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Leerstellen in den Naturwissenschaften Wie die Bundesregierung den Mint-Kollaps verhindern will

Eine halbe Millionen Stellen im Mint-Bereich sind unbesetzt. Bundesbildungsministerin Karliczek reagiert nun mit einem Aktionsplan.
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Geringer Anteil weiblicher Auszubildender in technischen Berufen. Oftmals raten auch Eltern Mädchen von einem technischen Beruf ab. Quelle: Imago/Westend61
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Geringer Anteil weiblicher Auszubildender in technischen Berufen. Oftmals raten auch Eltern Mädchen von einem technischen Beruf ab.

(Foto: Imago/Westend61)

BerlinDie knappste Ressource auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind Fachkräfte in Mint-Fächern – also Gesellen und Akademiker in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erhobene Mint-Fachkräftelücke wird immer größer – Ende 2018 war fast eine halbe Million Stellen unbesetzt. 

Diesen Mangel will Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) nun mit dem im Sommer 2018 angekündigten „Mint-Aktionsplan“ begegnen, der dem Handelsblatt vorliegt. „Gute Mint-Bildung ist in der modernen, digital geprägten Welt unerlässlich. Vorschläge der Suchmaschinen im Internet oder die Entwicklung neuer Ideen und Geschäftsmodelle kann nur bewerten, wer versteht, was ein Algorithmus ist“, sagte Karliczek.

„Gerade die klassischen Natur- und Ingenieurwissenschaften, aber auch die Medizin erhalten durch die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz einen neuen Schub und bedürfen guten Nachwuchses, der sich mit Mint auskennt.“

„Wenn Deutschland weiterhin in Wissenschaft, Forschung und Innovation zur Spitze gehören will, brauchen wir mehr Menschen, die sich für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik begeistern“, schreibt Karliczek im Vorwort des Aktionsplans.

Der Plan soll bundesweit dafür sorgen, dass vor allem Schüler Interesse an diesen Fächern entwickeln und auf dem Weg bis zum Schulabschluss nicht wieder verlieren und weit mehr Mädchen und junge Frauen die Chancen und Verdienstmöglichkeiten dieser Berufe erkennen.

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Dafür sollen die vielen Mint-Förderer, die – gerade in der Wirtschaft und ihren Verbänden – seit Jahren für mehr Mint-Bildung engagiert sind, ihre Aktivitäten besser koordinieren. Dafür stellt das Ministerium bis 2022 zusätzlich 55 Millionen Euro bereit. 

Zielgruppe sind vor allem die Zehn- bis 16-Jährigen – die Altersgruppe, in der vorher durchaus vorhandenes Interesse an Naturwissenschaft und Technik oft wieder verloren geht. Um sie zu erreichen, soll ein Wettbewerb bundesweit 30 bis 40 Cluster fördern, in dem sich regionale Mint-Akteure zusammentun und regelmäßige, dauerhafte und betreute Angebote konzipieren.

Bisher gibt es die vielfältigen Mint-Aktivitäten vor allem außerhalb der Schulen. Zudem sind sie vielfach unabhängig voneinander und eher punktuell. Der Mint-Aktionsplan soll nun helfen, dass alle Beteiligten gemeinsam den „entscheidenden Schritt in Richtung Breitenförderung“ gehen.

Um die Vernetzung der privaten und staatlichen Aktivitäten zu fördern, baut das Ministerium eine Online-Plattform samt Geschäftsstelle auf. Diese soll der „virtuelle Marktplatz für die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure werden und dafür sorgen, dass gute Beispiele bekannt und verbreitet werden“.

Karliczek will, dass die Werbung für Mint-Fächer und -Berufe künftig endlich weit mehr Mädchen und junge Frauen als bisher erreicht. Die Pisa-Tests hatten zuletzt 2015 gezeigt, dass selbst die leistungsstärksten Mädchen entgegen ihren tatsächlichen Fähigkeiten nur ein geringes Selbstvertrauen entwickeln, wenn es um wissenschaftliche und mathematische Probleme geht.

