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Landwirtschaft „Ackerland gehört in Bauernhand“ – Preisentwicklung bei Agrarflächen alarmiert Ministerin Klöckner

Agrarflächen sind für die Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe essentiell. Doch die Pachtpreise sind vielfach betriebswirtschaftlich nicht mehr tragbar.
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Die Konkurrenz auf dem Bodenmarkt hat seit 15 Jahren stetig zugenommen. Quelle: dpa
Zuckerrübenernte in Niedersachsen

Die Konkurrenz auf dem Bodenmarkt hat seit 15 Jahren stetig zugenommen.

(Foto: dpa)

Berlin Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zeigt sich über die Preissteigerungen für landwirtschaftliche Flächen besorgt. „Das ist alarmierend, was da läuft“, sagte die Ministerin am Mittwoch bei der Vorstellung des „Agrarpolitischen Berichts der Bundesregierung“ in Berlin. Vielfach deckten die Erlöse der Landwirte die Pacht- und Kaufpreise nicht mehr.

„Der seit Mitte des letzten Jahrzehnts zu beobachtende Anstieg der Kaufwerte und Pachtpreise landwirtschaftlicher Grundstücke hat sich in den letzten Jahren ungebremst fortgesetzt“, heißt es in dem 200 Seiten umfangreichen Bericht, den die Bundesregierung alle vier Jahre vorlegt.

2018 hätten die Kaufpreise landwirtschaftlicher Grundstücke im Bundesdurchschnitt 25.485 Euro pro Hektar Fläche betragen. Zehn Jahre zuvor lagen die Preise noch bei rund 10.000 Euro.

Auch die durchschnittlich gezahlten Pachtpreise sind gestiegen – und zwar um mehr als 50 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Nach Jahrzehnten mit einer eher geringen Konkurrenz um Flächen, moderaten Preisbewegungen und finanzierbaren Pacht- und Kaufpreisen hat die Konkurrenz auf dem Bodenmarkt seit 15 Jahren stetig zugenommen. Vor allem seit der Finanzkrise 2007 gibt es verstärkt Interesse nicht-landwirtschaftlicher und nicht-ortsansässiger Investoren an Agrarflächen. Diese Entwicklung erschwert den Bauern das Geschäft und verwehrt ihnen den Zugang zu neuen landwirtschaftlichen Flächen.

Und auch für die ländlichen Regionen ist es von Nachteil: Die Zahl aktiver Bauern in den Dörfern sinkt, weil Managementfunktionen von den Betriebsstandorten an die Unternehmenssitze verlagert werden. Weniger qualifizierte Arbeitsplätze würden durch nicht-ortsansässige Saison-Arbeitskräfte besetzt. „Das hat mit Dorfleben nichts zu tun“, sagte die Ministerin.

Steuervorteil für Großinvestoren

Landwirtschaftsministerin Klöckner macht für diesen Trend unter anderem sogenannte Share Deals verantwortlich, mit denen Investoren legal die Grunderwerbsteuer umgehen können. Für Landwirte entstehe dadurch ein Wettbewerbsnachteil. Das sei nicht hinnehmbar, sagte die Ministerin. „Ackerland gehört in Bauernhand.“ Es gebe Überlegungen, Landwirten durch mehr Transparenz und eine veränderte Steuergestaltung künftig besseren Zugriff auf die Flächen zu geben.

Die CDU-Politikerin forderte außerdem erneut eine größere Wertschätzung für die Landwirte, die am Dienstag bundesweit zu Tausenden gegen höhere Umweltauflagen demonstriert hatten. „Landwirtschaft ist Lebenswirtschaft“, so Julia Klöckner. „Ohne sie verlieren wir unsere Grundlagen und die ländlichen Regionen.“

Viele Landwirte demonstrieren – und fordern unter anderem mehr Mitspracherecht. Quelle: dpa
Bauernprotest in Stuttgart

Viele Landwirte demonstrieren – und fordern unter anderem mehr Mitspracherecht.

(Foto: dpa)

Der Agrarpolitische Bericht dokumentiert, dass derzeit 4,7 Millionen Menschen in der Land- und Ernährungswirtschaft in Deutschland eine Bruttowertschöpfung von rund 194 Milliarden Euro erwirtschaften, das sind rund 6,6 Prozent der Wertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche. Etwa jeder neunte Arbeitsplatz in Deutschland hängt direkt oder indirekt mit der Land- und Ernährungswirtschaft zusammen.

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft setzt sich weiter fort, hat sich aber verlangsamt. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe verringerte sich zwischen 2010 und 2016 um etwa 23.700 Betriebe auf rund 275.400 Betriebe. Das entspricht einer jährlichen Abnahmerate von rund 1,4 Prozent. Der Exportanteil der Landwirtschaft beträgt ein Drittel ihrer Gesamtproduktion.

Durchschnittseinkommen zuletzt bei mehr als 37.000 Euro

Das durchschnittliche Einkommen der Landwirte ist erheblichen Schwankungen unterworfen. Es lag im Wirtschaftsjahr 2017/18 bei rund 37.618 Euro pro Jahr und Arbeitskraft – und damit rund 18 Prozent höher als der Durchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre. Für das Wirtschaftsjahr 2018/19 erwartet die Ministerin einen Rückgang.

Klöckner verspricht Unterstützung für Landwirte

Klöckner kündigte an, mit den Landwirten im Gespräch bleiben zu wollen. Am Dienstag hatte sie zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Landwirtschaftskongress angekündigt. Es gehe den Bauern nicht per se um eine Ablehnung der umweltpolitisch notwendigen Maßnahmen, sagte Klöckner. „Was die Landwirtschaft wirklich bewegt, ist ihr Image.“

Mehr: Die Bundesregierung verlangt von den Landwirten, mehr fürs Klima zu tun. Dabei hat sie das Thema jahrelang verschleppt. Experten fordern eine Änderung der Förderpolitik.

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