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Landtagswahlen Wer ist wer? Das sind die Spitzenkandidaten in Sachsen und Brandenburg

In den zwei ostdeutschen Bundesländern wird am 1. September gewählt. Die Spitzenkandidaten der Landtagswahlen im Kurzporträt.
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Oben von links: Dietmar Woidke, Michael Kretschmer, Ursula Nonnemacher, Holger Zastrow. Unten von links: Martin Dulig, Ingo Senftleben, Rico Gebhardt, Andreas Kalbitz. Quelle: dpa (8) [M]
Spitzenkandidaten in Sachsen und Brandenburg

Oben von links: Dietmar Woidke, Michael Kretschmer, Ursula Nonnemacher, Holger Zastrow. Unten von links: Martin Dulig, Ingo Senftleben, Rico Gebhardt, Andreas Kalbitz.

(Foto: dpa (8) [M])

SACHSEN

Michael Kretschmer (CDU)

Kretschmer gilt als erfahrener Politiker - auch wenn er erst 44 Jahre alt ist. Der Ministerpräsident gehört zu den jüngsten deutschen Politikern in diesem Amt. Er übernahm es 2017 von Stanislaw Tillich, der nach dem desaströsen Abschneiden der sächsischen Union bei der Bundestagswahl seinen Rücktritt verkündet hatte.

Kretschmer, zweifacher Vater, steht auch für einen neuen Politikstil - offener, nahbarer. Laut Umfragen ist er Sachsens beliebtester Spitzenpolitiker. Dabei stand seine Karriere 2017 auf der Kippe: Bei der Bundestagswahl verlor Kretschmer ausgerechnet in seiner Heimatregion das Direktmandat gegen einen AfD-Kandidaten.

Martin Dulig (SPD)

Der 45-Jährige ist SPD-Landesvorsitzender, Wirtschaftsminister und Ostbeauftragter der SPD. Als sechsfacher Vater und dreifacher Großvater betont er stets, wie sehr ihm auch das Thema Bildung am Herzen liegt und setzt sich etwa für längeres gemeinsames Lernen in einer Gemeinschaftsschule ein. Im Gegensatz zu seiner Partei, die sich im Sinkflug befindet, gilt der SPD-Landeschef als populär.

Undercover auf der Baustelle, unterwegs mit seinem Küchentisch oder spontan in der Fußgängerzone, er ist bekannt für ungewöhnliche Aktionen und sucht die Nähe zum Bürger. Im Sachsentrend des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) landete Dulig hinter Kretschmer auf dem Rang des zweitbeliebtesten Spitzenpolitikers.

Rico Gebhardt (Linke)

Der 56-jährige Fraktionschef und Spitzenkandidat der Linken kommt aus Schlema im Erzgebirge und gilt als bodenständig, sein Humor als hintergründig. Die sächsische Linke, seit Jahren Oppositionsführerin im sächsischen Landtag, wirbt im Wahlkampf für einen modernen und demokratischen Sozialismus. Der gelernte Koch wünscht sich „mehr Leipzig in Sachsen“ und meint damit eine stärke Zivilgesellschaft, mehr Toleranz und eine offene Gesellschaft. Gebhardt war in der DDR Mitglied der SED. Er sitzt seit 2004 im Landtag. 2009 übernahm er den Parteivorsitz der Linken (bis 2017).

Jörg Urban (AfD)

In den aktuellen Umfragen liegt die AfD zwischen 24 und 26 Prozent. Quelle: dpa
AfD-Spitzenkandidat Jörg Urban

In den aktuellen Umfragen liegt die AfD zwischen 24 und 26 Prozent.

(Foto: dpa)

Der in Meißen geborene Urban ist 55 Jahre alt und trat 2013 in die AfD ein. Im Februar 2018 wurde er Vorsitzender seiner Partei in Sachsen und löste damit Frauke Petry ab. Bis 2014 war der studierte Diplomingenieur und nebenberufliche Landwirt Geschäftsführer der zur DDR-Zeit gegründeten Umweltbewegung „Grüne Liga Sachsen“.

Heute sympathisiert Urban eher mit dem rechten Flügel der Partei. Urban weist den Vorwurf zurück, seine Partei spalte die Gesellschaft. Thematisch bedient er die gleiche Klaviatur wie andere Spitzenfunktionäre der AfD, die ein düsteres Bild von der Lage in Deutschland und in Sachsen malen.

Katja Meier (Grüne)

Die Politikwissenschaftlerin und gebürtige Zwickauerin, die seit 2015 im Landtag sitzt, will sich für eine andere politische Kultur, mehr Chancen für starke Frauen und soziale Politik für alle einsetzen. Die Schwerpunkte der 39-Jährigen: Gleichstellung und Verkehrspolitik - vor allem der öffentliche Nahverkehr. Meier fährt Rad und verzichtet auf ein eigenes Auto. Wenn sie eins braucht, greift sie auf Carsharing zurück. Früher spielte Meier als Bassistin in einer Punkband.

