Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Linkspartei Gysi stellt Wagenknecht als Linken-Fraktionschefin infrage

Erst kürzlich erklärte die Führung der Linksfraktion den monatelangen internen Streit für beendet. Doch jetzt legt der frühere Parteichef Gysi nach.
Kommentieren
„Ich glaube, Sahra muss ihre Rolle in der Partei für sich neu definieren.“ Quelle: dpa
Gregor Gysi

„Ich glaube, Sahra muss ihre Rolle in der Partei für sich neu definieren.“

(Foto: dpa)

BerlinKurzzeitig witterten Gegner von Sahra Wagenknecht die Chance für einen Aufstand in der Linksfraktion. Doch der Putsch wurde zu Jahresbeginn abgeblasen – zumindest vorerst. Ein offener Streit könnte im Wahljahr schaden, fürchteten viele. Nun zeigt sich allerdings: Der wacklige Burgfrieden hielt nicht lange.

Kein geringerer als der langjährige Linksfraktionschef und jetzige Chef der Europäischen Linken, Gregor Gysi, meldet sich jetzt in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ zu Wort. Mit deutlichen Zweifeln, ob Wagenknecht noch die Richtige an der Fraktionsspitze der Linken ist.

Wagenknecht sei zwar „wichtig für die Linke“. Sie sei eine sehr bekannte Persönlichkeit der Partei, trete im Fernsehen gut auf. „Man muss aber immer wissen, was man gut kann und was man nicht so gut kann“, sagte Gysi. „Ich glaube, Sahra muss ihre Rolle in der Partei für sich neu definieren.“

Die Ansage Gysis kommt nicht von ungefähr. Immerhin steht für die Linke in diesem Jahr einiges auf dem Spiel: Kann sie in Thüringen weiterregieren, wo sie mit Bodo Ramelow ihren einzigen Ministerpräsidenten stellt? Wie behauptet sie sich gegen die AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg? Und ist in Bremen ein Sprung in die Regierung drin?

Vieles wird davon abhängen, ob die Partei und Bundestagsfraktionschefin Wagenknecht zusammen funktionieren oder neuer Streit ausbricht. „Da haben wir uns im letzten Jahr einiges geleistet, was überflüssig war“, räumte Wagenknecht Anfang des Jahres ein.

Mit ihrem Führungsstil sind viele unzufrieden – wegen der Alleingänge in der Flüchtlingspolitik, wegen des Engagements für die Sammlungsbewegung „Aufstehen“, weil sie lieber ihre eigene Meinung vertritt als die der Fraktion, wegen des offen ausgetragenen Machtkampfs mit Parteichefin Katja Kipping.

Gysi kritisiert auch „Aufstehen“-Initiative

Zuletzt wurde laut über einen Putsch nachgedacht. Hinter vorgehaltener Hand zählte man schon vor, wie viele Stimmen für eine Abwahl der Fraktionschefin nötig wären – und dass man diese fast zusammen habe. Der Brandenburger Abgeordnete Thomas Nord drohte, die Fraktion wegen Wagenknecht zu verlassen.

Die Linksparteispitze wollte sich aktuell nicht zu Wagenknecht äußern. Gysi nimmt dagegen kein Blatt vor den Mund. So hält er etwa wenig von der von Wagenknecht und ihrem Ehemann Oskar Lafontaine gegründeten „Aufstehen“-Initiative. Die Bewegung „erledigt sich Schritt für Schritt von selbst“, sagte er. Man könne so etwas nicht von oben beschließen. „Das entsteht entweder von unten oder gar nicht“, macht Gysi klar.

Zudem funktioniere eine Bewegung nur für ein Thema – gegen Abholzung eines alten Waldes in Nordrhein-Westfalen oder gegen das Polizeigesetz oder für die Bienen in Bayern, gab der frühere Linken-Chef zu bedenken. „Aber für ein Angebot von A bis Z gibt es Parteien.“ Die „En Marche“-Bewegung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sei eine Ausnahme gewesen, fügte Gysi hinzu. „Und Deutschland ist nicht Frankreich.“

Ob Gysis Forderung nach einer Neuorientierung Wagenknechts Wirkung zeigt, könnte sich im Herbst zeigen. Nach den Wahlen in Brandenburg und Sachsen, möglicherweise aber vor der in Thüringen, steht turnusmäßig die Neuwahl der Fraktionsspitze an. Hier könnte die Partei Wagenknecht absetzen, ohne dass es gleich nach Skandal oder Putsch klingt, so wird jedenfalls theoretisiert. Vor allem, wenn es für die Linke bei den Wahlen gut läuft.

Läuft es schlecht in Brandenburg und Sachsen, könnte ein radikaler Schnitt vor der Thüringen-Wahl auch helfen. Und dann gäbe es noch als Lösung: Dass Wagenknecht von sich aus nicht mehr antritt und ihrer Partei den Frieden bringt.

Mit Agenturmaterial

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Linkspartei - Gysi stellt Wagenknecht als Linken-Fraktionschefin infrage

0 Kommentare zu "Linkspartei: Gysi stellt Wagenknecht als Linken-Fraktionschefin infrage"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.