Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Meinungsforscher Warum konservative Wähler überlegen könnten, Grün zu wählen

Die Grünen können in Umfragen derzeit punkten. Im Interview liefert Politikforscher Torsten Schneider-Haase eine Erklärung für den Höhenflug der Partei
  • Markus Reiferscheid
13.08.2018 - 14:38 Uhr 2 Kommentare
Robert Habeck und Annalena Baerbock sind für einen großen Teil des Erfolges der Partei verantwortlich. Quelle: dpa
Zugpferde der Grünen

Robert Habeck und Annalena Baerbock sind für einen großen Teil des Erfolges der Partei verantwortlich.

(Foto: dpa)

Die Grünen erreichen laut einer aktuellen Umfrage ein Fünf-Jahres-Hoch in der Wählergunst, ihr Abstand zur SPD ist so gering wie noch nie. Den Politikexperten Torsten Schneider-Haase wundert dieser Erfolg nicht. Der Politikforscher erstellt Umfragen beim Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid und beschäftigt sich schon lange mit der Parteienlandschaft in Deutschland. Im Interview erklärt er, warum die Grünen gerade so erfolgreich sind.

Herr Schneider-Haase, fast 30 Prozent der Bevölkerung hätten laut Umfragen kurz nach der Kernschmelze in Fukushima die Grünen gewählt. Jetzt hatten wir in Deutschland eine Hitzeperiode und die Umfragewerte der Grünen sind erneut gestiegen. Inwiefern profitiert die Partei von Umweltphänomenen?
Warum Menschen welche Partei wählen, ist nicht genau zu bestimmen. Viele Bürger entscheiden nicht nur rational, sondern auch emotional, weshalb es schwierig ist, einen einzigen Faktor für den derzeitigen Erfolg der Grünen verantwortlich zu machen. Allerdings gewinnt das Thema Umwelt an Gewicht und hier gelten die Grünen als kompetent. Davon profitiert die Partei zwar, aber das heißt nicht, dass der aktuelle Erfolg mit der Hitzeperiode zusammenhängen muss.

Der Leiter der Politikforschung bei Kantar Emnid erklärt den Erfolg der Grünen.
Torsten Schneider-Haase

Der Leiter der Politikforschung bei Kantar Emnid erklärt den Erfolg der Grünen.

Wovon profitieren die Grünen dann?
Ich würde sagen, dass es vor allem die Personalien sind, mit denen die Grünen viele Wähler an sich binden können. Robert Habeck und Winfried Kretschmann sind charismatisch und stehen parteiübergreifend gut da.

Auch Christian Lindner würden viele Menschen als charismatisch bezeichnen. Trotzdem stagnieren die Umfragewerte der FDP.
Das stimmt. Allerdings fehlt Christian Lindner mit seiner Partei ein Alleinstellungsmerkmal. Die Grünen fordern zum Beispiel als einzige Partei eine wohlwollende Flüchtlingspolitik. Die Positionen der FDP decken sich dagegen, wie bei anderen Themen auch, zum Teil mit der Union. Die Grünen belegen mit beliebten Personen gewisse Nischen, in denen sie glaubwürdig sind.

Robert Habeck, Annalena Baerbock und Winfried Kretschmann sind zwar beliebt, gehören aber dem Realo-Flügel an. Führen diese Personalien nicht eher dazu, dass sich linke Wähler abwenden?
Das ist natürlich nicht auszuschließen, aber dann stellt sich die Frage: Woher bekommt man mehr Stimmen? Die meisten Wähler finden sich in der politischen Mitte. Gerade in Koalitionen mit der CDU auf Landesebene haben die Grünen gezeigt, dass sie eine bürgerliche Politik mittragen können. Auch in der Stammwählerschaft dürfte das Anklang gefunden haben, denn viele Wähler unterstützen die Grünen bereits seit den 80er Jahren. Diejenigen, die die Grünen seit ihrer Jugend gewählt haben, sind inzwischen älter und tendenziell konservativer geworden. Ich glaube, dass die Realo-Spitze die Partei stärkt.

