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Lohnfortzahlung Arbeitgeber zahlten mehr als 53 Milliarden Euro für erkrankte Beschäftigte

Die Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall haben sich binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das hat nicht nur mit dem gestiegenen Krankenstand zu tun.
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Arbeitgeber mussten mehr für kranke Mitarbeiter zahlen. Quelle: dpa
Lohnfortzahlung

Arbeitgeber mussten mehr für kranke Mitarbeiter zahlen.

(Foto: dpa)

BerlinEs war ein Herzensanliegen der Sozialdemokraten und der Gewerkschaften, die Parität bei der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung wiederherzustellen. Es sei ein „Gebot der Gerechtigkeit“, die Arbeitgeber wieder zur Hälfte an den steigenden Gesundheitskosten zu beteiligen, hatten SPD-Spitzenpolitiker im Wahlkampf betont – und sich beim späteren Koalitionspartner Union durchgesetzt.

Ab dem 1. Januar nächsten Jahres gilt deshalb wieder die Parität; der zuletzt bei 7,3 Prozent eingefrorene Arbeitgeberbeitrag wird steigen. Damit rollen zusätzliche Kosten von fünf Milliarden Euro pro Jahr auf die Wirtschaft zu.

Aus Sicht der Arbeitgeber ist das alles andere als gerecht, weil auch vor der Reform die Arbeitnehmer die steigenden Gesundheitsausgaben keineswegs alleine geschultert hatten. Denn die von den Arbeitgebern finanzierte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall habe die allein von den Versicherten gezahlten Zusatzbeiträge mehr als aufgewogen. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stützt nun diese Argumentation.

Errechnung der Anteile ist kompliziert

Demnach wenden die Unternehmen Jahr für Jahr mehr Geld für die Lohnfortzahlung auf. Waren es 2006 noch 25,2 Milliarden Euro, so ist die Summe im Jahr 2017 auf geschätzt 53,2 Milliarden Euro gestiegen. Zwar weist das Sozialbudget des Bundesarbeitsministeriums für das vergangene Jahr nur 44,4 Milliarden Euro aus. Dieser Wert berücksichtigt aber nicht die auf das Bruttoentgelt entfallenden Arbeitgeberanteile zur gesetzlichen Sozialversicherung.

Diese sind nicht ganz leicht zu ermitteln, weil sie – mit Ausnahme der gesetzlichen Unfallversicherung – nur für Entgeltbestandteile bis zur jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze zu entrichten sind. Unter Zuhilfenahme von Daten der Deutschen Rentenversicherung haben die Kölner Forscher aber für das vergangene Jahr überschlägig eine Summe von 8,8 Milliarden Euro ermittelt. So ergibt sich der Gesamtwert von geschätzt 53,2 Milliarden Euro.

„Die Lohnfortzahlungen steigen und steigen jedes Jahr kaskadenhaft um neue Milliardenbeträge“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, dem Handelsblatt. „Die Zahlen lügen nicht, sondern unterstreichen einmal mehr, dass die Zusatzbelastung der Arbeitgeber in der Krankenversicherung zu den größten Fehlentscheidungen dieser Großen Koalition gehört.“

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt es seit 1970. Seither zahlen die Arbeitgeber bis zu sechs Wochen lang das Arbeitsentgelt und die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung weiter, wenn ein Arbeitnehmer erkrankt.

Die stark gestiegenen Kosten lassen sich aus Sicht des IW mit einer Häufung von Krankheitsfällen erklären. So blieben Beschäftigte nach Daten des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK) zuletzt durchschnittlich mehr als 17 Tage im Jahr mit einem ärztlichen Attest der Arbeit fern. 2006 – auf dem historischen Tiefstand – waren es nur 11,5 Tage.

Aber auch die günstige Beschäftigungsentwicklung und die jährlichen Gehaltserhöhungen trieben die Kosten für die Entgeltfortzahlung nach oben, schreibt das IW. Ab 2019 müssen die Arbeitgeber nun zusätzlich auch noch die Kosten für die Wiederherstellung der Parität schultern.

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