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Mängel bei der Bundeswehr Sturmgewehr G36 trifft schlecht

Ausgerechnet das Standardgewehr der Bundeswehr hat massive Mängel. Nicht alle der 176.000 Gewehre nutzt die Bundeswehr selbst – mehrere Tausend G36 gingen zuletzt an die Peschmerga für den Kampf gegen die IS-Miliz.
Update: 30.03.2015 - 20:51 Uhr 11 Kommentare
Ein Soldat schießt auf einem Truppenübungsplatz: Nach monatelanger Untersuchung hat die Bundeswehr massive Probleme bei der Treffsicherheit ihres Standardgewehrs G36 festgestellt. Quelle: dpa
Bundeswehr-Standardgewehr G36

Ein Soldat schießt auf einem Truppenübungsplatz: Nach monatelanger Untersuchung hat die Bundeswehr massive Probleme bei der Treffsicherheit ihres Standardgewehrs G36 festgestellt.

(Foto: dpa)

Berlin Nach jahrelangen Untersuchungen hat die Bundeswehr massive Probleme bei der Treffsicherheit ihres Standardgewehrs G36 eingeräumt und erste Konsequenzen gezogen. „Das G36 hat offenbar ein Präzisionsproblem bei hohen Temperaturen, aber auch im heißgeschossenen Zustand“, erklärte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Montag.

In den Einsätzen etwa in Afghanistan und im westafrikanischen Mali soll das Sturmgewehr nun nur noch eingeschränkt genutzt werden. Von der Leyen schließt auch nicht aus, dass es mittelfristig ganz aus dem Verkehr gezogen wird.

Die Bundeswehr hat seit 1996 vom Hersteller Heckler & Koch 176.000 G36 gekauft. Es werden aber nicht mehr alle genutzt. Zuletzt wurden mehrere tausend G36 an die kurdischen Peschmerga-Streitkräfte im Irak für ihren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat verschenkt.

Die Mängel der Maschinengewehre
Bundeswehr-Soldaten mit Maschinengewehr
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Das Sturmgewehr G36 ist nicht die einzige Waffe der Bundeswehr mit Problemen bei der Treffsicherheit. Beim Maschinengewehr MG5 sei „eine Überschreitung des vertraglich vereinbarten Abstandes des Mittleren Treffpunktes“ festgestellt worden, räumte das Verteidigungsministerium nach einem Bericht des „Spiegel“ ein. Das Maschinengewehr wird wie das G36 von Heckler & Koch produziert. Die Abweichung beim MG5 wurde vom Ministerium aber offensichtlich als verkraftbar eingestuft. Wegen der Streuung sei „eine Vertragsanpassung mit Preisreduzierung“ ausgehandelt worden.

(Foto: dpa)
Schraube locker
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Ein Teil der Gefechtshelme der Bundeswehr muss wegen einer mangelhaften Schraube zur Befestigung am Kopf aus dem Verkehr gezogen werden. Das Verteidigungsministerium teilte am Dienstag mit, dass die Schraube nicht ausreichend gegen Splitter geschützt sei. Um eine mögliche Gefährdung der Soldaten im Einsatz auszuschließen, würden die Helme dort zuerst ausgetauscht. „Danach erfolgt auch der Austausch aller betroffenen Gefechtshelme für den Grundbetrieb im Inland“, heißt es in der Mitteilung. Nach einem Bericht des verteidigungspolitischen Blogs „Augen geradeaus!“ stammen die defekten Helme vom spanischen Hersteller Induyco.

(Foto: dpa)
Das Sturmgewehr G36 schießt angeblich schief
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Experten stellen dem umstrittenen Sturmgewehr G36 ein verheerendes Zeugnis aus. Dessen Trefferquote soll bei extremer Erhitzung stark sinken. Der Bundeswehrverband fordert daher einen schnellen Ersatz für das G36. Zwar vertrauten die Soldaten weiter ihrer Standardwaffe, sagte Verbandschef André Wüstner. Trotzdem erwarteten sie, dass als Konsequenz eine neue Waffe beschafft werde – und das wesentlich schneller als in den anvisierten zehn Jahren. Heute nimmt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor den Fachausschüssen des Bundestags zu dem Bericht Stellung.

