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Martin Litsch Digitale Patientenakte – „Ein Zurück ohne Gesichtsverlust gibt es nicht“

AOK-Chef Martin Litsch glaubt, dass die Einigung von Kassen und Ärzten auf ein technisches Konzept für die digitale Patientenakte Bestand haben wird.
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Der Vorstandsvorsitzende der AOK ist von dem Konzept der digitalen Patientenakte überzeugt. Quelle: AOK
Martin Litsch

Der Vorstandsvorsitzende der AOK ist von dem Konzept der digitalen Patientenakte überzeugt.

(Foto: AOK)

BerlinMartin Litsch ist seit 2016 Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), bei denen über ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland versichert ist. Zuvor war der 61-Jährige Chef der AOK Nordwest.

Herr Litsch, Krankenkassen und Ärzte haben sich bei der Digitalisierung im Gesundheitssystem zusammengerauft. Ist der Weg frei für die digitale Patientenakte?
Wir sind auf jeden Fall einen riesigen Schritt weitergekommen. Wir brauchen eine gemeinsame technische Plattform, auf der wir als Kassen unseren Versicherten eine Patientenakte anbieten können. Nur so können die Daten wirksam vernetzt werden. Auf der Kassenseite sind wir uns bewusst, dass wir diesen Weg nur erfolgreich gehen können, wenn wir bei der technischen Architektur zusammenarbeiten.

Die genauen Standards müssen aber noch ausgearbeitet werden ...
Das stimmt, die Spezifikationen kommen noch. Dazu haben wir eine Aufgabenteilung vereinbart. Aber das Gesamtkonzept steht. Im Kern werden wir eine Patientenakte haben, die auf dem Berechtigungsprinzip beruht. Das heißt: Der Patient erlaubt dem Arzt, sich die für ihn relevanten Daten aus der digitalen Patientenakte zu ziehen. Damit verhindern wir, dass der Arzt mit Informationen zugeschüttet wird, die er nicht braucht. Außerdem haben wir uns für eine zentrale Speicherung der Daten entschieden. Die Informationen werden auf einen oder mehrere gesicherte Server außerhalb der Praxissoftware übertragen. So wird ausgeschlossen, dass direkt auf den Arztcomputer zugegriffen wird.

Diesen Zugriff hatte die Ärzteschaft bei dem Aktenmodell der AOK kritisiert.
Das war ein Missverständnis. Auch wir wollten nie, dass direkt auf den Arztcomputer zugegriffen wird. Richtig ist: Auch im AOK-Modell erfolgt die Datenübermittlung an die zentrale Speicherumgebung der elektronischen Patientenakten. Die Modelle der Techniker Krankenkasse und von Vivy, hinter dem eine Reihe anderer Kassen steht, müssen mit Blick auf das Berechtigungsprinzip angepasst werden.

Dennoch: Können Kassen, die vorgeprescht sind, mit ihren Modellen überhaupt weiterarbeiten?
Für die AOK kann ich sagen, dass die nötigen Änderungen im Rahmen unseres Konzepts möglich sind. Wir müssen nicht von vorn anfangen. Das Ministerium muss den Kassen aber eine Übergangszeit ermöglichen, um unsere Angebote anzupassen.

Im Dezember sollen die Standards auf dem Tisch liegen. Der Fahrplan für die Digitalakte steht also?
Ein Zurück ohne Gesichtsverlust gibt es nicht. Das gilt auch für die Ärzte. Die Skepsis bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist nicht vollständig verschwunden, aber sie trägt das Konzept mit. Nun erwarte ich, dass sie ihre Aufgabe sachlich erfüllt und die Formate definiert, in denen medizinische Daten gespeichert werden. Das ist keine politische Frage, die mit Forderungen nach besserer Vergütung verbunden werden darf.

Herr Litsch, vielen Dank für das Interview!

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