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Landtagswahlen VW-Managerin sorgt sich wegen der AfD um Standort Ostdeutschland

Bei den anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland könnte die AfD stark zulegen. VW-Vorständin Hiltrud Werner warnt vor den Folgen für die Region.
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„Leider machen Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit nicht automatisch am Werkstor Halt.“ Quelle: dpa
Hiltrud Werner

„Leider machen Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit nicht automatisch am Werkstor Halt.“

(Foto: dpa)

Berlin Die in Thüringen aufgewachsene VW-Managerin Hiltrud Werner hat sich besorgt über ein mögliches starkes Abschneiden der AfD bei den anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland geäußert. „Wir sind auch als Volkswagen betroffen, wenn Fremden- und Europafeindlichkeit unser auf Internationalität ausgerichtetes Geschäftsmodell berührt“, sagte Werner, die im VW-Vorstand für die Themen Recht und Integrität zuständig ist, der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“.

So sei VW darauf angewiesen, „dass auch ein ausländischer Spezialist gerne in unseren sächsischen Standort nach Zwickau – unser Leitwerk für E-Mobilität – geht“, betonte Werner. „Ein Portugiese oder ein in den USA aufgewachsener Chinese sollte sich in Zwickau genauso wie in seiner Heimat wohlfühlen können.“

Am 1. September finden Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg statt, am 27. Oktober wählt Thüringen. Die AfD war bei der Europawahl sowohl in Sachsen als auch Brandenburg stärkste Partei. Die Stärke der AfD im Osten könnte die amtierenden Ministerpräsidenten vor die schwierige Frage stellen: Wie lassen sich gegen die Rechtspopulisten überhaupt noch stabile Regierungen bilden? Durch Potsdam, Dresden und Erfurt weht dann ein Hauch von Weimar: Auch in der ersten deutschen Republik waren die Extreme irgendwann so stark, dass sich kaum noch eine Regierung mit parlamentarischer Mehrheit bilden ließ.

Glaubt man den Umfragen, dann setzt sich der Triumphzug der AfD fort. Die Partei liegt im Osten derzeit teilweise über 20 Prozent. In Thüringen ist sie mit dem Rechtsaußen Björn Höcke als Zugpferd drittstärkste Kraft hinter der der CDU (26 Prozent) und der Linkspartei (25 Prozent). In Brandenburg hat die AfD die regierende SPD bereits überholt und liegt nun mit 20 Prozentpunkten gleichauf mit der CDU. Und auch in Sachsen holt die AfD weiter auf. Sie liegt dort mit 26 Prozent knapp hinter der Regierungspartei CDU mit 28 Prozent.

AfD-Chef Alexander Gauland sieht gute Chancen für seine Partei, im Osten stärkste Kraft zu werden. Die Themen Migration und Soziales dürften in seinen Augen bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland entscheidend werden. Einen AfD-Ministerpräsidenten werde es nach Auffassung Gaulands aber nicht geben. Denn die CDU werde selbst mit den Linken koalieren, um das zu verhindern. „Das wäre dann allerdings das Ende der CDU“, sagte Gauland der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Auch andere Dax-Konzerne stellen sich gegen die AfD

„Leider machen Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit nicht automatisch am Werkstor Halt“, sagte die VW-Managerin Werner. „Dagegen setzen wir als VW ein klares Zeichen und machen klar, dass wir das nicht tolerieren.“ So sei das Männer- und das Frauen-Fußballteam des VfL Wolfsburg einige Wochen lang mit dem Slogan „Vielfalt“ aufgelaufen. VW als Hauptsponsor habe in der Zeit auf sein Markenlogo auf den Trikots der Spielerinnen und Spieler verzichtet.

Werner forderte auch von den etablierten Parteien eine Reaktion auf das Erstarken der AfD. Die Politiker müssten den Bürgern im Osten „besser zuhören und ihre Sorgen ernst nehmen“, sagte sie. Zugleich konstatierte sie allerdings auch, dass die Etablierten durch den Zulauf für die Rechtspopulisten und das Jubiläum „30 Jahre Mauerfall“ verstanden hätten, „dass sie einiges nacharbeiten und verstehen müssen, was nach dem Mauerfall etwa an Privatisierungen durch die Treuhand schiefgelaufen ist“.

Hier sieht Werner Defizite: „Wenn im Westen der letzten Steinkohleförderung viel mediale Aufmerksamkeit gewidmet wird, schauen sich viele in Ostdeutschland fassungslos an“, erläuterte die VW-Managerin. Hier seien still und leise Hunderte von Betrieben dicht gemacht und auch zahlreiche Braunkohle-Tagebaue geschlossen worden. „Die Menschen im Osten sagen dann: Bei uns sind keine Politiker vor die Kameras getreten und niemand hat sich um uns gekümmert.“ Die Ostdeutschen, resümierte Werner, wollten besser einbezogen werden. „30 Jahre nach dem Mauerfall brauchen wir auch mehr Gerechtigkeit.“

Werner hatte sich zur politischen Entwicklung in Ostdeutschland erst im Frühjahr zu Wort gemeldet und erklärt, dass die AfD zunehmend zum Problem, auch in den Betrieben werde. Sie ist nicht die erste Managerin eines Dax-Konzerns, die sich gegen die AfD stellt. Schon kurz nach dem Einzug der AfD in den Bundestag erklärte etwa Postchef Frank Appel, „alles dafür zu tun, um Populisten den Nährboden zu entziehen“. Telekom-Chef Timotheus Höttges positionierte sich auch schon gegen die AfD.

Und auch Siemens-Chef Joe Kaeser warnte schon davor, dass Nationalismus und Rassismus in Deutschland salonfähig werden. Das wäre für die Wirtschaft und auch sein Unternehmen verheerend, sagte Kaeser einmal im Bayerischen Rundfunk. Deutschland lebe vom Export und möglichst offenen Grenzen, Konzerne seien global aufgestellt, mit Mitarbeitern und Kunden jeder Hautfarbe und Religion.

Die AfD war bei der Bundestagswahl 2017 mit 12,6 Prozent als drittstärkste Kraft erstmals ins Parlament eingezogen.

Mehr: Sachsen steuert bei einem starken AfD-Abschneiden bei den Landtagswahlen auf instabile Verhältnisse zu. Lesen Sie hier, welche Konsequenzen die CDU für den Fall der Fälle erwägt.

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