Legaler Waffenbesitz in Deutschland Immer mehr Menschen mit Kleinem Waffenschein

Die Nachfrage nach dem Kleinen Waffenschein steigt rapide an – innerhalb des letzten Jahren um über 60 Prozent. Für das Innenministerium zeigen die Zahlen die Verunsicherung und das Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen.
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Mit dem kleinen Waffenschein ist unter anderem der Besitz von Schreckschusspistolen (Foto) und Pfefferspray erlaubt. In Deutschland ist die Nachfrage nach dem kleinen Waffenschein innerhalb eines Jahres um mehr als 60 Prozent gestiegen. Quelle: dpa
Steigenden Nachfrage

Mit dem kleinen Waffenschein ist unter anderem der Besitz von Schreckschusspistolen (Foto) und Pfefferspray erlaubt. In Deutschland ist die Nachfrage nach dem kleinen Waffenschein innerhalb eines Jahres um mehr als 60 Prozent gestiegen.

(Foto: dpa)

SaarbrückenImmer mehr Menschen in Deutschland legen sich einen Kleinen Waffenschein zu. Ende Oktober waren rund 449.000 dieser Waffenscheine für Schreckschusspistolen, Pfefferspray und Reizgas registriert, teilte das Bundesinnenministerium in Berlin auf Anfrage mit. Dies seien rund 63 Prozent mehr als Ende Oktober 2015 mit 275 461 Erlaubnissen. „Das zeigt, dass Sicherheit ein ganz großes Thema ist. Die Leute sind verunsichert“, sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Klaus Bouillon (CDU), der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken.

Die Entwicklung bedeute: „Wir müssen noch mehr tun als bisher. Alle Bundesländer sind ja dran“, sagte Bouillon. Überall würden mehr Polizisten eingestellt, bessere Schutzausrüstungen und Fahrzeuge gekauft. „Jeder rüstet auf“, sagte Bouillon. Zugleich müsse aber der Kampf gegen internationale Banden verstärkt werden, auch mit einer bundesweit einheitlichen Datenbank und mehr Videoüberwachung. Die Innenminister von Bund und Ländern tagen am 29. und 30. November in Saarbrücken.

Diese Waffen sind erlaubt
Pfefferspray
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Ohne waffenrechtliche Bestimmungen frei käuflich (zur Tierabwehr bestimmt). Eine Anwendung gegenüber Menschen ist nur bei Vorliegen einer Notlage und einem rechtswidrigen Angriff als Notwehr erlaubt. Starke Augenreizung bis hin zu Verätzungen und Luftnot sind in der Regel die Folgen, wenn der Angreifer von dem Spray getroffen wird.

CS-Gas
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CS-Gas ist eine Alternative zum Pfefferspray. Sorgt auch für tränende Augen beim Angreifer, deshalb ist es auch unter dem Namen „Tränengas“ bekannt. CS-Gas ist nicht ganz so stark wie Pfefferspray, das sich stärker auf die Atemwege auswirkt.

Schrillalarm
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Ein Schrillalarm ist eine Alarmsirene, die in Paniksituationen aktiviert wird und einen Hochfrequenzton von 110 dB ausstößt. Das akustische Alarmgerät soll den Angreifer abschrecken und gleichzeitig Hilfe alarmieren.

Hochleistungstaschenlampen
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Hochleistungstaschenlampen kommen vor allem von Sicherheitspersonal und Polizei zum Einsatz. Aber auch zur Selbstverteidigung ist sie ein wirkungsvolles Gerät. Die fingergroße Taschenlampe mit Strobo-Effekt kann Angreifer mit einer Lichtstärke von bis zu 200 Lumen minutenlang orientierungslos machen. Das gibt dem Opfer genug Zeit zu fliehen.

Elektroschocker
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Elektroschockgeräte mit PTB-Prüfzeichen sind im Handel ab 18 Jahren frei erhältlich. Die Geräte haben dabei entweder eine Stärke 200.000 oder 500.000 Volt und dürfen auch außerhalb der eigenen vier Wände geführt werden. Körperliche Folgen für den mutmaßlichen Angreifer sind heftige Muskelkontraktionen, bis zu Herz-Rhythmus-Störungen und kleine lokale Verbrennungen.

Schreckschusswaffe
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Schreckschusswaffen sind Nachbildungen von echten Pistolen und Revolvern, die im Gegensatz zu scharfen Waffen keine Projektile verschießen, sondern Kartuschenmunition. Schreckschussmunition erzeugt lediglich einen sehr lauten Knall.

Reizgaspistole
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Ebenfalls eine Nachbildung, mit der keine echten Projektile abgefeuert werden können. Beim Abfeuern von Reizgasmunition schießt allerdings Gas in Verbindung mit einem Knall aus dem Lauf, das den Angreifer, ähnlich wie ein Pfefferspray, stoppen soll. Der Erwerb ist in Deutschland ab dem 18. Lebensjahr ohne jegliche Kontrolle möglich. Wer eine Schreckschuss-, Reiz- oder Signalwaffe allerdings auch in der Öffentlichkeit führen will, benötigt einen kleinen Waffenschein. Folgen eines Einsatzes können Augenreizung und Luftnot sein, ein auf die Haut aufgesetzter Schuss (z. B. am Kopf) kann allerdings auch tödlich enden.

Wer eine Erlaubnis hat, darf Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen verdeckt führen - und nur im Notfall damit schießen. Die Voraussetzung ist, dass der Bewerber volljährig sowie persönlich geeignet ist und zuverlässig erscheint. Für den Erwerb von Gas- oder Schreckschusswaffen braucht man keinen Schein.

Bereits nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht hatten die Behörden in mehreren Bundesländern wachsendes Interesse am kleinen Waffenschein gemeldet.

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