Martin Walser zum AfD-Aufstieg „Zum Glück haben wir Angela Merkel“

Für den Schriftsteller Martin Walser ist die AfD eine Partei, die nur auf Ressentiments setzt. Merkel hält er für die „ideale“ Politikerin in dieser Situation. Auch andere Prominente gehen hart mit der AfD ins Gericht.
Update: 05.01.2017 - 12:32 Uhr 26 Kommentare
„Diese Partei hat keine politische Substanz.“ Quelle: dpa
Martin Walser.

„Diese Partei hat keine politische Substanz.“

(Foto: dpa)

BerlinDer Schriftsteller Martin Walser ist überzeugt, dass sich die AfD nicht dauerhaft in der politischen Landschaft in Deutschland etablieren wird. „Soweit ich Kenntnis habe, hat diese Partei keine politische Substanz, sie bewirtschaftet nur ein Ressentiment, nur etwas, was noch nicht bewältigt ist. Das genügt nicht, um Bestand zu haben“, sagte Walser im Interview mit der „Bild“-Zeitung.

Es sei daher „gar nicht nötig“, sie zu zähmen, „die AfD wird von selbst verschwinden“, ist der 89-Jährige überzeugt. Gleichwohl plädiert Walser dafür, den Ursachen für den AfD-Aufstieg auf den Grund zu gehen. „Ich bin kein Arzt der Nation, aber unter gewissen Umständen kommt etwas heraus, was wir noch nicht bewältigt haben“, sagte er. „Und da ist ein Bedarf an Aufklärung, damit die AfD vergessen werden kann.“

Walser glaubt, einen Grund zu kennen. „Solche Menschen werden mobilisiert, wenn die Gesamtgesellschaft sich in einer in sich kranken Bewegung befindet, und das sind wir ja durch die Flüchtlinge“, sagte er. „Aber zum Glück haben wir Angela Merkel“, fügte er hinzu, „sie ist die ideale Politikerin für diese Situation.“

Der Sprecher der Bundes-AfD, Christian Lüth, wies den Schriftsteller in die Schranken. "Herr , die Zeiten, wo Sie die Zeichen der Zeit erkannt haben, sind längst vorbei. Bleiben Sie lieber bei Ihren Leisten", schrieb Lüth auf Twitter.

Walser ist nicht der einzige Prominente, der sich in diesen Tagen kritisch mit der AfD auseinandersetzt. Zum Jahreswechsel forderte etwa der Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Bayern, Uli Hoeneß, alles zu tun, „um diese Leute zu entlarven“. Im Interview mit der „tz“ bezeichnete er die AfD als eine Partei, die so tue, als würde sie den Finger in die Wunde legen. „Aus meiner Sicht haben sie bis heute allerdings noch keine einzige Alternative aufgezeigt“, sagte er. „Für mich zählen ihre Politiker auch nur zu den Besserwissern, nicht den Bessermachern.“

Hoeneß appellierte an die „richtigen Politiker“, sich mit den Sorgen und Nöten der Bürger „intensiver“ zu beschäftigen. „Sie müssen wissen, was die Menschen bewegt. Und die Ursachen dafür sind einfacher zu untersuchen, wenn man sie denn kennt.“ In diesem Zusammenhang sprach er von der Bundestagswahl als einer richtungweisenden Wahl.

„Es kommt sehr darauf an, ob die etablierten Parteien wie die CDU/CSU, die SPD oder auch die Grünen in der Lage sind, die Wähler zurückzuholen, die sie in den vergangenen Landtagswahlen verloren haben“, so Hoeneß. Und er betonte: „Es ist sehr wichtig, dass wir in Europa keine rechten Mehrheiten kriegen.“ Deswegen wünsche er sich, dass die etablierten Parteien die Bürger „vernünftig vertreten“.

„Das ist extrem bedenklich und macht große, große Sorgen“
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26 Kommentare zu "Martin Walser zum AfD-Aufstieg: „Zum Glück haben wir Angela Merkel“"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • @Herr Tomas Maidan05.01.2017, 12:42 Uhr

    Der Unterschied zwischen Trump und Hoeneß ist, Trump wurde nicht zu 3 1/2 Jahren Gefängis verurteilt.
    Die AfD wird Hoeneß deshalb nicht nehmen können.

