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Mehrkosten Strom ist in Deutschland so teuer wie nie – das sind die Gründe

Private Haushalte müssen bei der Stromrechnung tiefer in die Tasche greifen. Die durchschnittliche Kilowattstunde liegt derzeit auf einem Rekordhoch.
Update: 01.04.2019 - 10:00 Uhr 4 Kommentare
Energie: Strompreis in Deutschland auf Rekordniveau Quelle: dpa
Strompreis

Im März sei der durchschnittliche Strompreis den siebten Monat in Folge gestiegen, so das Vergleichsportal Check24.

(Foto: dpa)

DüsseldorfNoch nie war Strom für Privathaushalte so teuer wie jetzt. Im bundesweiten Durchschnitt kostet eine Kilowattstunde Strom laut dem Vergleichsportal Verivox aktuell 29,42 Cent. Auch Check24 berichtete von einem Rekord beim durchschnittlichen Strompreis, der im März den siebten Monat in Folge gestiegen sei.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben laut Verivox etwa zwei Drittel der 826 Grundversorger in Deutschland die Preise erhöht – und zwar um durchschnittlich rund fünf Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden sind das Mehrkosten von rund 60 Euro im Jahr.

Für April und Mai hätten weitere 62 Grundversorger Preiserhöhungen angekündigt. Ein Ende der Preisrunde ist vorerst wohl nicht in Sicht. Experten gehen bei der Grundversorgung zunächst von weiter steigenden Strompreisen aus.

Das sind die Gründe: 

  1. An erster Stelle nennen die Energieversorger derzeit gerne ihre gestiegenen Beschaffungskosten an der Strombörse. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur lag der Großhandelspreis für Strom im Durchschnitt des vergangenen Jahres rund 30 Prozent über dem Durchschnittspreis für 2017. Auslöser waren die sprunghaft angestiegenen Preise für CO2-Zertifikate, mit denen konventionelle Energiekonzerne ihren umweltschädlichen Kohlenstoffdioxidausstoß durch Kohle und Gas kompensieren müssen. 

    Schon seit Dezember geht es aber wieder abwärts mit dem Großhandelspreis, da seitdem auch die Kosten für Kohle und Gas nachgeben. So ist die Nachfrage nach Steinkohle auf dem Weltmarkt derzeit deutlich geringer als noch vor drei Jahren erwartet. Auch die wegen des warmen Winters gut gefüllten Gasspeicher wirkten preisdämpfend.


  1. Stromexperte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sieht deswegen keine „energiewirtschaftliche Begründung“, die Preise gerade jetzt zu erhöhen. Stattdessen vermutet er eine altbekannte Strategie hinter dem Timing der Stromkonzerne: „Energieversorger, die jetzt erhöhen, haben sich Ende November noch hingestellt und gesagt, dass ihre Preise gleichbleiben. So hofft man die im Januar stets hohe Wechselquote der Verbraucher zu verringern. Hier gehen den Stromkonzernen regelmäßig bis zu drei Prozent ihrer Kunden verloren.“

  2. Die Beschaffungskosten machen nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) aber nur etwa 21 Prozent des Endpreises aus. Mit einem Anteil von über der Hälfte am Gesamtpreis haben Steuern, Abgaben und Umlagen das viel größere Gewicht – auf sie kommen fast 16 Cent pro Kilowattstunde.

    In diesen Bereich fällt auch die Umlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die ebenfalls gerne als Ausrede für Preiserhöhungen genannt wird. Im Vergleich zum Vorjahr ist die EEG-Umlage aber in diesem Jahr zum ersten Mal seit 2016 wieder gesunken, von 6,7 Cent, auf 6,4 Cent. „Die EEG-Umlage ist zwar gesunken, aber dafür ist die Offshore-Zulage etwa in gleichem Umfang gestiegen, so dass die Steuern, Abgaben und Umlagen in etwa gleich geblieben sind“, erklärt Sieverding. Gestiegen ist allerdings die Mehrwertsteuer für Strom, und zwar von 4,7 Cent auf 4,8 Cent pro Kilowattstunde.

  3. Der zweitgrößte Teil der Haushaltsstrompreise kommt durch die Netzentgelte zustande. Sie machen fast 25 Prozent des Gesamtpreises aus und sind eine Art Gebühr, die jeder Energielieferant, der Strom oder Gas durch das Versorgungsnetz leitet, an den Netzbetreiber zahlen muss.


