Markus Söder „Der Langsamste darf nicht das Tempo bestimmen“

Deutschland sollte bei der Finanztransaktionssteuer die Initiative ergreifen, fordert Bayerns Finanzminister Markus Söder. Als eine der größten Volkswirtschaften dürfe die Bundesrepublik nicht auf das Ausland warten.
15 Kommentare
Der bayerische Finanzminister Markus Söder nimmt die Bundesregierung bei der umstrittenen Börsensteuer in die Pflicht. Quelle: dpa

Der bayerische Finanzminister Markus Söder nimmt die Bundesregierung bei der umstrittenen Börsensteuer in die Pflicht.

(Foto: dpa)

Handelsblatt: Warum brauchen wir eine Finanztransaktionssteuer?

Markus Söder: Wir brauchen Sie dringend. Das ist für mich eigentlich der erste Einstieg, den Finanzmarkt an den Kosten der Finanzkrise zu beteiligen. Außerdem ist die Symbolwirkung nicht zu unterschätzen. Sollte sie scheitern, wäre das auch eine Kapitulation der Politik gegenüber den Finanzmärkten.

Von welcher Finanztransaktionssteuer sprechen wir?

Ich stelle mir zumindest eine weiterentwickelte Börsenumsatzsteuer vor, die mindestens um Derivate ergänzt werden muss. Auf den Märkten hat sich seit Ausbruch der Finanzkrise nichts Wesentliches getan. Hier besteht täglich die Gefahr, dass Gewinne individualisiert und Verluste sozialisiert werden.

Plädieren Sie für Ausnahmen von der Besteuerung?

Wir müssen Ausnahmeregelungen für Altersvorsorge schaffen und dafür sorgen, dass sich Absicherungsgeschäfte für Währungs- und Preisrisiken nicht unangemessen verteuern.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Finanztransaktionssteuer einfach überwälzt wird?

Diese Steuer kann auch einen Wettbewerb entfachen. Da wird sich jeder gut überlegen müssen, diese Steuer einfach auf den Verbraucher umzulegen. Im Kern soll diese Steuer ja auch eine Lenkungswirkung haben. Geld soll eher in die Realwirtschaft fließen als in irgendwelche Spekulationen.

Wie sieht die Koalition der Willigen aus?

Eine Besteuerung in möglichst vielen Mitgliedstaaten der Eurozone hielte ich für sinnvoll, aber notfalls würde ich auch dafür plädieren, dass Deutschland ein Zeichen setzt und den Anfang macht mit der Einführung.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
„Es gibt so gut wie keine Kontrolle“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Markus Söder - „Der Langsamste darf nicht das Tempo bestimmen“

15 Kommentare zu "Markus Söder: „Der Langsamste darf nicht das Tempo bestimmen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Bravo Deutschland - bei neuen Steuern immer vorneweg und natürlich parteiübergreifend. Nichts Neues, oder? OB das Geld des Steuerzahlers gebraucht wird, um die durch die Politiker verschuldete EU- Pleite zu finanzieren?

  • "Der Langsamste darf nicht das Tempo bestimmen"
    selten so ein Mist gehört, schon mal mit neu 85 jährigen vertuscht um die Wette zu laufen?
    Herr Schmeiß Hirn vom Himmel es wird dankend von jeder Menge Vollpfosten aufgenommen.

    Wir haben genug Sarah Palins auch in unserer Politik. Wenn einer der Brötchen machen will Bäcker sein MUSS.
    Wie kann dann jemand als Lehrer oder der Journalist ist (ohne Berater), Politiker werden und so einen Mist wie derzeit verbreiten? Ach ich vergaß die fragen einfach nur Ihren Banker hahah auch noch zu dumm die Richtigen zu fragen...
    In jeder Zunft würde man so bei der Prüfung durchfallen, außer als Politiker, da kannste wirklich der letzte D. sein, und sie wählen dich doch noch.
    Wer möchte sei zum denken angeregt
    Anderes Gedankenspiel, mach mal Sport mit einem permanenten Turnbeutelvergesser...

