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Landwirtschaft In Deutschland landen weniger Pflanzenschutzmittel auf dem Acker

Der Absatz an Pflanzenschutzmitteln in Deutschland ist weiter rückläufig. Eine Entwarnung bedeutet das aus Sicht von Umweltverbänden nicht.
12.08.2020 - 15:20 Uhr Kommentieren
Zuletzt wurde in Deutschland weniger Pflanzenschutzmittel abgesetzt. Quelle: dpa
Landwirtschaft in Bayern

Zuletzt wurde in Deutschland weniger Pflanzenschutzmittel abgesetzt.

(Foto: dpa)

Berlin Der Absatz an Pflanzenschutzmitteln, darunter auch Glyphosat, ist in Deutschland weiter gesunken. Das geht aus dem Jahresbericht 2019 zum Absatz der Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmittel hervor, den Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gemeinsam mit Friedel Cramer, dem Präsidenten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat.

Demzufolge wurden 27.009 Tonnen der Wirkstoffe genutzt – ein Tiefstand seit der Jahrhundertwende. 2018 waren es 29.591 Tonnen. Bei Glyphosat lag das Minus bei 11,3 Prozent. Zählt man die sogenannten inerten Gase für die Vorratshaltung hinzu, waren es insgesamt mehr als 44.750 Tonnen Wirkstoffe. Diese Gase landen jedoch nicht auf dem Acker.

Zugelassen waren 2019 in Deutschland laut BVL 932 Pflanzenschutzmittel mit insgesamt 288 Wirkstoffen. Vertrieben werden die Mittel über 1769 Handelsnamen.

Ziel sei es, „den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln immer weiter zu reduzieren und gleichzeitig Ernten zu sichern“, sagte Klöckner. So werde etwa die Forschung im Bereich nicht-chemischer Alternativen massiv gefördert. Auch der Ausbau der Präzisionslandwirtschaft werde vorangetrieben, um den Einsatz der Wirkstoffe weiter zu minimieren. Neue Pflanzenzüchtungen, etwa im Weinbau, kämen mit bis zu 80 Prozent weniger Pflanzenschutz aus. Das sei sind ein weiterer Baustein, so die CDU-Politikerin.

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    Umweltverbände fordern stärkere Pestizid-Einschränkungen

    Umweltbundesamt (UBA) und Naturschutzverbände sehen die Zahlen weniger positiv als die Ministerin. „Ob sich tatsächlich ein Trend zu weniger Pestiziden auf den Feldern abzeichnet, wird sich angesichts der von Jahr zu Jahr schwankenden Absatzzahlen erst noch erweisen müssen“, sagte UBA-Präsident Dirk Messner. Man sehe noch immer einen Absatz auf sehr hohem Niveau, auch im Vergleich zu vielen anderen Mitgliedsstaaten der EU. Die bisherigen Maßnahmen der Landwirtschaftspolitik reichten nicht aus, um einen signifikanten Verzicht auf Pestizide zu fördern, sagte Messner weiter. Erst vor kurzem habe die EU-Kommission bemängelt, dass Deutschland zu wenig tue, um die Abhängigkeit der Landwirtschaft von chemischen Pestiziden und deren Gebrauch zu reduzieren.

    „Je nachdem ob das Jahr besonders feucht oder besonders trocken war, sind geringfügige Schwankungen der Absatzzahlen zu erwarten“, sagte Jörg-Andreas Krüger, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). „Wenn also etwas weniger Pestizide eingesetzt wurden, ist das kein Erfolg von Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckners Politik und erst recht kein Grund für Entwarnung, sondern liegt schlicht am Wetter.“

    Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch vor der Sitzung des Kabinetts.  Quelle: dpa
    Kabinettssitzung

    Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch vor der Sitzung des Kabinetts. 

    (Foto: dpa)

    Moderne Mittel würden zudem immer wirksamer. Es wäre demnach zu erwarten, dass die Absatzmengen sich stärker reduzierten. Sie stagnierten aber auf hohem Niveau. So sei es auch nicht verwunderlich, dass das Insektensterben rasant fortschreite, denn der Pestizideinsatz sei einer der zentralen Verursacher. „Wenn wir es mit dem Insektenschutz ernst meinen, dann muss die Anwendung von Pestiziden endlich wirksamer eingeschränkt werden. Wir brauchen eine Abkehr von der Chemisierung unserer Landschaft.“

    Der WWF kritisierte, dass Bauern bisher keine genauen Angaben zur Verwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln auf landwirtschaftlichen Flächen machen müssten. Die Landwirtschaft nutze jedoch über 50 Prozent der Fläche Deutschlands. Es sei also unklar, welche toxischen Wirkstoffe auf dieser Menge an Feldern und Wiesen landen. Daten über Orte, Zeitpunkte und ausgebrachte Mengen und Wirkstoffe auf den Flächen sollten erhoben, gesammelt und für die unabhängige wissenschaftliche Auswertung zugänglich gemacht werden.

    Olaf Bandt, Präsident des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), warf der Bundesregierung vor, noch immer keine klare Strategie zur Reduktion von Pestiziden zu haben. „Wir brauchen ein gemeinsames Leitbild, eine gemeinsame Vision, wie die Landwirtschaft 2040 aussehen muss.“

    Mehr: Klöckner: Konzept zur europäischen Landwirtschaftsreform kommt im Herbst

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