  1. In diesem Jahr sind sie laut BDEW im Schnitt 1,4 Prozent (0,15 ct/kWh) gestiegen. In den nächsten Jahren rechnen Experten allerdings mit einer deutlicheren Steigerung der Netzentgelte. Das liegt vor allem daran, dass stark in den Ausbau der Stromleitungen investiert wird. Die Kosten der Energiewende verlagern sich also zunehmend.

    Die EEG-Umlage wird bald deutlich sinken, weil alte und damit sehr teure Ökostromanlagen in den 2020er-Jahren nach und nach aus der Förderung fallen. Dadurch wird das Netz der neue Kostentreiber. Auch weil Reservekraftwerke mit fossilen Brennstoffen, die bei Flaute und Dunkelheit für die Erneuerbaren einspringen müssen, über die Netzentgelte abgerechnet werden.

    An dieser Stelle könnte es aber eine Entlastung der Haushalte bei weiter steigenden Strompreisen geben. Die Kohlekommission hat vorgeschlagen, dass der Bund ab dem Jahr 2023 Privatleuten und Unternehmen einen Zuschuss zu den Netzentgelten zahlen soll.

Eine wirkliche Aussicht auf niedrigere Stromkosten für deutsche Haushalte wird es also erst einmal nicht geben – trotz Entlastungen.

Mit Material von dpa

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4 Kommentare zu "Mehrkosten: Strom ist in Deutschland so teuer wie nie – das sind die Gründe"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr J.-Fr. Pella:
    absolut richtig - die hohen Strompreise bedeuten eine regelrechte Steuererhöhung versteckt hinter den Strompreisen.
    Zudem wird bei der Biogasproduktion (30Cent/kWh) ein extrem hoher Preis bezahlt und die Umwelt wegen Genmais mit Glyphosat und Dünger verseucht - von den Grünen Ideologen ausgedacht.

  • Die Strompreise waren und sind extrem hoch, weil die Politiker dies so wollen, und der
    deutsche Staat unendlich viel m i t v e r d i e n t !!!!!!!
    Solange sich jeder als Umweltaktivist bezeichnen darf und (unsinnige + teure) Vorschriften durchsetzt, der unmündige Wähler aber alles bezahlt, ohne Widerstand zu leisten,
    sind willkürliche Preiserhöhungen auch weiter zu erwarten.
    Aber bald sind ja Wahlen!.............

  • Wen betiteln Sie mit "Wirtschaftswunder-Ruheständler" ? Welchen Beitrag im persönlichen Umfeld leisten denn die jugendlichen Klimademonstranten. Sicherlich ist es wichtig, bei den Politikern den Finger in die schön geredeten Probleme zu legen.
    Wie kommt es denn zu dem allgemeinen Dreck in der Umwelt: sind das nur die Wirtschaftswunder-Ruheständler? Ich beobachte jedenfalls regelmäßig an der Tanke in der Nähe von Schulen, wenn dann in der großen Pause der Kaffee to go und ähnliches gekauft wird, oder beim Aldi die Getränkebüchse erworben wird. Ob das alles ordnungsgemäß entsorgt wird, sein dahin gestellt. Umwelt beginnt immer vor der eigenen Haustür. Soll natürlich nicht bedeuten, dass alle jugendlichen Demonstranten dass so tun.

  • „Das liegt auch an dem nach wie vor hohen Preisniveau der CO2-Zertifikate von über 20 Euro je Tonne“ - verglichen mit den externalisierten Umweltkosten nach wie vor ein Witz. Die Industrie sollte sich schon einmal auf höhere Preise einstellen, wenn der politische Druck auf einen finanziellen Ausgleich von statistisch ermittelbaren Folgekosten steigen wird und die jugendlichen Klimademonstranten nicht mehr diskreditiert werden, sondern als Wählergruppe virulent werden und die Wirtschaftswunder-Ruheständler hinweggerafft wurden. Vermutlich aber wird man dann wieder große Augen machen wie bei der überraschenden Verabschiedung vom Verbrennungsmotor oder der Pferdekutsche. Das individualistische vermeintliche Recht auf Energieverschleuderung ist einer der hässlichsten Mythen der industrialisierten Gesellschaft.