Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Maklerkosten Bestellerprinzip bringt kaum Ersparnis beim Kauf von Wohnimmobilien

Hohe Maklerkosten sind ein Hemmnis beim Kauf von Häusern und Wohnungen. Ministerin Barley will daran etwas ändern – doch solche Pläne stoßen auf Kritik.
Kommentieren
Die Pläne der Ministerin werden so wahrscheinlich nicht umgesetzt. Quelle: AP
Katarina Barley

Die Pläne der Ministerin werden so wahrscheinlich nicht umgesetzt.

(Foto: AP)

BerlinUm Verbraucher beim Kauf einer Wohnimmobilie zu entlasten, will Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) das „Bestellerprinzip“ einführen: Wer einen Makler beauftragt, muss auch für die entstandenen Kosten aufkommen.

Noch steckt der entsprechende Entwurf in der Ressortabstimmung, doch am Mittwoch gaben in einer öffentlichen Anhörung des Rechtsausschusses des Bundestags Experten zur Sache bereits ihre Meinung ab. Das lag daran, dass die Grünen ebenfalls das „Bestellerprinzip“ fordern und schon einen Gesetzentwurf vorgelegt haben. Unweigerlich war also zu hören, wo auch bei Barleys Vorhaben die Probleme lauern.

Viele Sachverständige äußerten in der Anhörung Zweifel. „Die Neuregelungen sind nicht geeignet, das Ziel, die Anschaffungskosten für selbst genutztes Wohneigentum wirksam zu reduzieren, zu erreichen“, befand etwa Volker Eichener, Professor für Politikwissenschaften an der Hochschule Düsseldorf.

Anlass für die gesetzgeberischen Initiativen ist die Lage auf besonders angespannten Immobilienmärkten. Hier steigen die Preise immer weiter. Damit erhöhen sich auch die Erwerbsnebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notargebühren, Grundbuch- sowie Maklerkosten. Vor allem Familien können sich einen Kauf darum kaum leisten.

Da laut statistischem Bundesamt in 60 Prozent der Fälle beim Verkauf von Wohneigentum ein Makler zum Einsatz kommt, will die Politik hier ansetzen. Denn in Ballungsgebieten ist es gängige Praxis, dass Verkäufer einen Makler einschalten, die Kosten dann aber auf den Käufer abwälzen. Der Käufer befindet sich in einer Zwangslage, will er nicht aus dem Kreis der Bieter ausscheiden.

Dabei kann er weder auf die Auswahl des Maklers noch auf die Höhe der Provision Einfluss nehmen. Es geht durchaus um hohe Beträge: Liegt die Courtage bei 7,14 Prozent, kassiert der Makler bei einem Kaufpreis von 500. 000 Euro stolze 35.700 Euro. Mit dem Bestellerprinzip, das seit 2015 bereits für Mietverträge gilt, soll nun eine Änderung der bisherigen Praxis her.

Doch viele der geladenen Sachverständigen sahen das Vorhaben kritisch. So betonte Eichener, bei den gestiegenen Kaufpreisen handele es sich um ein „regionales Problem“ von dem längst nicht alle Wohnungsmarktregionen Deutschlands betroffen seien. Vom Bestellerprinzip würden nur wenige profitieren.

„Es stellt sich die Frage, ob ein derart geringer Entlastungseffekt ausreicht, um die Nebenwirkungen des beabsichtigten Gesetzes zu rechtfertigen“, meint Eichener und verweist etwa auf den Umstand, dass der Makler künftig gezwungen wäre, einseitig die Interessen des Verkäufers zu vertreten. Dies würde zu steigenden Immobilienpreisen und zu erheblichen Rückschritten beim Verbraucherschutz führen.

Detlev Fischer, ehemaliger Richter am Bundesgerichtshof, sieht durch das Bestellerprinzip eine „deutliche Einschränkung des Grundsatzes der Vertragsfreiheit“.

Bei den gestiegenen Kaufpreisen für Wohnimmobilien handelt es sich um ein regional begrenzt auftretendes Problem. Volker Eichener, Professor für Politikwissenschaften an der Hochschule Düsseldorf

Zudem sei eine „Einpreisung“ zu erwarten: Der Verkäufer dürfte die Maklerprovision auf den Kaufpeis aufschlagen, wodurch auch die Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer sowie Grundbuch- und Notarkosten stiegen.

