Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch

Wagenknecht und Bartsch führen die Fraktion seit 2015.

Linke Warum die Wahl von Wagenknechts Nachfolgerin so kompliziert ist

Zwei Frauen wollen Linken-Fraktionschefin werden. Aufgrund der schwierigen Machtverhältnisse der Partei hat Außenseiterin Ali gute Chancen.
Kommentieren

Düsseldorf Die Frage, wie sie sich ihre neue Rolle vorstellt, hat Sahra Wagenknecht schon beantwortet. „Ich möchte weiter politisch etwas bewegen und deswegen werde ich natürlich auch nach wie vor meine Positionen öffentlich vertreten und dafür werben“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. An diesem Dienstag wählt die Linken-Bundestagsfraktion eine neue Führung. Wagenknecht gibt ihre führende Position ab, aber ihr Bundestagsmandat behält sie.

Für ihre möglichen Nachfolgerinnen, Caren Lay und Amira Mohamed Ali, könnte es dadurch noch schwieriger werden, aus dem übergroßen Schatten der populären Wagenknecht zu treten. Dabei ist die Situation auch so schwierig genug. Der Machtkampf zwischen den verschiedenen Strömungen in der Partei dominiert die Wahl.

Bei der Abstimmung der 69 Abgeordneten wird ein knappes Ergebnis erwartet. Auffallend viele prominente Linken-Politiker wollen im Vorfeld lieber gar nichts sagen, um keine Unruhe zu schüren.

„Keiner weiß so richtig, was passiert“, sagt ein Linken-Bundestagsabgeordneter dem Handelsblatt. Die Wiederwahl des bisherigen Fraktionschefs Dietmar Bartsch gilt als sicher. Völlig offen ist jedoch, wer seine neue Partnerin wird.

Auf dem Papier ist die erfahrene Lay Favoritin. Die 46-Jährige, die aus dem Westen kommt, aber ihren Wahlkreis im sächsischen Bautzen hat, sitzt seit 2009 im Bundestag und war stellvertretende Chefin von Partei und Fraktion. Die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger hoffen auf Lay, halten sich vor der Abstimmung aber bedeckt. Sie wollen den Ausgang der Personalentscheidung nicht beeinflussen.

Caren Lay ist seit Jahren ein bekanntes Gesicht in der ersten Reihe der Partei. Quelle: dpa
Caren Lay

Caren Lay ist seit Jahren ein bekanntes Gesicht in der ersten Reihe der Partei.

(Foto: dpa)

Lay wird wie Kipping einem dritten Lager jenseits von Pragmatikern und Parteilinken verortet. Dies verschafft ihr zwar Rückhalt von etlichen Abgeordneten in der Fraktion, ist aber gleichzeitig ein Handicap. Kipping und Riexinger haben sich mit Wagenknecht jahrelang einen Machtkampf um die Ausrichtung der Partei geliefert.

Um die eigenen Chancen zu verbessern, versuchen Lays Unterstützer versuchten vor der Wahl, ihre Nähe zu Kipping herunterzuspielen. Für die Gegenseite ist dies willkommene Munition. Die Nähe zur Parteichefin sei keine ideale Voraussetzung für die Führung der Fraktion, heißt es. Kippings Gegner wollen verhindern, dass der Einfluss der Parteichefin in der Fraktion noch größer wird.

Dies begünstigt die Aussichten einer Frau, die eigentlich Außenseiterin ist. Die erst 39-jährige Rechtsanwältin Amira Mohamed Ali aus Hamburg sitzt erst seit 2017 im Bundestag, ist Sprecherin für Verbraucherschutz und Tierschutz in der Fraktion und vielen in der Partei unbekannt. Doch mit ihr als Westdeutsche und Vertreterin des Wagenknecht-Lagers bliebe in einem Duo mit dem Ostdeutschen Bartsch die bisherige Parität in jeder Hinsicht gewahrt. Ali profitiert von der schwer durchschaubaren Machtarithmetik in der Partei.

Bartsch und Wagenknecht, die Wortführer von Reformern und Parteilinken, hatten die Fraktionsführung 2015 von Gregor Gysi übernommen. Beide gehören zwar zu unterschiedlichen Strömungen, gründeten nach ihrer Wahl jedoch das sogenannte Hufeisenbündnis und überwarfen sich mit Kipping und Riexinger.

Wagenknecht zog mit ihrer Forderungen nach einer restriktiveren Flüchtlingspolitik und der Gründung der Sammlungsbewegung „Aufstehen“ den Ärger der Parteivorsitzenden auf sich. Die mühten sich zuletzt vergeblich, Bartsch zu einer Auflösung des Bündnisses zu bewegen.

Dabei liegen Bartsch und Lay inhaltlich eigentlich nicht weit auseinander. Beide befürworten etwa pragmatische Positionen und rot-rot-grüne Koalitionen, aber dennoch wäre Ali eindeutig seine Wunschpartnerin. Am Ende zähle nicht die Qualifikation, sondern die Zugehörigkeit zum Hufeisen, sagt einer, der sich in der Fraktion auskennt.

Bei den meisten Abstimmungen in der Fraktion konnten Bartsch und Wagenknecht eine Mehrheit hinter sich versammeln. Im fraktionsinternen Wahlkampf kann Ali daher auf zahlreiche Stimmen aus dem Umfeld der beiden vertrauen.

Dennoch gibt es Zweifel, ob das reicht. Als Grund wird vor allem Alis Unerfahrenheit genannt, die Lays Unterstützer in diesen Tagen gern betonen. Ausschlaggebend könnte am Dienstag eine Gruppe von etwa zehn Abgeordneten sein, die den Lagern zwar lose verbunden sind, bei Abstimmungen aber von Fall zu Fall entscheiden.

Die 39-Jährige sitzt erst seit 2017 im Bundestag. Quelle: dpa
Amira Mohamed Ali

Die 39-Jährige sitzt erst seit 2017 im Bundestag.

(Foto: dpa)

Sowohl Ali als auch Lay haben in ihren Bewerbungsschreiben versprochen, die zerstrittenen Lager zu versöhnen. Die Fraktion könne viel mehr erreichen, „wenn wir mehr und konsequenter miteinander arbeiten, statt uns gegenseitig zu hemmen“, erklärte Ali. Vor vier Jahren holten Bartsch (91,6 Prozent) und Wagenknecht (78,3) – ohne Gegenkandidaten – gute Ergebnisse.

Die neue Fraktionschefin wäre wegen ihres erwartbar knappen Ergebnisses mit keinem vergleichbaren Vertrauensvorschuss ausgestattet. Ihr Erfolg wird von zwei Dingen abhängen: Wie wird die Gewinnerin vom unterlegenen Lager angenommen – und welche Angebote macht sie, um die Gräben zu überwinden?

In der Fraktion bemüht man sich, die Bedeutung der Abstimmung herunterzuspielen. Die Fraktionsspitze werde ja vorerst nur bis zur nächsten Bundestagswahl gewählt. Womöglich sei diese ja schon im kommenden Jahr. Dabei ist die Wahl am Dienstag eine wichtige Richtungsentscheidung, die zweite folgt 2020. Die Wiederwahl des Parteivorsitzes könnte die Machtordnung bei den Linken im kommenden Jahr grundlegend ändern.

Mehr: Sahra Wagenknecht eckt an und fasziniert viele. Nun tritt sie als Linken-Fraktionschefin ab. Was bedeutet das für ihre Partei?

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Linke - Warum die Wahl von Wagenknechts Nachfolgerin so kompliziert ist

0 Kommentare zu "Linke: Warum die Wahl von Wagenknechts Nachfolgerin so kompliziert ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.