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Manfred Güllner im Interview Forsa-Chef: „Das wäre eine fürchterliche Demütigung für Olaf Scholz“

Forsa-Chef Manfred Güllner analysiert den SPD-Mitgliederentscheid, spricht über völlig unbekannte oder unsympathische Kandidaten und das mögliche Scheitern des Vizekanzlers.
25.10.2019 - 06:51 Uhr Kommentieren
Forsa-Chef: „Wäre eine fürchterliche Demütigung für Olaf Scholz“ Quelle: picture alliance/dpa
Manfred Güllner

Der Forsa-Chef kann dem SPD-Mitgliedsentscheid zur Parteiführung wenig abgewinnen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Berlin Forsa-Chef Manfred Güllner hat eine kritische Bilanz des SPD-Mitgliederentscheids gezogen. „Das war kein Hohes Lied der Demokratie. Wir sehen keinerlei positive Resonanz bei den Wählern. Die ganze Prozedur hat nichts bewirkt“, sagte Güllner dem Handelsblatt.

In den Meinungsumfragen steht die SPD immer noch um die 14 Prozent. Mit Ausnahme von Vizekanzler Olaf Scholz ging Güllner mit den anderen Kandidatinnen und Kandidaten hart in Gericht. „Die einen haben kein politisches Profil, andere sind unsympathisch, und wieder andere sind völlig unbekannt“, sagte der Meinungsforscher.

Auch den Ablauf der Regionalkonferenzen sieht er kritisch. „ Die Kandidaten-Duos waren in ein enges Zeitkorsett gezwängt, hatten jeweils nur wenige Minuten Zeit, sich zu Themen zu äußeren.“ Da habe man keine Themen transportieren und ansprechen können.

Sollte Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Stichwahl nicht erreichen, sieht Güllner dessen politische Karriere als massiv beschädigt an. „Das wäre der größtmögliche politische Unfall, wenn er dieses Minimalziel nicht erreicht. Der Vizekanzler und stellvertretende Parteivorsitzende wäre gescheitert.“ Er fügte hinzu: „Das wäre eine fürchterliche Demütigung für den Bundesfinanzminister und Vizekanzler.

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    Lesen Sie hier das vollständige Interview

    Herr Güllner, wie sieht Ihre vorläufige Bilanz des SPD-Mitgliedentscheids aus?
    Das war kein Hohes Lied der Demokratie. Wir sehen keinerlei positive Resonanz bei den Wählern. Die ganze Prozedur hat nichts bewirkt.

    Warum haben die Regionalkonferenzen nicht den erhofften Schub gebracht?
    Es war eine vereinsinterne Angelegenheit. Selbst wenn 23.000 Leute insgesamt bei den Veranstaltungen waren. Die SPD hat seit 1998 rund 13 Millionen Wähler verloren. Setzen Sie das mal in Relation. Das ist auch nur ein verschwindend kleiner Anteil zu den rund 430.000 Mitgliedern. Von diesem kleinen Kreis konnte gar kein großer Schub ausgehen, auch nicht in die Mitgliedschaft hinein.

    Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, der auch SPD-Chef werden will, hat beklagt, dass bestimmte Themen wie Migration und innere Sicherheit nicht genügend Platz auf den Veranstaltungen bekommen hätten. Hätte das etwas gebracht?
    Pistorius mag ja recht haben. Das interessiert die Bürger. Aber sehen sie sich den Ablauf der Veranstaltungen an. Die Kandidaten-Duos waren in eine enges Zeitkorsett gezwängt, hatten jeweils nur wenige Minuten Zeit, sich zu Themen zu äußeren. Da können Sie nichts transportieren und ansprechen.

    Welches Duo hat denn die besten Chancen bei der Basis?
    Wir haben zu Beginn der Konferenzen dazu eine Umfrage gemacht. Da lag das Duo Olaf Scholz und Klara Geywitz knapp vorne. Das lag aber auch daran, dass selbst den SPD-Mitgliedern viele Namen der anderen Kandidatinnen und Kandidaten nicht bekannt sind. Die einen haben kein politisches Profil, andere sind unsympathisch, und wieder andere sind völlig unbekannt. Es ist deshalb ganz schwer zu sagen, wer am Ende die Nase vorn hat. Eins ist allerdings auch klar: Olaf Scholz muss in die Stichwahl kommen.

    Sonst?
    Sonst wäre es eine fürchterliche Demütigung für den Bundesfinanzminister und Vizekanzler.

    Müsste Scholz zurücktreten, wenn er die Stichwahl nicht erreicht?
    Das wäre der größtmögliche politische Unfall, wenn er dieses Minimalziel nicht erreicht. Der Vizekanzler und stellvertretende Parteivorsitzende wäre gescheitert.

    Steigt die SPD Ende des Jahres aus der Koalition aus?
    Da will ich nicht spekulieren. Die Bürger wollen aber laut unseren Umfragen, dass die Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode hält. Sie sehen derzeit, vielleicht mit Ausnahme von Olaf Scholz aufseiten der SPD, keinen geeigneten Nachfolger für Kanzlerin Angela Merkel im Amt. Frau Schwan als Kanzlerin, Herr Stegner oder Herr Lauterbach als Kanzler. Das ist doch einfach abwegig.

    Und aufseiten der Union?
    Da sieht es ähnlich düster aus. Die Bürger sagen deshalb doch, dass die Koalition einfach mal regieren und sich nicht dauernd zanken soll. Die SPD wäre gut beraten, wenn sie die Selbstbespiegelung so schnell wie möglich beendet.

    Herr Güllner, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: In einer wirtschaftlich unruhigen Zeit kreist die schwarz-rote Koalition um ihre offenen Führungsfragen. Sie sollte sich mehr um Politik kümmern.

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