(Foto: dpa)
Im Einsatz gegen den IS
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Das Sturmgewehr G36 gehört seit 1996 zur Standardausrüstung jedes Bundeswehrsoldaten. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden 176.544 der Waffen bei dem baden-württembergischen Hersteller Heckler & Koch eingekauft, von denen noch 166.619 genutzt werden. Das Gewehr besteht zum großen Teil aus Kunststoff und ist deswegen mit einem Gewicht von dreieinhalb Kilogramm vergleichsweise leicht. Es hat ein Kaliber von 5,56 mal 45 Millimetern und kann Einzelschüsse und Dauerfeuer abgegeben. 8000 G36-Gewehre hat die Bundeswehr an die kurdische Armee im Nordirak für ihren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) abgegeben. Es ist die jüngste, aber bei weitem nicht die erste Blamage in Sachen Bundeswehrausrüstung.

(Foto: dpa)
Software-Panne bei Hubschraubern
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Eine schadhafte Software, mit der die Wartung der Maschinen überwacht und Ersatzteile beschafft werden, sorgte im Februar 2015 dafür, dass viele der Helikopter am Boden bleiben mussten. Nach einem Update waren die Daten so durcheinandergeraten, dass die Techniker nicht mehr nachvollziehen können, welche der Maschinen flugtauglich ist. Besonders betroffen von der Software-Panne ist der Bundeswehr-Transporthubschrauber NH 90. Das ist insofern besonders bitter, weil der wichtiger Bestandteil bei der schnellen Eingreiftruppe im Ukraine-Konflikt ist.

(Foto: dpa)
Ausfälle bei den Bordhubschraubern
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Auch bei den Bordhubschraubern vom Typ Sea Lynx der Marine gab es erhebliche Ausfälle, wie ebenfalls im September 2014 bekannt geworden war. Von 22 Maschinen sei keine einzige einsatzbereit. Im Juni war laut einem Süddeutschen Zeitung vorliegenden internen Dokument in einem Modell einer Fregatte ein 20 Zentimeter langer Riss entdeckt worden, woraufhin der komplette Betrieb mit dem Modell zunächst eingestellt wurde. Wohl zu Recht: Danach wurden an drei weiteren Hubschraubern ähnliche Schäden gefunden. Unter Auflagen sind im Januar die ersten Sea Lynx wieder gestartet. Insgesamt ist der Zustand der Hubschrauber-Flotte besonders besorgniserregend. Der Stand einsatzbereiter Maschinen ist auf extrem niedrigem Niveau. Nach einer internen Statistik waren Ende des vergangenen Jahres nur elf Prozent aller Exemplare des Kampfhubschraubers Tiger startklar. Beim Transporthubschrauber NH 90 lag die Quote im Jahresmittel 2014 bei 17,45 Prozent.

(Foto: dpa)
Defekte Transall-Maschinen
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Die Panne sorgte im September 2014 für Aufsehen und lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit nach längerer Zeit wieder auf die Ausrüstungsmängel bei der deutschen Bundeswehr: Weil die Transall-Maschinen der Bundeswehr technische Defekte aufwiesen, konnten die Ausbilder, die kurdische Peschmerga-Kämpfer bei ihrer Arbeit gegen den IS im Irak vorerst nicht zu ihrer Mission aufbrechen. Sie mussten die Maschinen auf dem Militärflugplatz Hohn wieder verlassen.

(Foto: ap)

In den vergangenen Jahren hatte es mehrere widersprüchliche Gutachten über die Treffsicherheit des G36 gegeben. Daraufhin hatte von der Leyen im Frühsommer 2014 eine Expertenkommission mit Vertretern der Bundeswehr, des Bundesrechnungshofs und des Fraunhofer-Instituts eingesetzt, um Klarheit zu schaffen. Der Abschlussbericht steht zwar noch aus. Die bisher vorliegenden Bewertungen wiesen aber „in eine eindeutige Richtung“, erklärte von der Leyen.

