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Linken-Anfrage Sind Frauen Beschäftigte zweiter Klasse? Was die Zahlen der Bundesregierung zeigen

Frauen arbeiten häufiger Teilzeit und verdienen auch im Vollzeitjob weniger als Männer. Von „prekärer Beschäftigung“ will das Arbeitsministerium aber nichts wissen.
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Frauen am Arbeitsmarkt – Beschäftigte zweiter Klasse? Quelle: dpa
Frauen am Arbeitsmarkt

Jede zweite sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmerin hat einen Vollzeitjob.

(Foto: dpa)

BerlinBeim Equal Pay Day vor gut einer Woche war sie wieder das große Thema – die „Lohnlücke“ zwischen den Geschlechtern. Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Die Gründe dafür sind vielfältig: Sie arbeiten häufiger nur in Teilzeit oder im Minijob als ihre männlichen Kollegen, was auf den Gesamtverdienst durchschlägt.

Weil junge Mütter im Beruf pausieren, um sich um ihre Kinder zu kümmern, bleibt ihnen der Karriereweg in gut bezahlte Top-Positionen oft verbaut. Oder sie entscheiden sich zu Beginn des Arbeitslebens für klassische „Frauenberufe“ wie Pflege oder Erziehung, wo immer noch deutlich weniger gezahlt wird als in der männerdominierten Industrie.

Wie sich der gespaltene Arbeitsmarkt heute darstellt, hat die Linken-Bundestagsabgeordnete Susanne Ferschl bei der Bundesregierung erfragt. Knapp drei von zehn erwerbstätigen Frauen (30,5 Prozent) stehen in einem atypischen Arbeitsverhältnis, heißt es in der Antwort des Arbeitsministeriums auf die Kleine Anfrage, die dem Handelsblatt vorliegt. Bei den im Arbeitsleben stehenden Männern trifft das nur auf jeden achten zu.

Unter atypische Beschäftigung fallen Teilzeitjobs mit höchstens 20 Wochenstunden, Minijobs, befristete Beschäftigung und Zeitarbeit. Von den insgesamt 7,7 Millionen Erwerbstätigen in dieser Gruppe sind gut zwei Drittel Frauen.

„Frauen werden als Beschäftigte zweiter Klasse behandelt“, kritisiert Ferschl, die stellvertretende Vorsitzende der Linken-Fraktion und Sprecherin für „Gute Arbeit“ ist. Das Arbeitsministerium weist in seiner Antwort zwar darauf hin, dass Teilzeit- oder Minijobs im Gegensatz zum Normalarbeitsverhältnis in der Regel nicht ausreichten, um den eigenen Lebensunterhalt und den von Angehörigen voll zu finanzieren.

Atypische Beschäftigung sei aber dennoch „nicht mit prekärer Beschäftigung gleichzusetzen“, schreibt die Parlamentarische Staatssekretärin Anette Kramme. So kann ein befristeter Job durchaus gut dotiert oder die Teilzeit ganz bewusst gewählt sein, etwa als Ergänzung des Einkommens des Partners.

Allerdings gehört es zu den erklärten Zielen der Bundesregierung, die Erwerbstätigkeit von Frauen weiter zu steigern und sie aus der „Teilzeitfalle“ zu holen – auch um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. So gilt seit Jahresbeginn die neue „Brückenteilzeit“ – ein Rechtsanspruch, befristet Teilzeit zu arbeiten und danach wieder zum ursprünglichen Arbeitsvolumen zurückzukehren.

Schon in den zurückliegenden Jahren hat die Erwerbstätigkeit von Frauen kräftig zugelegt. Während die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten insgesamt von 1999 bis 2018 um fast 20 Prozent gestiegen ist, fiel das Plus bei den Frauen mit rund 28 Prozent deutlich kräftiger aus, zeigen Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Zwei Millionen Männer in Teilzeit

Die Zahl der Vollzeit arbeitenden Frauen ist zwar seit 2011 von knapp 7,4 auf 7,9 Millionen gestiegen, liegt aber immer noch um gut 437.000 unter dem Niveau aus der Zeit um die Jahrtausendwende. Jede zweite sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmerin hat einen Vollzeitjob, im Jahr 2000 waren es noch fast 70 Prozent. Dagegen hat sich die Zahl der Frauen in sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjobs seit 1999 auf 7,3 Millionen mehr als verdoppelt.

Von den Männern arbeiten nur knapp zwei Millionen Teilzeit; allerdings ist die Zahl hier seit der Jahrtausendwende prozentual deutlich stärker gestiegen als bei den Frauen. Waren 1999 noch knapp 83 Prozent aller teilzeitbeschäftigten Frauen, so lag die Quote 2018 bei knapp 79 Prozent.

Frauen arbeiten nicht nur häufiger Teilzeit als Männer, sondern haben auch öfter nur einen befristeten Vertrag. Und selbst wenn nur die Vollzeitjobs berücksichtigt werden, liegt der mittlere Bruttomonatsverdienst (Median) von weiblichen Beschäftigten mit 2.920 Euro um fast 16 Prozent unter dem der männlichen Kollegen (3.372 Euro). Hier dürfte sich vor allem das Berufswahlverhalten widerspiegeln, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen arbeiten als Männer.

Den von den Linken oft geäußerten Vorwurf, dass die atypische Beschäftigung immer weiter ausufert, bestätigt die Antwort der Bundesregierung nicht. So entwickelt sich die Zahl der Normalarbeitsverhältnisse seit Jahren etwa im Gleichklang mit der Zahl der Arbeitnehmer in Teilzeit, befristeten Jobs, Minijobs und Zeitarbeit.

Die Quote der atypisch Beschäftigten bewegt sich seit 2014 bei um die 20,8 Prozent. Im Zeitraum 1997 bis 2006 war sie von 15,9 Prozent auf mehr als 22 Prozent angestiegen, wo sie bis 2011 verharrte. Danach sank die Quote der atypischen Beschäftigung wieder.

Kontinuierlich zugenommen hat seit der Jahrtausendwende die Teilzeitquote. Arbeiteten im Jahr 2000 noch 15,6 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Teilzeit, waren es im vergangenen Jahr 28,2 Prozent. Der Anstieg ist vor allem durch eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und ihre größere Teilzeitquote zu erklären.

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