  • Angela Merkel ist aber Schuld, dass die AfD so stark wurde. Wer Merkel für die „ideale“ Politikerin in dieser Situation hält, kann nicht logisch denken.

    Schriftsteller müssen nicht logisch denken können.

  • Man soll ja nicht schlecht über andere Leute reden, aber die Meinungsabsonderungen eines Herrn Streich, für mich übelste Hetzerei, werden bestimmt um 180° gewendet werden, wenn er bzw. eine evtl. vorhandene Tochter das gleiche Schicksal, wie die Freiburgerin erlitten hätte. Schwätzerei und Wichtigtuerei zum Abgewöhnen.

  • Es fehlen noch Heidi Klum, Käpt'n Blaubär und Christian Wulf, die ihre Meinung zur AfD im Propagandaministerium abliefern müssen!

  • @Herr Tomas Maidan

    Vielleicht sollten Sie mal Ihren Bekanntenkreis erweitern. Ich gehöre nicht zu den von Ihnen Genannten. Allerdings bin ich auch kein AfD-Fan (mehr). Anfangs hat mir die Partei sehr gut gefallen. Herr Sarazin ist m.W. SPD-Mitglied. Er hat sehr viel Vernünftiges gesagt und geschrieben. Wenn er damit Geld verdienen kann, was spricht dagegen. Die Fakten, die er darstellt, werden dadurch ja nicht verkehrt. Es ist schon merkwürdig, das der AfD Intoleranz vorgeworfen wird, während man selber so tolerant ist, eine demokratisch gewählte Partei und ihre Sympathisanten zu beschimpfen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Ach Herr Walser, die AfD kann ggfs., dann wieder "von selbst verschwinden", wenn die Probleme, die die aktuelle Parteienlandschaft in diesem Lande angerichtet hat, wieder behoben sind. Da das von der derzeitigen Parteienlandschaft leider in keinster Weise zu erwarten ist - ganz im Gegenteil, man wird das wohl noch zu potenzieren wissen- ist an ein kurzfristiges Verschwinden der AfD nicht zu denken, ganz im Gegenteil, wenn der importierte Terror erst so richtig um sich greift, werden sich die Menschen dieser Partei mit mehr Realismus vermehrt zuwenden.
    Bei der aktuellen Gemengelage ist der Bestand der AfD quasi politisch garantiert.

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  • Die Rest-"Lebensaufgabe" des Herrn Neuerer scheint darin zu bestehen, überall nach Leuten Ausschau zu halten, deren Aussagen er dann zu einem Anti-AfD-Artikel "verwursten" kann.

    Der gute Herr Walser sagt aus: " „Soweit ich Kenntnis habe, hat diese Partei keine politische Substanz, sie bewirtschaftet nur ein Ressentiment, nur etwas, was noch nicht bewältigt ist. Das genügt nicht, um Bestand zu haben"

    Man hätte mal näher auf vorhandenen (?) die "Kenntnisse" des Herrn Walser eingehen können. Ich von meiner Seite gehe davon aus, dass KEINE "Kenntnisse" vorhanden sind, und man eben einfach als intellektueller Schriftsteller (Elite) weiter auf der helldeutschen Seite stehen will.
    Mich würde auch mal interessieren was "noch nicht bewältigt" ist.
    Spielt er damit darauf an, dass es noch Leute gibt, denen der Selbsterhaltungstrieb noch nicht abhanden gekommen ist, die keine Lust haben, sich immer weiter für dumm verkaufen zu lassen, die in der Lage sind, auch ohne "betreutes Denken" für sich selbst sinnvolle Entscheidungen zu treffen?
    Oder plagt Ihn das schlechte Gewissen, weil er selbst (siehe Wikipedia) noch am 30. Januar 1944 in die NSDAP eingetreten ist?
    Es ist eigentlich unverzeihlich, dass der Herr Neuerer überhaupt mit so einer Person "einlässt"

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