Der Generalinspekteur Volker Wieker wandte sich bereits am Montag an die Bundeswehr-Kommandeure. Aus seinem Schreiben geht hervor, dass die Präzisionsprobleme beim G36 „signifikant größer als bei den untersuchten Vergleichswaffen“ sind. Die Präzisionsprobleme seien mit allen Munitionsarten und sowohl bei einer Erhitzung der Waffe durch Schnellfeuer als auch bei Veränderung der klimatischen Bedingungen aufgetreten.

Heckler & Koch ist den Vorwürfen der Verteidigungsministerin entgegengetreten. Die Behauptung der mangelnden Treffsicherheit widerspreche „diametral“ eigenen Prüfungen der Waffe, erklärte das Unternehmen am Montagabend in Oberndorf. „Diese haben bei sachgerechtem Gebrauch keine maßgeblichen Einschränkungen der Einsatztauglichkeit, insbesondere auch im Vergleich zu anderen Sturmgewehren, ergeben“.

Heckler & Koch erkenne „keine durch die Bundeswehr ermittelten Negativergebnisse zum Gewehr G36 an, die sich auf eine vermeintlich fehlende Tauglichkeit des Sturmgewehrs zum vorgesehenen Gebrauch beziehen“, hieß es weiter.

In den nächsten Tagen wird der Generalinspekteur nun eine Weisung an die Soldaten im Einsatz ausgeben, wie sie weiter mit dem G36 umgehen sollen. Bei Ausbildung und Übungen soll das Gewehr „für eine Übergangszeit“ weiter genutzt werden.

Nach Vorlage des Abschlussberichts im April soll über weitere Konsequenzen beraten werden. „Das schließt auch die Frage ein, ob und inwieweit die Truppe auf mittlere Sicht mit einem anderen Sturmgewehr ausgerüstet werden muss“, sagte von der Leyen.

Die Grünen nannten das Eingeständnis der Probleme einen „Super-Gau für die Bundeswehr“. „Das Vertrauen der Truppe in die Leitung wird erneut erschüttert. Die Liste der Desaster im Rüstungsbereich wird damit um einen besonderen sensiblen Punkt länger“, erklärte der Haushalts- und Verteidigungsexperte Tobias Lindner.

  • dpa
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11 Kommentare zu "Mängel bei der Bundeswehr: Sturmgewehr G36 trifft schlecht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • wer war der lobbyist
    wer hat das geprüft und manipulliert
    wer wurde bestochen
    wer muss wegen vorsätzlicher tötung der eigenen soldaten haften
    kampf flugzeuge, hubschrauber, gewehre, ausrüstung vielleicht noch der deutsche panzer
    das ist kein zufall
    das ist sabotage
    internationalisierter großkonzerne unter dem deckmantel der globalisierung
    und der feind sitz in den eigene reihen wird hier ausgebildet und kämpft dann für die feinde der "demokratie"

    und unsere politniks
    verprellen die griechen
    rüsten putins russland
    integrieren erdogan
    stärken die saudis kuwaitis etc.die eine .......itische weltherschaft anstreben

    wie lange noch

  • Reise nach Moskau
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    Griechenlands Premier Alexis Tsipras reist nach Moskau - und deutsche Politiker überschlagen sich vor Empörung. Doch dass es in Russland kaum etwas zu holen gibt, weiß wohl auch der Athener.

    Wenn Griechenlands Premier Alexis Tsipras am 8. April Moskau besuchen wird, dürfte Russlands Regierung eine richtige Show abziehen. Moskaus Botschafter in Athen kündigte jetzt schon mal an, die erste offizielle Russland-Reise des griechischen Linkspolitikers werde ein "Großereignis" für die Beziehungen beider Länder werden. Moskau umschmeichelt die vom finanziellen Untergang bedrohten Griechen - und in Berlin und Brüssel zeigen sich Unionspolitiker empört über die Anbandelei.

