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Lockdown Merkel schwört die Deutschen auf einen langen Corona-Winter ein

Die Bundeskanzlerin verteidigt die harten Einschnitte für Bürger und Wirtschaft. Über ein Ende der Beschränkungen nach dem 30. November will Angela Merkel nicht spekulieren.
02.11.2020 - 16:45 Uhr 3 Kommentare
Die Bundeskanzlerin informierte Medienvertreter über die Ergebnisse des Corona-Kabinetts zu den Corona-Maßnahmen und der aktuellen Lage des Infektionsgeschehens. Quelle: dpa
Angela Merkel

Die Bundeskanzlerin informierte Medienvertreter über die Ergebnisse des Corona-Kabinetts zu den Corona-Maßnahmen und der aktuellen Lage des Infektionsgeschehens.

(Foto: dpa)

Berlin Die Einladung kam überraschend: Die Kanzlerin trat am Montag nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts kurzfristig vor die Journalisten, um am Tag eins des Teil-Lockdowns die neuen Einschränkungen für die Bürger und die Wirtschaft zu erklären und zu verteidigen. „Wenn wir das einen Monat mit aller Konsequenz durchhalten, kann das in dieser zweiten Welle ein Wellenbrecher sein“, sagte Merkel. Die Pandemie sei „ein sehr besonderes und sehr herausforderndes Ereignis“, das es so wohl „nur einmal pro Jahrhundert“ gebe.

Dass die Kanzlerin nach der Regierungserklärung in der vergangenen Woche schon wieder an die Öffentlichkeit ging, lässt den gewaltigen Druck erahnen: Opposition, Teile der Wissenschaft und Wirtschaft hatten vor allem die fehlende langfristige Strategie kritisiert und warnten bereits vor einem dritten und vierten Lockdown.

Die Kanzlerin wollte sich auf die Zeit nach dem vierwöchigen Teil-Lockdown nicht festlegen. „Ich möchte heute über den 30. November noch nicht spekulieren“, sagte sie und erklärte das mit dem Verhalten der Bundesbürger. Sollten sich viele Menschen auch im privaten Bereich an die Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie halten, dann schaffe dies die Voraussetzung für einen „erträglichen Dezember“ mit mehr Freiräumen.

Sollte sich aber bis zu ihrem nächsten Gespräch mit den Ministerpräsidenten herausstellen, dass die neuen Maßnahmen noch nicht ausreichend seien, um die Zahl der Neuinfektionen stark zu reduzieren, seien womöglich aber auch zusätzliche Maßnahmen notwendig.

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    Für die Kanzlerin ist die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz die entscheidende Kennziffer. Sie gibt an, wie viele Menschen sich pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche neu mit dem Coronavirus infizieren. Aktuell liege dieser Wert bei 127,8, rechnete Merkel vor. „Wir müssen wieder runter in den Bereich von unter 50“, sagte die Kanzlerin. Denn erst dann seien die Gesundheitsämter wieder in der Lage, Infektionsketten umfassend nachzuverfolgen und damit auch zu durchbrechen, indem Kontaktpersonen gewarnt und in Quarantäne geschickt werden können.

    Merkel: Keine rauschenden Silvesterpartys

    Bis es so weit ist, predigte Merkel weiterhin den Verzicht. „Wenn wir im November alle sehr vernünftig sind, dann werden wir uns mehr Freiheiten zu Weihnachten erlauben können“, sagte die CDU-Politikerin. Sie stimmte die Bürger schon mal auf einen ruhigen Jahreswechsel ein. „Dass es die großen, rauschenden Silvesterpartys gibt, das glaube ich nicht“, fügte sie hinzu. Für Treffen von „Kernfamilien“ gebe es Vorschläge für Vorsichtsmaßnahmen wie eine Vor-Quarantäne. „Es wird ein Weihnachten unter Corona-Bedingungen sein, aber es soll kein Weihnachten in Einsamkeit sein“, sagte Merkel.

    Die Kanzlerin betonte, es sei nicht mehr der Zeitpunkt, mit dieser oder jener Variante der Maßnahmen gegenzusteuern. Dies wäre halbherzig. „Das Virus bestraft Halbherzigkeit“, sagte die Kanzlerin. Jede und jeder habe es in der Hand, ob es einen Wendepunkt in der Pandemie gebe.

    Angela Merkel erlebt seit Beginn der Pandemie einen regelrechten Aufschwung in den Beliebtheitswerten. Sie weiß aber auch, dass bei einem Scheitern im Kampf gegen Corona die Schuld bei ihr abgeladen wird. Das sagt sie selbst und sieht es auch als Berufsbeschreibung einer Kanzlerin. Vielleicht ist dadurch auch ihre Härte bei den Maßnahmen zu verstehen.

    So wurde im Kanzleramt trotz aller Widerstände im Vorfeld ernsthaft diskutiert, ob man nicht Schulen und Kitas schließen sollte. Von diesen Überlegungen habe man am Ende Abstand genommen. Sie zeigen aber die Entschlossenheit, mit der Merkel handelt. 

