die Linke geschwächt aus der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hervorgehen, wäre das Signal: Das hat sich erledigt“, sagte er. Gehe die Linke gestärkt aus den Wahlen hervor, dann würden „die in Berlin“ ihre Politik ändern, „bevor wir einen Antrag stellen.“

Der letzten Umfrage zufolge könnte die SPD (35 Prozent) gegenüber der Wahl 2006 ihren Vorsprung auf den Koalitionspartner CDU (28) und die ebenfalls als Regierungspartner bereitstehende Linke (16,5) vergrößern. Sellering, der eine zweite Amtszeit anstrebt, hat sich nicht auf einen Koalitionspartner festgelegt. Die FDP muss nach den Umfragen um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Ähnlich sind die Aussichten für die rechtsextreme NPD. Die Grünen hoffen auf ihren erstmaligen Einzug in das Landesparlament.

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1 Kommentar zu "Landtagswahlen: Sellering darf auf zweite Amtszeit hoffen"

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  • naja, mit der SPD wird es ein armes Land bleiben.
    Wie auch anders.

    Das einzige, was Sozies gut können, ist das Geld von anderen aus zu geben.

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