    Die Aufregung dürfte Tsipras sogar behagen, bestärkt sie die Regierenden in Athen doch in der Überzeugung, sie hätten beim Pokern mit der EU um Schuldenschnitte und ungeliebte Reformschritte geopolitisch doch ein Ass im Ärmel. Nach dem Motto: Helft ihr uns nicht, dann haben wir andere mächtige Freunde - und die EU wird das spüren. Wer möchte, dass sich Tsipras und Co. wie politische Halbstarke fühlen, der soll daher ruhig weiter wettern gegen die griechische "Koketterie", ausgerechnet jetzt sich auch in Moskau nach Krisenhelfern umzusehen.

  • G36 - Gewehr mit zu viel Kunststoff
    -------------
    Es ist eben eine Spielzeugwaffe. Auch die Peschmerga werden damit versorgt. Es handelt sich beim G36 um eine nicht letale Waffe. Damit haben die Gegner eine 90%ige Überlebenschance.
    Wir sind ja "friedliebend" und "defensiv".

  • Nochmals PS:
    Wenn ein Lauf über jedes Limit hinaus heiß geschossen wird, dann brennt er aus und die Präzision ist komplett weg. Die russ. Kalaschnikov ist deshalb sehr robust gebaut, aber wenig präzise. Eine bahnbrechende Entwicklung war das sehr leichte MG1 der Wehrmacht, dass eine sehr hohe Kadenz aufwies und bei dem innerhalb weniger Sekunden der Lauf gewechselt werden kann. Es wurde als MG3 in die Bundeswehr übernommen und genießt bis heute Kultstatus. Dieses unscheinbare, aus Blechprägeteilen gefertigte MG verbreitete im WKII Angst und Schrecken. Fazit: Gutes muss nicht neu sein!....

  • PS:
    Als Sportschütze liebäugle ich mit dem Kauf eines AR15, des halbautomatischen Bruders des M16.

  • Man muss wissen, was man für ein Gewehr haben will:
    Soll es leicht sein, die Munition ebenfalls nicht zu schwer, ja dann muss ein Kompromiss her: Dünne Wände des Gewehrlaufs um Gewicht zu sparen und das Kaliber .223 um mehr Munition am Mann/Frau tragen zu können. Das bedeutet Nachteile in der Standfestigkeit und Reichweite der Munition.

    Will man im Stellungskrieg Punkte sammeln,. dann sollte das G36 einen deutlch schwereren, freischwingenden kanneliierten Bullbarrel (Gewehrlauf mit schwerem Mantel und vergrößerter Oberfläche zur Hitzeableitung) bekommen und man sollte auf das altbewährte Natokaliber Win 308 (7.62 x 51mm) umsteigen. Dann wiegt das Teil halt ein halbes bis ein kg mehr und die Munition wiegt auch fast doppelt soviel.

    Genaugenommen sitzen die Deppen in der Beschaffungsabteilung der Bundeswehr, dienn die gibt die Rahmenbedingungen für die Ausschreibung vor. Ein Kompromiss bleibt ein Kompromiss, auch wenn er auf hohem Niveau stattfindet.

    Ich sehe überhaupt keinen Grund UvL zu diskreditieren für eine Beschaffungsmaßnahme, die vor 25 Jahren in die Wege geleitet wurde. Auch das US-Gewehr M16 hat Mängel: In Vietnam haben Blätter die Geschossbahn abgelenkt und das Gewehr muss unendlich oft gereinigt werden, damit es zuverlässig schießt.

  • Ist das nun bewusst "Schrott gegen Steuergeld" oder werden so "Friedensaktivisten" in der Gewehrfabrikation zum Wohle der Menschheit beschäftigt?!
    Ironie AUS.

  • Das Thema ist doch uralt. Gääähn!

  • Ich dachte unsere Politiker und Experten kaufen nur das Beste! Da scheinbar nur Schwund geholt wird, kann man wohl "Schmiergelder" vermuten. Warum verurteilen wir dann andere Länder?

  • >> Ausgerechnet das Standardgewehr der Bundeswehr hat massive Mängel. >>

    Die Flinten-Uschi-Versteher würden sagen, Putin sei schuld !

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