Entsprechend selten wählen Mädchen nach der Schule einen aussichtsreichen Mint-Beruf. Dort liegt ihr Anteil seit Jahren bei gerade mal gut zehn Prozent. In den Hochschulen liegt der Anteil der Frauen in den Feldern Mathematik/Informatik/Naturwissenschaften bei gut einem Drittel, in den Technikfächern sogar bei nur einem Viertel.

Ein Grund: Es fehlen weibliche Vorbilder. Studien der Akademie für Technikwissenschaften Acatech zeigten, dass „Eltern und Bekannte ihnen fünfmal häufiger von einer Mint-Ausbildung abraten als Männern“.

Zudem ist ihre Motivation oft eine andere. Das zeigt nach Erkenntnissen des Stifterverbandes der Erfolg der sogenannten Bindestrichfächer: Beispielsweise in der Informatik kommen Fächer wie Bio-, Medien- oder Medizinische Informatik auf Frauenanteile von bis zu 42 Prozent – in der Informatik allgemein stellen sie nur ein Viertel.

All das „trägt auch dazu bei, dass Frauen im Durchschnitt schlechter verdienen als Männer, indem sie sich für schlechter bezahlte Berufe entscheiden“, heißt es im Mint-Aktionsplan. Doch „um die Fachkräftebasis in Deutschland zu stärken, müssen mehr Frauen für Mint-Berufe gewonnen werden“.

Doch was macht erfolgreiche Mint-Bildung aus? „Diese eigentlich einfache Frage ist bislang nicht systematisch beantwortet“, räumt das Bildungsministerium im Mint-Aktionsplan ein. Daher will das Ministerium künftig mehr Forschung fördern, die genau dies herausfindet. Die Forschungsprojekte sollen zudem Instrumente entwickeln, mit denen die vielen Mint-Initiativen „systematisch die Wirkung ihrer Projekte reflektieren und ihre Projekte entsprechend weiterentwickeln können“.

Schließlich sieht die Bildungsministerin auch die Wirtschaft in der Pflicht: Sie „steht in der Verantwortung, die Qualität von Ausbildungsmaßnahmen zu sichern und zu erhöhen“, heißt es im Aktionsplan. Dabei sei „eine gute Balance zwischen beruflich und akademisch Qualifizierten auch im Mint-Bereich unverzichtbar“.

Das zielt auch darauf ab, dass vor allem viele Konzerne ihre Anstrengungen für die Ausbildung von Lehrlingen in den letzten Jahren deutlich verringert haben, wie eine Umfrage des Handelsblatts ergab. 

Das Nationale Mint-Forum (NMF), ein Dachverband von 30 großen Mint-Initiativen, begrüßte den Plan. Er gehe „grundsätzlich in die richtige Richtung“, sagten deren Sprecher Nathalie von Siemens und Ekkehard Winter. Entscheidend sei nun die Umsetzung. 

Bei den neuen Clustern müsse darauf geachtet werden, dass die bereits bestehenden rund 120 Mint-Regionen sinnvoll eingebunden und gestärkt würden, „um Doppelstrukturen zu vermeiden“, rät von Siemens. Zweifel hat das Mint-Forum allerdings bei der Antwort auf die Frage, welchen Mehrwert die E-Plattform für die breit angelegten Zielgruppen haben kann. 

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1 Kommentar zu "Leerstellen in den Naturwissenschaften: Wie die Bundesregierung den Mint-Kollaps verhindern will"

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  • Klingt nach einem guten Plan!
    Wir merken als Betreiber einer großen Plattform für IT-Nachwuchs (https://IT-Talents.de), auf der sich viele IT-Studierende und interessierte Schüler tummeln, jeden Tag, wie groß die Not mittlerweile in vielen oftmals kleineren Unternehmen und im Mittelstand ist, qualifizierte Informatiker zu finden.

    Wir versuchen, den nachwuchs mit Förderung in Form von IT-Stipendien und Progammierwettbewerben zu fördern und bei der Leidenschaft zu packen. Denn ob man es glaubt oder nicht: Die Leidenschaft ist besonders im IT-Bereich enorm wichtig ;)

    Beste Grüße