Fischer störte sich vor allem an einem Verbot der Doppeltätigkeit des Maklers für beide Seiten. Käufer hätten dann keinen Anspruch mehr auf Beratung durch den Makler.

Der Präsident des Immobilienverbands IVD, Jürgen-Michael Schick, verwies darauf, dass derzeit in 75 Prozent der Bundesländer die Provision zwischen Verkäufer und Käufer geteilt werde. „Das wird von allen Beteiligten als fair empfunden, sodass auch insoweit kein Handlungsbedarf besteht, also ohne Not in ein bewährtes System einzugreifen.“

Sei der Immobilienmakler einseitiger Interessenvertreter des Verkäufers, würden außerdem Bieterverfahren zunehmen, was zu einem höheren Preis führe, als das reguläre Verfahren. „Letztlich wird der Käufer durch ein Bestellerprinzip nichts sparen, womit das Ziel einer solchen Regelung verfehlt wäre“, meint Schick.

Der Sachverständige Winfried Ebert von der LBS Immobilien als siebtgrößter Wohnimmobilien-Makler Deutschlands rechnete vor, dass sich die Mehrheit der Wohnimmobilienkäufe in der Kategorie zwischen 100.000 und 200.000 Euro Kaufsumme abspiele. In strukturschwachen Regionen wie Ostdeutschland herrsche eine vollkommen andere Marktlage als in Ballungsgebieten. Lange Vermarktungszeiten zeigten, dass von einer „Zwangslage“ des Käufers keine Rede sein könne.

Reines Bestellerprinzip könnte sogar kontraproduktiv sein

Die Verbraucherverbände plädierten erwartungsgemäß für das Bestellerprinzip. Selbst bei vollständiger Einpreisung der Provision entstünden dem Käufer keine Nachteile gegenüber der derzeitigen Regelung, erklärte Experte Franz Michel vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV).

Insbesondere in angespannten Wohnungsmärkten mit vielen Maklern und hohen Verkaufspreisen sei mit mehr Wettbewerb, verbesserter Beratungsqualität und auch mit einer Reduzierung der Provision zu rechnen. Der Verbraucherschutzverband Wohnen im Eigentum (WIE) sieht nicht, dass Verkäufer durch das Bestellerprinzip „unangemessen belastet“ würden.

„Ein reines Bestellerprinzip ist nicht der richtige Weg, um Familien in die eigenen vier Wände zu bringen“, sagte der Mietrechtsexperte und stellvertretende rechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jan-Marco Luczak, nach der Anhörung dem Handelsblatt.

Eine solche Regelung wäre an vielen Stellen kontraproduktiv, die Kosten für Käufer dürften eher steigen. Der Verbraucherschutz würde abgesenkt. „Die Teilung von Maklergebühren zwischen Verkäufer und Käufer werde allseits als fair und gerecht empfunden. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, dieses Modell auch auf Ballungsgebiete zu übertragen.“

Auf Justizministerin Barley oder ihre Nachfolgerin dürfte bei der Abstimmung des Gesetzentwurfs also noch viel Arbeit zukommen. Die SPD pocht hierbei auf den „Wohngipfel“ der Großen Koalition im vergangenen Jahr, bei dem eine Senkung der Maklerkosten für den Erwerb selbst genutzten Wohnraums beschlossen worden war.

„Es ist befremdlich, dass sich die Unionsfraktion von der Kanzlerin distanziert“, sagte der SPD-Rechtspolitiker Johannes Fechner dem Handelsblatt. Die SPD nehme Angela Merkel beim Wort. „Die Kanzlerin darf sich von den eigenen Leuten nicht auf der Nase herumtanzen lassen.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Maklerkosten - Bestellerprinzip bringt kaum Ersparnis beim Kauf von Wohnimmobilien

0 Kommentare zu "Maklerkosten: Bestellerprinzip bringt kaum Ersparnis beim Kauf von Wohnimmobilien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote