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Merkel beim Digitalgipfel „Die Welt wartet nicht auf Deutschland“

Im Wettkampf mit den Internet-Giganten aus dem Silicon Valley müssen deutsche Unternehmen mehr aus ihren Daten machen. Das fordert Kanzlerin Merkel auf dem Digitalgipfel. Big Data biete große Chancen.
Update: 13.06.2017 - 17:05 Uhr 7 Kommentare
Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert die deutschen Konzerne zur größeren Nutzung ihrer Daten auf. Quelle: dpa
Digitalgipfel

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert die deutschen Konzerne zur größeren Nutzung ihrer Daten auf.

(Foto: dpa)

Ludwigshafen Mehr Tempo bei der digitalen Umgestaltung der Gesellschaft: Mit diesem Vorsatz ist am Dienstag der Digitalgipfel in Ludwigshafen zu Ende gegangen. In den vergangenen Jahren seien Vernetzung und die Einführung neuer Techniken zwar gut vorangekommen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor rund 1.100 Konferenzteilnehmern. Aber „die Welt schläft nicht und wartet auch nicht auf Deutschland“. Deswegen sei der Druck groß.

Merkel informierte sich auf der Konferenz über neue Entwicklungen in der Medizin von morgen - die Digitalisierung im Gesundheitswesen war Schwerpunkt des diesjährigen Gipfels. Wo dieser im nächsten Jahr stattfindet, steht noch nicht fest.

Der Präsident des Hightech-Verbands Bitkom, Thorsten Dirks, bescheinigte der Bundesregierung, in dieser Legislaturperiode einiges für die digitale Agenda getan zu haben. Aber „für die kommende Legislaturperiode brauchen wir dringend ein neues digitales Regierungsprogramm mit noch ambitionierteren Zielen“. Nicht das Nationale, sondern das Digitale müsse an erster Stelle stehen. Bei der Forschung zur Künstlichen Intelligenz (KI) und beim 3D-Druck habe Deutschland eine international führende Stellung. Aber „dass wir in einem viel schnelleren Tempo vorgehen müssen, ist uns allen klar.“

Merkel rief die Unternehmen in Deutschland dazu auf, die Verfügbarkeit von großen Datenmengen für die Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen zu nutzen. Im Gesundheitswesen wie in anderen Bereichen werde es „große neue Wertschöpfungsmöglichkeiten“ geben. Diese müssten vom Mittelstand auch klug genutzt werden. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass Anbieter von großen Plattformen „die Wertschöpfungskette anknabbern“. Zu solchen Anbietern gehören große Internet-Unternehmen in den USA wie Google und Facebook.

Bei der Entwicklung von sogenannten Big-Data-Anwendungen müsse stets der Datenschutz beachtet werden, sagte Merkel. Wenn die neue Datenschutzverordnung der EU im Frühjahr 2018 in Kraft trete, sei es eine „Informationsoffensive“ nötig, „um zu zeigen, welcher neue Rechtsrahmen in Zukunft gelten wird“.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) rief die Unternehmer auf, in der flotten Konjunktur ihre Hausaufgaben in der Digitalisierung nicht zu vernachlässigen. Wenn Unternehmen vor allem damit beschäftigt seien, ihre vollen Auftragsbücher abzuarbeiten, fehle womöglich die Zeit für die Entwicklung von Digitalstrategien. Daher sei der gegenwärtige Erfolg der Wirtschaft auch eine Gefahr, sagte Zypries.

Für eine „neue Kultur der Zusammenarbeit und kluge Vernetzung der Akteure“ warb die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Ein gutes Beispiel dafür sei die länderübergreifende Zusammenarbeit in der Metropolregion Rhein-Neckar, die den Industriestandort Ludwigshafen mit ihren Nachbargebieten in Baden-Württemberg und Hessen verbindet. Bei der Entwicklung von digitalen Anwendungen für das Gesundheitswesen müsse der Datenschutz gewahrt bleiben, mahnte Dreyer. „Datensouveränität der Patienten spielt bei diesem Thema mit Sicherheit eine ganz besondere Rolle.“ Sie sei aber überzeugt, dass am Ende der Gewinn größer sei als die Risiken.

Bei digitalen Neuerungen wie dem autonomen Fahren seien auch ethische Fragen zu klären, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Aber „wir können nicht den Zweiflern, wir können nicht den Bedenkenträgern, der latenten Innovationsfeindlichkeit die Meinungsführerschaft überlassen“.

Merkel räumte ein, dass es noch einen erheblichen Nachholbedarf in der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung gebe: „Hier ist Deutschland nicht an der Spitze.“ Eine Reise nach Estland, Finnland oder Dänemark zeige, dass andere Länder sehr viel weiter seien bei der digitalen Verwaltung.

Die Regierungschefin rief zu verstärkten Anstrengungen auf, die Bildung für die Anforderungen der digitalen Gesellschaft fit zu machen. Dies sei auch eine Aufgabe für die Gleichberechtigung: „So wie Frauen gut schreiben und rechnen können, so können sie auch gut programmieren.“

  • dpa
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7 Kommentare zu "Merkel beim Digitalgipfel: „Die Welt wartet nicht auf Deutschland“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Deutschland hat viele neue Fachkräfte, es kann nichts schief gehen.

  • Eine Kanzlerin die mit ihren Minister von Geheimdiensten abgehört worden ist kann nun erzählen was sie will....

    Es klingt nicht glaubhaft sonder eher wie ein Hohn.
    .

  • Wahrlich kann ich mir das gegenwärtig und in baldiger Zukunft sehr gut vorstellen und nicht nur bei der Digitalisierung im Lande.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Digitalisierung, ja. Aber nicht so blauäugig wie es die Kanzlerin und z.B. ihr Gesundheitsminister Gröhe ("Gesundheitsdaten in die Cloud") wieder mal verkünden!
    Was jeder IT-Nutzer über die Sicherungsmöglichkeiten heutiger IT-Systeme (inkl. Smartphones, moderne Autos, Clouds, "sichere Netze", ...) wissen sollte:
    Gehen Sie davon aus, dass
    - Ihre E-Mails und Ihre Telefonate, ob verschlüsselt oder nicht, von interessierter Seite mitgelesen bzw. mitgehört werden können.
    - Ihre Daten auf ihren Servern (PC, Laptop, