Mängel bei der Bundeswehr Deutsche Tornados können nicht an Nato-Einsätzen teilnehmen

Veraltetes IT-System, fehlendes Freund-Feind-Erkennungssystem – die Kampfjet-Flotte der Bundeswehr entspricht offenbar nicht mehr den Nato-Anforderungen.
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Ob die deutschen Tornados an zukünftigen Nato-Missionen teilnehmen können, ist fraglich. Quelle: dpa
Bundeswehr-Tornados in Jordanien

Ob die deutschen Tornados an zukünftigen Nato-Missionen teilnehmen können, ist fraglich.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Bundeswehr kann ihren Kampfjet Tornado einem vertraulichen Rüstungsbericht zufolge womöglich nicht mehr in Nato-Einsätze schicken. Bisher habe kein geeignetes Verschlüsselungsgerät zur sicheren Übertragung von Daten in das aus den 70er Jahren stammende Flugzeug eingebaut werden können, heißt es in dem Bericht des Verteidigungsministeriums, der Reuters am Samstag vorlag. Zudem genüge die Kommunikationsanlage des Tornados, vor allem die Verkabelung, nicht heutigen Standards. Damit bestehe das Risiko, dass eingestufte Informationen abgefangen werden könnten. Es ist nicht das erste Mal, dass Bundeswehr-Waffensysteme in die Kritik geraten.

„Dies könnte im Extremfall dazu führen, dass die Forderung nach einer verschlüsselten Kommunikation für das Waffensystem Tornado nicht realisiert werden kann“, heißt es in dem Bericht. „Damit könnte das Waffensystem Tornado an keinem Nato-Einsatz mehr teilnehmen.“ Die Bundeswehr hat seit Jahresbeginn zehn Tornados für die Eingreiftruppe Nato Response Force gemeldet, was deren Fähigkeit zur gesicherten Kommunikation voraussetzt. „Zur Sicherstellung der Kommunikation ist eine Interimslösung (...) notwendig“, heißt es mit Blick darauf in dem Bericht. Ob diese Ausweichlösung bereits verwirklich wurde, geht aus dem Bericht nicht klar hervor.

Ein Sprecher der Luftwaffe sagte, die Luftwaffe erfülle die derzeitigen Nato-Verpflichtungen mit den zehn für die Nato Response Force gemeldeten Tornado-Jets. Details nannte er nicht.

Schwierigkeiten könnte es dem Bericht zufolge auch beim Aufklärungseinsatz deutscher Tornado-Jets gegen die Extremistenmiliz IS im Irak und in Syrien geben. Die von einem jordanischen Stützpunkt aus eingesetzten Kampfflugzeuge nutzten bisher Einbausätze für den verschlüsselten Sprechfunk, die ursprünglich für den Afghanistan-Einsatz beschafft worden seien, heißt es in dem Bericht. Diese Lösung könne jedoch nicht auf die gesamte Tornado-Flotte ausgedehnt werden. Zudem werde das dafür genutzte Verschlüsselungsgerät wohl Mitte 2018 obsolet.

Probleme und Mehrkosten werden sich dem Bericht zufolge auch daraus ergeben, dass immer mehr Nutzernationen aus dem Tornado aussteigen und die Ersatzteilversorgung daher infragesteht. Das Bundesverteidigungsministerium hatte dagegen 2016 entschieden, dass die Luftwaffe den Tornado noch bis 2035 fliegen soll. Dem Bericht zufolge ist aber fraglich, ob der Tornado überhaupt noch bis dahin betrieben werden kann.

Für die schrittweise Ablösung des Tornados ab 2025 prüft das Ministerium bevorzugt eine Weiterentwicklung des Eurofighters von Airbus, daneben aber auch die drei US-Jets F-15 und F-18 von Boeing sowie die F-35 von Lockheed Martin. Die Luftwaffe besitzt rund 90 Tornados. Das Kampfflugzeug spielt in der Bundeswehr eine Sonderrolle: Im Krisenfall würde es amerikanische Atombomben abwerfen.

Der Grünen-Politiker Tobias Lindner erklärte, die Probleme beim Tornado seien alles andere als überraschend. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) habe wichtige Entscheidungen wie Nutzungsdauer, Fähigkeiten und Nachfolgemodell immer wieder auf die lange Bank geschoben oder verändert. Sie müsse noch in diesem Jahr Klarheit schaffen.

  • rtr
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