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Literaturtipp Logiken der Macht – das neue Standardwerk der Politikberatung

Den größten Teil der Literatur über Politikberatung kann man ignorieren. Aber nicht die tiefgehende Analyse von Dominik Meier und Christian Blum.
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Die europäischen Finanzminister beraten über die Stärkung der Währungsunion. Doch ein neuer Vorstoß für die EU-Einlagensicherung sorgt in Berlin für Unmut. Quelle: dpa
Spiegelbild des Reichstags

Die europäischen Finanzminister beraten über die Stärkung der Währungsunion. Doch ein neuer Vorstoß für die EU-Einlagensicherung sorgt in Berlin für Unmut.

(Foto: dpa)

Berlin Dominik Meier und Christian Blum haben ein kluges Buch vorgelegt. Es hat das Zeug dazu, ein Standardwerk der Politikberatung zu werden. Die beiden Autoren schöpfen aus einem reichen Erfahrungsschatz als Berater von mehr als 20 Jahren. Im Klappentext wird nicht zu viel versprochen, wenn es darum geht, hinter die Kulissen der Macht zu blicken.

In dem 420 Seiten starken Werk mit dem Titel „Logiken der Macht – Politik und wie man sie beherrscht“ werden zunächst die begrifflichen Grundlagen bis zu den konkreten Werkzeugen der Branche vorgestellt. Dann geht es in die Praxis. Der reichhaltige Fußnotenapparat, der umfassende Personenindex und das Literaturverzeichnis zeigen: Hier geht es nicht um ein oberflächliches PR-Buch für die eigene Lobbyfirma von Meier und Blum. In der Tiefe der Analyse dürfte es einmalig sein.

Meier ist nicht nur Lobbyist, sondern auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung e.V. (de’ge’pol) und damit seinem Amt verpflichtet. Das spürt man.

In der Politik geht es immer um Macht. Ausführlich gehen die Autoren auf das Wesen der Macht ein, um deren Symbolik und seine Ausformungen. Im dritten Kapitel wird es praktisch. Die Autoren beschreiben den politischen Wettstreit als „Macht-Schach“. Es komme darauf an, durch eine kluge Spielführung zu gewinnen. Die eigenen Figuren müssten richtig positioniert werden, man müsse auch immer wieder die Züge des Gegners mitdenken.

Die Autoren sezieren messerscharf, dass die Ziele in der Wirtschaft oft andere sind, als in der Politik. Unternehmen müssten ihre Gewinne maximieren oder Marktanteile vergrößern. In diesen Kategorien denken dann auch Manager. Politik funktioniere anders. Für Meier und Blum ist klar: Politische Entscheidungen dürften nicht den Eindruck erwecken, nur den Wünschen einer partikularen Interessengruppe oder gar nur eines einzelnen Akteurs zu dienen.

Als Beispiel dafür, wie es nicht geht, werden die Freien Demokraten erwähnt, die es 2013 nicht schafften, den Vorwurf abzuschütteln, eine „Mövenpick-Partei“ zu sein, der es einzig und allein um die Belange von Hoteliers, Apothekern und Steuerberatern gehe. Auch Wirtschaftslobbying sei ohne Gemeinwohlbezug heute kaum mehr vermittlungsfähig.

Was die Berater ihren Kunden auch beibringen müssten, Entscheidungen könnten nicht dauerhaft gegen die Stimmung in der Bevölkerung gefällt werden. Die Politik müsse Ängste und Sorgen der Bürger ernst nehmen und diesen entweder durch bessere Politikvermittlung oder durch substanzielle Kurskorrekturen Rechnung tragen.

Als Negativbeispiel für eine falsche technokratische Politik wird der sukzessive Machtzuwachs der Europäischen Zentralbank (EZB) im Verlauf der Eurokrise genannt. Dadurch sei ein großer Vertrauensverlust entstanden.

Die größte Herausforderung der politischen Kommunikation im 21. Jahrhundert ist demnach die Digitalisierung. Wer früher Inhalte vermitteln wollte, verteilte Flugblätter, druckte Plakate, platzierte Artikel in Zeitungen und gab Fernsehinterviews. Zeitalter von Twitter, Facebook, Reddit oder WeChat seien diese Parameter obsolet.

Die Zeiten der rein analogen politischen Kommunikation seien unwiederbringlich vorbei. Die Anzahl der Kommunikatoren steige, das Tempo der Kommunikation habe sich beschleunigt und die Menge an Inhalten nehme immer stärker zu. Auch dafür haben die Autoren Lösungen.

Man wünscht diesem Buch, das am 10. September im Tectum Wissenschaftsverlag erscheint, viele Leser. Es vermittelt spannendes Insiderwissen, wie in der Berliner Republik die Fäden gesponnen werden.

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