  • Unsere maßgeblichen Politiker kommen mit dem Nein zur Transaktionssteuer ausschließlich der Finanzindustrie entgegen. Diese Steuer ist aber ein absulutes Muss, um die Zockerbanken an den von ihnen produzierten Verlusten voll und ganz heranzuziehen. Die Ausrede, mann treffe den kleinen Mann mit seinen (bescheidenen) Aktiengeschäften ist doch Unsinn. Dieser Kundenkreis macht keine Geschäfte in zig Billionenhöhe. Im übrigen ist es sehr leicht, Kleingeschäfte unbelastet zu lassen. Es muss gestattet sein zu hinterfragen, werden unsere Politiker für diese Gefälligkeiten bestochen - es würde sich ja tatsächlich lohnen?

  • @thorben
    Das sehe ich ebenso. Aber jetzt einmal ehrlich. Gibt es überhaupt einen Politiker, dem man unterstellen kann, dass er Ahnung habe?

    Das Thema Transaktionssteuer wird doch ausschließlich als politisches Spielchen gesehen. So respektlos mit dem Volk umzugehen, das gehört sich nicht.

  • Markus Söder: Wir brauchen Sie dringend. Das ist für mich eigentlich der erste Einstieg, den Finanzmarkt an den Kosten der Finanzkrise zu beteiligen.

    Der Finanzmarkt würde sich da garnicht dran beteiligen, sondern es auf den Kunden durchrechnen, an den Steuerzahler. Das Argument ist also Unsinn.

    Außerdem ist die Symbolwirkung nicht zu unterschätzen. Sollte sie scheitern, wäre das auch eine Kapitulation der Politik gegenüber den Finanzmärkten.

    Welche Symbolwirkung? Dass man so tun kann, als ob man sozusagen die Finanzmärkte an Banden legt, wobei auch diese Kosten beim Steuerzahler landen? Es ist dumm, so etwas zu sagen, weil die Wahrheit kommt doch an's Licht und langsam erreicht man eine Grenze, wo man sich so etwas nicht mahr anhören will.

  • der Fehler mit dem Transaktionssteuer hat viele Länder schon gemacht. Haben diese Politiker überhaupt keine Ahnung von Geschichte und Finanzierung. Deutsche Bank kann ohne Deutschland leben. Kann Deutschland auch?

  • Richtig, nur die Deutschen sollen und haben zu zahlen, sowie für alle Schulden auf zu kommen. Dies ist leider das Ziel aller deutschen Politiker!!

  • Söder - typisches Beispiel für Politiker, die uns über das Wesen der Demokratie die Augen öffnen.
    Eine große Volkswirtschaft muß also Dummheiten zuerst einführen. Was für ein bestechendes und überzeugendes Argument. Lob an das Handelsblatt für derart hochqualitative Interviewbeiträge!

  • Der Herr Söder, gelernter Journalist spielt heute Finanzminsiter.
    Wäre das alles nicht so ernst, könnte man pausenlos über unsere Politiker lache

  • nichts gegen Hochfrequenzhandel, dieser ist nicht die Ursache für Fehlentwicklungen auf den Finanzmärkten.

    Aber Interbankenhandel, Derivate auf Derivate, Abitragegeschäfte die GEGEN eigene Kunden abgeschlossen werden gehören verboten.

    Wieso der Staat im Promille-Bereich mitverdienen möchte anstatt volkswirtschaftlich schädliche Geschäfte zu verbieten bleibt das Rätsel der Politiker.

    Mit dem SÖDERSCHEN Argument (und er ist nicht der einzige Politiker, SPD, Grüne, Linke denken genauso) kann man auch Drogen freigeben indem man sie besteuert. Vielleicht erkennt er nun seine etwas "schräge" Position.

    Politiker sollten endlich Berater einsetzen, die ihnen ökonomische Zusammenhänge erklären können.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%