Lobbyisten-Serie (Teil 2) Waffen für die Welt

Pistolen für Indonesien, Panzer für Saudi-Arabien, Munition für Ägypten: Die deutsche Rüstungsindustrie lebt von den Exporten. Von der neuen Regierung wünscht sich die Waffenlobby daher, dass alles so bleibt wie bisher.
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BerlinDie Waffen lassen ihn einfach nicht los: 37 Jahre lang war Christian-Peter Prinz zu Waldeck  bei der Bundeswehr. Erst als Panzeroffizier, später als Militärattaché in Seoul. Privat ist er Jäger. Und seit der Pensionierung: Waffenlobbyist. Seit drei Jahren ist Waldeck der Geschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V. (BDSV).

Damit hat sich der 68-jährige wohl einen der schwersten Jobs in der deutschen Lobby-Landschaft ausgesucht. „Die Anzahl derjenigen, die unserem Industriezweig skeptisch gegenüberstehen, ist schon enorm“, sagt Waldeck.

Den BDSV gibt es seit 2009. Er ist aus dem Ausschuss für Verteidigungswirtschaft des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) hervorgegangen und vertritt rund 50 Unternehmen, darunter Namen wie Krauss-Maffei-Wegmann, Heckler & Koch oder Rheinmetall. Das einzige Aufnahmekriterium: Die Rüstungsunternehmen müssen in Deutschland fertigen.  

Waffen und Krieg – ein schwieriges Thema für die Deutschen. Gerade deshalb ist es für Waldeck wichtig, die Interessen der Hersteller diskret zu vertreten. Dafür braucht es vor allem eins: gute Kontakte zu Politikern. Das BDSV-Büro liegt nur 800 Meter vom Berliner Regierungsviertel entfernt. Von dort beobachten Waldeck und sein achtköpfiges Team die Koalitionsverhandlungen. Bald werden neue Köpfe auftauchen. Für Lobbyisten wie Waldeck heißt das: die richtigen Gesprächspartner finden, Positionspapiere verschicken und in persönlichen Gesprächen Überzeugungsarbeit leisten.

Aber nicht sofort, Waldeck wartet lieber ab. „Die Politik zu diesem frühen Zeitpunkt mit Vorschlägen zu kontaktieren, kann nicht zielführend sein. Die Politiker haben gerade andere Sorgen“, sagt der blaublütige BDSV-Geschäftsführer und richtet sein Halstuch mit Jagdmotiv. Doch sobald die Regierungskoalition und die Besetzung der Ministerien stehen, geht die Arbeit los. Wirtschaft und Verteidigung, das sind die entscheidenden Ressorts für die Rüstungslobby.

Rot-rot-grün wäre der Albtraum für die Rüstungslobby
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12 Kommentare zu "Lobbyisten-Serie (Teil 2): Waffen für die Welt"

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  • Sie Zyniker

    http://bilder.bild.de/fotos-skaliert/syrien-opferzahl-33702982_mbqf-1374771095-31539974/3,w=650,c=0.bild.jpg

  • Die "deutsche" Presse hält den Amerikanern die Konkurrenz vom Hals und das Stimmvieh klatscht wie immer Beifall, weil es überhaupt nichts kapiert.
    Und was bin ich täglich froh, nicht den Beruf so eines Auftragsschmierers zu haben...

  • Es wäre sehr schön, wenn sich das Handelsblatt auch mal mit der Erneuerbare-Energien-Lobby beschäftigen würde! Die tritt nach meiner Erfahung so aggressiv wie kaum eine andere Lobby auf.

  • Keine Sorge, die SPD unterschreibt alles, nur um das machtgeile Schwein als Vizekanzler zu sehen.

  • Ich denke auch, wir sollten einfach alles sein lassen, worin wir gut sind und leben zukünftig nur noch von gutem Willen und reinem Gewissen. Überall wo Menschen leben gibt es unweigerlich Spannungen, die sich irgendwann entladen und sich ganz bestimmt nicht mit "es wäre doch schön, wenn es anders wäre" aufhalten lassen. Und das wird sich auch nicht ändern, selbst wenn wir alle Waffen abschaffen.