Holger Zastrow (FDP)

Der 50 Jahre alte Holger Zastrow ist der dienstälteste Parteivorsitzende in Sachsen, seit 1999 steht er an der Spitze der FDP. Er machte sich nicht nur als Politiker, sondern auch als Unternehmer einen Namen. So übernahm er etwa das traditionsreiche Ausflugslokal „Hofewiese“ in der Dresdner Heide - und schimpft seither noch mehr über die bürokratischen Hürden für Unternehmer.

Sein Slogan auf den Wahlplakaten: „Einfach machen.“ Mit ihm zogen die Liberalen 2004 mit 5,9 Prozent in den Landtag ein, fünf Jahre später kamen sie auf 10 Prozent und regierten mit der CDU. 2014 flogen die Liberalen mit 3,8 Prozent wieder aus dem Parlament. Am 1. September will Zastrow mit der FDP den Wiedereinzug schaffen.

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BRANDENBURG

Dietmar Woidke (SPD)

Der brandenburgische Ministerpräsident würde sein Amt gern noch ein bisschen behalten. Quelle: dpa
Dietmar Woidke

Der brandenburgische Ministerpräsident würde sein Amt gern noch ein bisschen behalten.

(Foto: dpa)

Als Dietmar Woidke 2013 das Regierungsruder von Matthias Platzeck als Ministerpräsident übernahm, mochte er auf den ersten Blick weniger zugänglich wirken als sein Vorgänger. Inzwischen klopft auch er auf Schultern und macht humorige Sprüche.

Der studierte Agraringenieur wurde 2004 zunächst Landwirtschaftsminister, später SPD-Fraktionschef und dann Innenminister. Bei der Wahl 2014 setzte der Lausitzer die SPD-Siegesserie fort. Ein wichtiges Thema für den 57-Jährigen ist der Strukturwandel in der Lausitz. Der verheiratete Vater einer Tochter ist Rockmusikfan.

Ingo Senftleben (CDU)

Der gelernte Maurer und Hochbautechniker Ingo Senftleben versteht sich als Modernisierer der Partei und Brückenbauer über die politischen Lager hinweg. Der 45-Jährige flirtet offen mit den Grünen und schließt auch eine Koalition mit der Linken nicht aus. Zum Hauptgegner im Wahlkampf hat Senftleben SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärt.

Auf Wahlplakaten präsentiert sich der CDU-Landeschef bereits als Ministerpräsident, obwohl die CDU in den Umfragen bisher nicht vorn liegt. Mit seinem moderaten und liberalen Kurs erntet Senftleben im konservativen Teil seiner Union teils offenen Widerstand.

Andreas Kalbitz (AfD)

Der ehemalige Fallschirmjäger trat 2013 in die AfD ein und kam 2014 in den Brandenburger Landtag. Der gebürtige Münchner war früher CSU-Mitglied. Von Alexander Gauland, seinem politischen „Ziehvater“, übernahm er 2017 den Landesvorsitz, später auch den Posten als Fraktionschef. In Reden spitzt er gern zu. Kalbitz wird zum rechtsnationalen „Flügel“ um Björn Höcke in der Partei gezählt.

Im Jahr 2007 nahm er an einem Pfingstcamp der rechtsextremen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ teil. Später führte er den rechtsextremen Verein „Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit“, den der Ex-SS-Hauptsturmführer und NPD-Funktionär Waldemar Schütz mitbegründet hatte. Nachdem dies 2015 bekannt wurde, legte Kalbitz den Vereinsvorsitz nieder. Er ist verheiratet und Vater dreier Kinder.

Ursula Nonnemacher (Grüne)

Die Grünen-Spitzenkandidaten könnten bei der Regierungsbildung in Brandenburg eine gewichtige Rolle spielen. Quelle: dpa
Benjamin Raschke und Ursula Nonnemacher

Die Grünen-Spitzenkandidaten könnten bei der Regierungsbildung in Brandenburg eine gewichtige Rolle spielen.

(Foto: dpa)

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Ursula Nonnemacher, würde nach einem Erfolg bei der Landtagswahl im Herbst auch das Amt der Ministerpräsidentin übernehmen. Die 62 Jahre alte Ärztin aus Wiesbaden sitzt seit 2009 im Landtag. „Der große Erfolg bei den Kommunalwahlen Ende Mai gibt uns Rückenwind“, sagt Nonnemacher.

Sie hat sich bereits als Fraktionschefin in der zu Ende gehenden Wahlperiode Respekt erworben. Sie kann sehr umgänglich, aber auch hartnäckig sein. Nonnemacher ist offen für eine mögliche Koalition mit der CDU - und sieht die SPD nicht automatisch als Partner.

