Luftsicherheit Bundespolizeigewerkschaft empört über Aussagen von Fraport-Chef zu Luftsicherheitskontrollen

„Wer länger an der Kontrolle warten muss, hat danach weniger Zeit zum Einkaufen“, sagte Fraport-Chef Schulte – und erntet dafür harsche Kritik der Bundespolizeigewerkschaft.
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Der Fraport-Chef beklagte ein zu langsames Vorgehen der Bundesregierung bei der Erneuerung von Sicherheitskontrollen an den Flughäfen. Quelle: dpa
Fraport

Der Fraport-Chef beklagte ein zu langsames Vorgehen der Bundesregierung bei der Erneuerung von Sicherheitskontrollen an den Flughäfen.

(Foto: dpa)

BerlinDer Vorsitzende der Bundespolizeigewerkschaft, Ernst G. Walter, hat mit scharfer Kritik auf Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden des Frankfurter Flughafenkonzerns Fraport, Stefan Schulte, zur Praxis der Luftsicherheitskontrollen reagiert.

Schulte hatte lange Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen als einen wirtschaftlichen Nachteil für Fraport bezeichnet, weil Passagiere etwa kaum Zeit für Einkäufe am Flughafen Frankfurt hätten. „Wer länger an der Kontrolle warten muss, hat danach weniger Zeit zum Einkaufen“, sagte Schulte am Mittwoch.

Walter sagte dazu dem Handelsblatt, mit dieser Aussage entlarve Schulte die eigentlichen Motive für die seit Monaten von manchem Flughafenbetreiber „medienwirksam“ erklärte Bereitschaft, von der Bundespolizei mehr Verantwortung bei den Luftsicherheitskontrollen zu übernehmen.

„Zum Glück denken nicht alle Flughafenchefs so, denn es soll auch Flughafengeschäftsführer in Deutschland geben, bei denen steht die Qualität der ausschließlich zur Terrorabwehr durchgeführten Kontrollen und damit letztlich die Sicherheit der Passagiere im Vordergrund“, so Walter.

Der Fraport-Chef beklagte indes ein zu langsames Vorgehen der Bundesregierung bei der Erneuerung von Sicherheitskontrollen an den Flughäfen. „Aus unserer Sicht geht es viel zu langsam beim Thema Sicherheitskontrollen“, sagte Schulte.

Die Politik brauche „Ewigkeiten“ für neue Regeln etwa zur Beschaffung effektiverer Kontrollgeräte. Es sei frustrierend, dass durch bessere Technik an den Großflughäfen London oder Amsterdam die Passagiere schon seit Jahren viel schneller durchgeschleust werden könnten als in Deutschland. Während in London etwa 350 Fluggäste pro Stunde die Schleusen passierten, wären es in Deutschland nicht mal 200.

Lange Schlangen und Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen in der Hochsaison hatten dazu geführt, dass Passagiere Flüge verpassten oder – was für Fraport wirtschaftlich von Nachteil ist – kaum Zeit hatten für Einkäufe am Flughafen Frankfurt. Im Schnitt habe jeder Fluggast bisher in diesem Jahr 2,96 Euro ausgegeben gegenüber 3,31 Euro im Vorjahr, wie Finanzchef Matthias Zieschang erklärte. Fraports Einzelhandelsumsatz sank deshalb.

Dass die Infrastruktur für das starke Wachstum des Luftverkehrs nicht mehr ausreicht, trug außerdem zum Flugchaos in diesem Jahr bei. Die Branche hatte deshalb Anfang Oktober auf einem Gipfeltreffen in Hamburg einen Maßnahmenkatalog vereinbart, damit es 2019 nicht nochmal zu vielen Flugausfällen und -verspätungen kommt.

Das wichtigste Anliegen von Fraport und einigen anderen Flughäfen, nämlich die Kontrollen stärker den Flughäfen zu überlassen, hängt jedoch von länger laufenden Rahmenverträgen und gesetzlichen Änderungen ab.

Polizeigewerkschafter Walter bekräftigte seine Forderung nach einem „Systemwechsel“ bei den Luftsicherheitskontrollen. Danach sollten Flughafenbetreiber mehr in „optimierte und innovativere Kontrollprozesse“ eingebunden werden. Eine klare Absage erteilte er der Idee, die Verantwortung für die Kontrollen an gewinnorientierte Unternehmen zu übertragen.

„Solange wirtschaftlich abhängige Unternehmen bestimmen, ob ein sicherheitsrelevanter Vorgang zu melden ist oder nicht, werden wir objektive Sicherheit nie garantieren können“, sagte der Polizeigewerkschafter. Jeder, der etwa über eine Flughafenräumung zu entscheiden habe, müsse „unabhängig sein und den Staat im Rücken haben“, betonte er. „Schnellere Kontrollen für mehr Wirtschaftlichkeit, wie sie manche fordern, können dabei letztlich lebensgefährliche Folgen haben“, fügte Walter mit Blick auf Fraport-Chef Schulte hinzu.

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