  • Rot-rot-grün ein Alptraum???

    Was soll denn das Spielchen. Tatsache ist doch, dass sobald die Friedensbewegung in Deutschland an die Macht kam, hat sie sofort Krieg geführt.

    Auch die Grünen stehen bis heute zum Afghanistan-Einsatz. Und Peter Struck meinte die deutsche Interessen werden am Hindukusch verteidigt...

    Und bei Dunkelrot ist es doch so, dass man als 10%-Partei ganz gut davon leben kann, immer gegen alles zu sein. Somit fallen genügend Wählerstimmen ab. Sind die mal an der Macht, schalten die so schnell wieder um wie nur irgendwie denkbar.

  • Ich wünsch mir auch, daß das so bleibt. Warum sollen wir als einzige KEINE Waffen verkaufen dürfen?
    Ich hab auch keine Angst vor deutschen Waffen. Amerikanische, russische, chinesische usw. finde ich WESENTLICH bedrohlicher.

  • "Wenn deutsche Firmen keine Waffen mehr exportieren dürfen, übernehmen die Amerikaner, Franzosen, Briten, Chinesen, Russen evtl. Nord-Korea gerne das Geschäft. "

    Mit der Sichtweise kann ich auch Drogenkartelle verteidigen.

    Es helfen hier nur mentale Veränderungen durch Friedensforschung, Hungerbekämpfung und echter Glaubensfreiheit. Der Mensch ist der Schlüssel, nicht die Waffen.

  • @ peterpain

    Ein intelligenter UND gebildeter Mensch wird bei der Abschaltung von AKW's folgendes gegenrechnen:

    - (Kosten eines Super-GAU's)*(Wahrscheinlichkeit eines Super-GAU's) - (volkswirtschaftliche Profite durch Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern)

    Beides ist wohl falsch:

    1.) Überstürzter Ausstieg auf der Kernenergie
    2.) Solange auf Kernenergie setzen, bis sich in der kaufmännischen Kalkulation ein besserer Energieträger durchsetzt

    zu 1.): der Ausstieg wurde 2002 beschlossen und wird nun 2022 vollzogen sein. So langfristig denkt kaum ein Politiker, also kann das nicht als überstürzt eingestuft werden.

    zu 2.): Die Energieversorgung ist von nationalem Interesse. Wenn man sich hier alleine auf die Märkte verlässt, wird man genauso einen Schiffbruch erleiden, wie die Finanzmärkte in 2008. Schauen Sie sich die Manipulation des Libor sowie des Währungpaares EUR/USD an. Totalversagen der Märkte - reihenweise ...


    Engländer bauen also neue AKW's ?!
    Nach dem Vorbild von Siemens/Areva: 3 Milliarden € erhalten und 10 Milliarden € verbaut ?! Ein satter "Gewinn" von -7 Milliarden €.

  • Das Ziel der Waffenindustrie in einem kapitalistischen System ist letztendlich ein Fünfschichtbetrieb.

    Allerdings habe ich persönlich darauf keine Lust. Denn wir alle wissen, wie das enden wird. Deutsche Soldaten hatten noch nie Eier einen Krieg zu gewinnen. Selbst mit Drohnen und Robotern wird es nichts.

    Vielleicht sollten wir diesmal den Frauen den Vortritt lassen ?!

    "Frauen an die Front" heißt es ja immer bei den Unternehmensberatern. Früher war das für mich eine Floskel. Unerwartet bekommt diese nun einen tiefen Sinn.

    Es ist zwar unerwartet, aber erstaunt einen nicht. Denn solche Länder wie die USA und Deutschland, sind nicht nur rein sprachlich, sondern auch in ihrer Denkweise im 2. Weltkrieg stecken geblieben. Die USA durften das, als selbstverklärte Siegermacht, unverschämt zeigen. Deutschland musste sich da deutlich zurück halten.

    Aber auch wenn Deutschland in wenigen Jahren mehr Waffen exportiert als der böse, böse Putin. Deutschland - auch die USA - sollte niemals vergessen, dass die Russen Eier haben. Deren Arsenal an Wasserstoffbomben ist nicht dazu da, um uns den Endsieg zu ermöglichen.

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