Benjamin Raschke (Grüne)

Der Grünen-Co-Spitzenkandidat Benjamin Raschke ist ein Rückkehrer. Er wurde in Lübben im Spreewald geboren und studierte in Konstanz am Bodensee Politik, Philosophie und Jura. Er kam als Grüner zurück in die Lausitz. Der 36-Jährige macht dort „Pionierarbeit“, wie er sagt. Raschke ist einer der Landtagsabgeordneten mit den meisten Anfragen an die Landesregierung. Seine Bandbreite an Themen ist groß: Insektenschutz, artgerechte Tierhaltung, ökologischer Landbau, sauberes Wasser in den Flüssen, das Ende der Tagebaue in seiner Heimat und die Renaturierung.

Kathrin Dannenberg (Linke)

Kathrin Dannenberg gehört zum Spitzenkandidaten-Duo der Linken für die Landtagswahl. Die 53 Jahre alte Lehrerin stammt aus Leisnig in Sachsen, ist verheiratet und hat eine Tochter. Im Jahr 2010 erhielt sie den Deutschen Lehrerpreis. Dannenberg arbeitet mit Kindern und Jugendlichen - daher liege ihr das Schlüsselvorhaben der Linken „Gute Bildung und Lebenschancen für alle von Anfang an“ besonders am Herzen, sagt sie.

Vorbilder sind für Dannenberg alle Menschen, die mutig sind, ob im Alltag oder in der Politik. Sophie Scholl, Rosa Luxemburg, Nelson Mandela seien solche Menschen, aber auch ein junges Mädchen, das auf der Straße Zivilcourage zeige.

Sebastian Walter (Linke)

Sebastian Walter ist mit 29 Jahren der jüngste unter den Bewerbern und Teil des Spitzenkandidaten-Duos der Linken. 1990 geboren, kennt er die DDR nur aus Erzählungen. Seine Politik-Karriere begann Walter als 14-Jähriger in der Linksjugend. Mit 22 Jahren wurde er der bisher jüngste stellvertretende Vorsitzende eines Linke-Kreisverbandes im Land. Mit 26 war er der jüngste Gewerkschaftssekretär. Seine Partei wolle sich als „Stimme des Ostens“ für gleichwertige Lebensbedingungen einsetzen, sagt Walter.

Hans-Peter Goetz (FDP)

Für ein schwarz-gelbes Bündnis wird es in Brandenburg definitiv nicht reichen. In Umfragen kommen CDU und FDP zusammen nicht auf mehr als 25 Prozent. Quelle: dpa
FDP-Spitzenkandidat Hans-Peter Goetz (links) und Ingo Senftleben von der CDU

Für ein schwarz-gelbes Bündnis wird es in Brandenburg definitiv nicht reichen. In Umfragen kommen CDU und FDP zusammen nicht auf mehr als 25 Prozent.

(Foto: dpa)

FDP-Spitzenkandidat Hans-Peter Goetz ist ein bekanntes Gesicht in der Brandenburger Landespolitik - obwohl er nach der Landtagswahl 2014, als die Liberalen mit 1,5 Prozent Zweitstimmen aus dem Landtag flogen, lange von der politischen Bühne verschwunden war.

Umso entschlossener tritt er im Wahlkampf auf, mit Dreitage-Bart und offenem Hemd erinnert Goetz auf den Wahlplakaten an seinen Parteichef Christian Lindner. Im Jahr 2009 brachte er die FDP mit 7,2 Prozent in den Landtag. Dieses Spitzenergebnis möchte er diesmal möglichst noch toppen. Inhaltliche Schnittmengen sieht der Rechtsanwalt mit SPD, CDU und Grünen.

Péter Vida (Freie Wähler)

Der Rechtsanwalt Péter Vida kommt aus der Kommunalpolitik. Er zog 2014 aufgrund der Grundmandatsklausel mit zwei weiteren Abgeordneten von BVB/Freie Wähler in den Brandenburger Landtag ein. Der streitbare Jurist mit deutschen und ungarischen Wurzeln punktete zuletzt mit einer Volksinitiative zur Abschaffung der Straßenausbaubeiträge, die vom Landtag im Sommer umgesetzt wurde, nachdem gut 108.000 Bürger unterschrieben hatten.

Der 35 Jahre alte gebürtige Schwedter hofft auf ein Direktmandat in seinem Wahlkreis Barnim II, das den Freien Wählern erneut über die Grundmandatsklausel den Einzug in den Landtag ermöglichen würde, auch wenn sie unter der 5-Prozent-Hürde bleiben.

Mehr: Welche Koalitionen sind nach den Landtagswahlen möglich? Ein Überblick.

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