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Masterplan 2030 Wie Deutschland seine Ressourcen im Gesundheitsbereich sinnvoll einsetzen kann

Eine Studie des Handelsblatt Research Institute zeigt den Reformbedarf im deutschen Gesundheitswesen auf und die Konkurrenz zu neuen Wettbewerbern.
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BerlinDas deutsche Gesundheitssystem ist eines der teuersten der Welt. Auch wenn es in kaum einem anderen Land einen so breiten und guten Zugang zu medizinischer Versorgung gibt – die Ressourcen werden nicht immer sinnvoll eingesetzt. Vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft und des medizinisch-technischen Fortschritts könnten Ineffizienzen und Fehlanreize im Gesundheitswesen zum Problem werden.

„Das derzeitige System ist nicht vorbereitet auf die Herausforderungen der Zukunft“, konstatiert Bert Rürup, Leiter des Handelsblatt Research Institute (HRI). Das HRI hat analysiert, wie das Gesundheitssystem für das kommende Jahrzehnt fit gemacht werden kann.

Die Studie ist Teil des Masterplans 2030, mit dem Rürup und sein Team den Reformbedarf in einer Reihe von Handlungsfeldern aufzeigen, die von der Bundesregierung in der vergangenen Dekade vernachlässigt wurden. Insbesondere der demografische Wandel wird nach Ansicht der Studienautoren die Politik zwingen, Wirtschaftlichkeitsreserven zu heben.

Krankenhäuser mit ungenutztem Potenzial

So steigen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen pro Kopf tendenziell mit dem Alter ihrer Mitglieder. Gleichzeitig dürfte die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zurückgehen, was wiederum Folgen für das Beitragsaufkommen hat. Die Alterung der Gesellschaft droht außerdem den Fachkräftemangel zu verschärfen, der schon heute in vielen Gesundheitsberufen spürbar ist.

Große Wirtschaftlichkeitsreserven sieht das HRI im Krankenhaussektor. „Wir haben ein sehr dichtes, wenig spezialisiertes Netz von Krankenhäusern“, sagte HRI-Ökonom Jan Kleibrink bei der Vorstellung des Masterplans Gesundheit. Das mache den deutschen Krankenhaussektor insgesamt teuer und ineffizient. Mehr denn je stelle sich die Frage nach Klinikschließungen – die sich politisch aber schwer durchsetzen lassen.

Auch Kai Hankeln, Vorstandsvorsitzender der Asklepios Kliniken, machte bei der Präsentation der Studie in Berlin deutlich: „Wir haben zu viele Krankenhäuser.“ Hankeln beklagte zudem, dass die Bundesländer ihrer Verantwortung bei den Krankenhausinvestitionen nicht nachkämen. „Da klafft eine Lücke von drei bis vier Milliarden Euro.“ Die Asklepios Gruppe hat den Masterplan Gesundheit als Paten-Unternehmen begleitet.

Handlungsbedarf sehen die Studienautoren auch bei der Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung. Damit könnten die Patientenströme besser gesteuert werden. Eine Integration der Sektoren müsste mit einer Reform der Vergütungsstruktur einhergehen, die bisher für Kliniken und niedergelassene Medizinern unterschiedlich sind. Denkbar sei ein Neustart mit einer Capitation-Finanzierung, bei der für jeden Patienten im Gesamtsystem eine risikoabhängige Pauschale gezahlt würde.

Das Einreißen der Mauern zwischen Krankenhäusern und Arztpraxen ist der HRI-Studie zufolge auch mit Blick auf die Bevölkerungsverschiebungen innerhalb Deutschlands wichtig. In ländlichen Regionen mit schwindender Bevölkerung „kommen wir an einer Verzahnung von ambulantem und stationärem Sektor nicht vorbei“, sagte Kleibrink. Außerdem müssten dort Angebote wie die Telemedizin ausgebaut werden.

Neue Konkurrenz durch Digitalkonzerne

Viel Potenzial bietet nach Ansicht der Studienautoren die Digitalisierung. Die Vernetzung der Patientendaten könne die wirtschaftliche Effizienz des Gesundheitssystems steigern und die Versorgung verbessern. Fritz von Weizsäcker, Chefarzt der Schlosspark-Klinik Berlin, mahnte das deutsche Gesundheitswesen zu einem ambitionierten Ansatz bei der Digitalisierung.

Denn mit US-Technologiekonzernen wie Apple oder Google entstehe eine neue Konkurrenz auf dem Gesundheitsmarkt. „Die warten nicht, bis sich ein Krankenhaus für ihre Lösungen entscheidet, sondern die bauen dann ein eigenes Krankenhaus“, sagte von Weizsäcker bei der Vorstellung der HRI-Studie.

Mehr: Das medizinische Versorgungssystem in Deutschland ist nicht auf die bekannten demografischen und technologischen Herausforderungen vorbereitet. Das muss sich ändern.

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