Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Lehre Um die Berufsausbildung ist ein neuer Streit entfacht

Der neue Titel „Bachelor Professional“ spaltet die Wirtschaft. Auch die Digitalisierung kommt zu kurz, kritisiert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag.
Kommentieren
Bildungsministerin Karliczek will neue Berufsbezeichnungen durchsetzen – und stößt dabei auf Kritik. Quelle: Imago/Westend61
Auszubildende

Bildungsministerin Karliczek will neue Berufsbezeichnungen durchsetzen – und stößt dabei auf Kritik.

(Foto: Imago/Westend61)

Berlin Digital hinkt die geplante Reform der Berufsausbildung auf jeden Fall weit hinterher: „Die Zulässigkeit der elektronischen Übermittlung von Daten und die einfache digitale Führung eines Berichtshefts haben noch keinen Eingang in den Gesetzesentwurf gefunden“, kritisiert der Vizechef des DIHK, Achim Dercks, vor der Anhörung des Bundestags diesen Mittwoch. Das Gesetz müsse Azubis, Ausbildern und Prüfern endlich eine moderne Kommunikation ermöglichen.

Spätestens nächste Woche soll die Reform des Berufsausbildungsgesetzes (BBiG) fertig sein und so vor allem den im Koalitionsvertrag versprochenen Azubi-Mindestlohn auf den Weg bringen. Er soll im ersten Lehrjahr zunächst 515 Euro betragen und bis 2023 auf 620 Euro steigen. Das Handwerk fürchtet zwar, das könne vor allem kleine Betriebe im Osten von der Ausbildung abschrecken.

Doch beim Betrag werden keine Änderungen mehr vorgenommen. Denn nachdem sich die GroKo nicht einigen konnte, legten sich auf Bitte von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) die Sozialpartner auf diese Summen fest, die nun Basis der Reform sind.

Das Gesamtpaket jedoch ist noch nicht geschnürt: So will die SPD, dass künftig nicht nur minderjährige, sondern auch volljährige Azubis nach mindestens fünf Stunden Berufsschulunterricht den restlichen Tag freigestellt werden. „Es ist nicht zumutbar, dass Azubis danach noch in den Betrieb zurückkehren müssen, bloß weil sie schon 18 sind“, sagte der bildungspolitischer Sprecher Oliver Kaczmarek. Auch seien einheitliche Regeln in der Praxis sinnvoller.

Neue Berufsbezeichnungen

Völlig offen ist, ob Karliczek ihre neuen Berufsbezeichnungen durchsetzen kann: Statt beispielsweise Servicetechniker, Fachwirt und Wirtschaftsinformatiker soll es künftig „Geprüfter Berufsspezialist“, „Bachelor Professional“ und „Master Professional“ heißen. Ein Meister soll zwar Meister bleiben, sich aber zusätzlich Bachelor Professional nennen dürfen. Ziel ist mehr Transparenz und ein Signal für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung.

In der Wirtschaft gehen die Meinungen dazu weit auseinander. Erfreut sind Handwerk und DIHK: Die neuen Titel „heben den Wert der höheren Berufsbildung hervor und machen deutlich, dass Handwerksmeisterinnen und -meister sich beim Qualifikationsniveau auf Augenhöhe mit akademischen Bachelorabsolventen befinden“, lobt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer.

Das sei „ein Meilenstein auf dem langen Weg zur gleichwertigen Behandlung von akademischer und beruflicher Bildung“. DIHK-Vize Dercks weist darauf hin, dass „Industriemeister, Fachwirte oder Finanzbuchhalter nicht nur praxisnah arbeiten, sie haben auch exzellente Berufsperspektiven und verdienen oft mehr Geld als Akademiker“. Die neuen Titel brächten das zum Ausdruck und erhöhten so die Attraktivität der Lehre.

Arbeitgeber und Gewerkschaften hingegen lehnen den Bachelor Professional ebenso ab wie die Hochschulrektoren und die Kultusminister. „Unsere etablierten Berufsbezeichnungen wie Industriemeister, Fachwirt oder Fachkauffrau sind von den Sozialpartnern gemeinsam geschaffen worden und haben sich in der Praxis seit Langem bewährt“, heißt es bei den Arbeitgebern.

Sie sollten daher „uneingeschränkt erhalten bleiben“. Der DGB fürchtet sogar, dass eine Anlehnung an Titel der Hochschulen nicht die Besonderheit des Praxisbezugs der beruflichen Fortbildung berücksichtigt und eingeführte Marken schwächt. Dieser Position hat sich ein breites Bündnis von Verbänden angeschlossen: vom Handelsverband HDE über Gesamtmetall, Bauernverband, Bundesverband der Freien Berufe, Bundesverband Großhandel bis zum Hauptverband der Bauindustrie und den Chemiearbeitgebern.

Die Opposition kritisiert die BBiG-Reform als zu kurz gesprungen. Da der Azubi-Mindestlohn die meisten Azubis nicht betreffe, sei unklar, „wie die Ministerin sicherstellen will, dass Ausbildungsplätze in betroffenen Branchen und Regionen erhalten bleiben“, meint der FDP-Bildungspolitiker Jens Brandenburg. „Anstatt das Berufsbildungsgesetz zukunfts- und krisenfest zu gestalten, beschränkt sich die Bundesregierung auf wenig ambitionierte und teils sogar schädliche Änderungen“, sagt die Grüne Beate Walter-Rosenheimer.

Mehr: Keine Ausbildung und kein Studium kann heute auf das Berufsleben vorbereiten, meint unsere Redakteurin Larissa Holzki.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Lehre - Um die Berufsausbildung ist ein neuer Streit entfacht

0 Kommentare zu "Lehre: Um die Berufsausbildung ist ein neuer Streit entfacht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.