In der aktuellen Wahlumfrage von Emnid würden 15 Prozent der Wähler die Grünen wählen. Wieviel Potenzial haben die Grünen noch?
Das ist schwierig zu schätzen. Kurz nach der Fukushima-Katastrophe konnten die Grünen bei unserer Sonntagsfrage rund ein Viertel der Wähler für sich gewinnen. Aktuell können sich über ein Drittel der Wahlberechtigten vorstellen, die Grünen zu wählen. Allerdings sagt diese Zahl nicht viel aus, denn vorstellen kann man sich viel. Wenn man die maximalen Wählerpotenziale aller Parteien zusammenrechnen würde, hätte man eine Gesamtsumme von über 200 Prozent. Viele potenzielle Grünen-Wähler geben ihre Stimme also lieber einer anderen Partei, von der sie sich derzeit besser vertreten fühlen.

Ist der jetzige Erfolg der Grünen nachhaltig oder verpufft er bald wieder?
Das ist wie ein Blick in die Glaskugel. Viel hängt von kurzfristigen Ereignissen ab. Bald steht die Wahl in Bayern an und die SPD profitiert wohl nicht davon, dass die CSU viele christliche und bürgerliche Wähler verprellt hat. Wenn es die Grünen hier schaffen, Wähler zu mobilisieren, könnte sich der Erfolg auch auf Bundesebene auswirken. Allerdings ist der Zeitraum bis zur nächsten Bundestagswahl groß und bis dahin kann noch viel passieren. Man darf den Erfolg der Grünen auch nicht überbewerten, die Partei hat Werte um die 15 und nicht etwa um die 50 Prozent.

Sie sagen, die Grünen könnten in Bayern etwas schaffen, das der SPD nicht gelingt: Wähler zu mobilisieren. Können die Grünen die SPD auf Dauer auch überholen?
Auf jeden Fall, das liegt vor allem an den verschiedenen Themengebieten. Die SPD hat immer vom Spannungsfeld zwischen Arbeit und Kapital profitiert, dieses verschwindet jedoch immer mehr. Zudem hat die SPD in der Regierung auch an Profil verloren. Menschen, die sich eine größere Umverteilungspolitik erhoffen, wandern so zur Linkspartei ab. Bürgerlich orientierte Wähler hingegen wählen dann eher die Union – oder die Grünen. Vor allem konservativere Wähler, die eine wohlwollende Flüchtlingspolitik befürworten, könnten sich überlegen, die Grünen zu wählen.
Herr Schneider-Haase, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Startseite
Mehr zu: Meinungsforscher - Warum konservative Wähler überlegen könnten, Grün zu wählen
2 Kommentare zu "Meinungsforscher: Warum konservative Wähler überlegen könnten, Grün zu wählen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Adon Herst

    Sie haben mit ihren Zitaten die heute noch gültige Denk- und Handlungsweise der Grünen nachvollziehbar dargelegt.

    (...)
    Die Umerziehung muß über die Medien, Schulen und Betriebe erfolgen.
    Das kommt mir verdammt bekannt vor.
    Freiheit des einzelnen ist auch die Meinungsfreiheit und hier darf es keine Einschränkung geben. Beitrag von der Redaktion editiert. Unterstellungen und Verdächtigungen ohne Bezug oder glaubwürdige Argumente, die durch keine Quellen gestützt werden, sind nicht erwünscht.

  • Folgende Original Zitate der GRÜNEN sollte man lesen, bevor man zur Wahlurne geht:

    (...)Beitrag von der Redaktion editiert. Unterstellungen und Verdächtigungen ohne Bezug oder glaubwürdige Argumente, die durch keine Quellen gestützt werden, sind nicht erwünscht.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%