    Warnung vor Überlastung des Gesundheitssystems

    Wie schon zuvor Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnte auch Merkel angesichts der steigenden Zahlen der Corona-Infektionen und schwer Erkrankten vor einer „akuten Notlage“ in den Krankenhäusern. „Das ist exponentielles Wachstum, das uns mit zunehmender Geschwindigkeit auf eine akute Notlage in unseren Krankenhäusern zulaufen lässt“, sagte Merkel. Bei kälteren Temperaturen wie in den kommenden Monaten reagiere das Virus „anders und noch aggressiver“. 

    Die Kanzlerin verteidigte die Schließung der Gastronomie im November und sagte Firmen und auch der Kulturszene erneut schnelle und unbürokratische Hilfe zu. Die Betroffenen mit Einnahmeausfällen würden nicht allein gelassen, sagte Merkel. Die erarbeiteten Hygienekonzepte würden sich zu einem späteren Zeitpunkt noch als sehr wertvoll erweisen.

    Bereits in der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung Nothilfen von zehn Milliarden Euro beschlossen. Die Hilfen sollten auch die Kultur erreichen, sagte Merkel. Wirtschafts- und Finanzministerium arbeiten derzeit an der konkreten Umsetzung der Nothilfen, mit denen Umsatzausfälle ersetzt werden sollen.

    Merkel und die 16 Ministerpräsidenten sollen am 16. November erneut über Corona-Maßnahmen beraten. Das teilt Kanzleramtschef Helge Braun in der Schalte mit den Chefs der Staatskanzleien mit. Dabei wird eine Zwischenbilanz gezogen, wie sich die seit Montag geltenden Corona-Beschränkungen auf die Entwicklung der Infektionszahlen ausgewirkt haben. Maßnahmen wie die Schließung der Gastronomie gelten für den ganzen November. Fest steht: Bis das Leben in Deutschland zur Normalität zurückkehrt, wird noch viel mehr Zeit vergehen.

    Mehr: Deutschland versagt bei der digitalen Pandemiebekämpfung, kommentiert Redakteur Jürgen Klöckner.

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    3 Kommentare zu "Lockdown: Merkel schwört die Deutschen auf einen langen Corona-Winter ein"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Digitalisierung verschlafen. Ich verstehe es nicht. Es herrscht Ausweispflicht - Ausweisleser gibt es schon lange. Warum wird diese Technik nicht mit geeigneter Software zur automatischen Einfütterung in Datenbank genutzt? So wäre die Kontaktverfolgung kein Problem. Ebenso wenig die Programmierung, um die Persönlichkeitsrechte zu schützen, indem die Gästedaten z.B. 14 Tage nach Restaurant-/Bar-/Eventbesuch automatisch wieder gelöscht werden????

    • Wenn die ganze Show jetzt für viel Geld durchgezogen wird, nur weil die Gesundheitsämter die Infektionswege nicht mehr nachvollziehen kann, dann würde die Steigerung der Leistungsfähigkeit der örtlichen Gesundheitsämter um Faktor 10 das Problem lösen.
      Das heißt aber lediglich, dass die Ämter nur im digitalen Zeitalter endlich ankommen müssen.
      Ich möchte wetten, dass die Erfassung und Verarbeitung der Listen, die in Gastronomie und Hotels - nennen wir es mal mit verschieden Handschriften ausgefüllt werden - per Schriftscanner erfasst würden - und zwar am Ort der Erfassung mit der Möglichkeit der Rückfragen, dann würde sich die Meldegeschwindigkeit vervielfachen.

      Es werden einfach die falschen Fragen gestellt und nicht auf Effektivität wert gelegt, jedenfalls nichts außer mehr Mitarbeiter:innen einzustellen, die es aber nun einmal nicht gibt oder die Bezahlung ist zu mies, siehe Pflegepersonal.
      Und dann werden die mühsam erfassten Daten per Fax weitergeleitet und wieder händisch bearbeitet.
      Das bekommt ein halbwegs leistungsfähiges Start-up besser hin.

      Dann würden die Infektionsketten nicht bis zum Faktor 50 zu kappen sein, sondern auch Faktor 400 oder 500.
      Mal davon abgesehen, dass das Fokussieren auf die Anzahl der Positiv-Getesteten - sagen wir mal, nicht sehr zielführend ist.

      Die Corona-App bringt da in der Sache wenig. Warum sind die Spezies von SAP und Telekom, die sie in Monaten entwickelt haben, nicht in der Lage eine bessere Technologie und interne Abläufe hinzubekommen?
      Eine Möglichkeit ist, dass hier Datenschutz, den kein Mensch in dieser Situation braucht, wichtiger als unsere Wirtschaft und unser Reichtum und vielleicht auch unsere Zukunft höher bewertet wird.
      Peinlich für uns, unser Land und unser politisches Führungspersonal.

    • Es ist wie es ist und wir müssen da jetzt durch, aber kritisch darf man schon anmerken das der gesamte Staatsaperat bis runter zum Ortsvorsteher den Sommer verschlafen hat. Es isnd null aber auch null Strategien und Konzepte erarbeitet und umgesetzt worden. Die Krönung heute war der Gesundheitsminister der jetzt die Masken in alten und pflegeheime verteilen lassen will. etwas spät oder ? Wieso das ganze nicht schon im Sommer, sondern erst wenns lichterloh brennt.

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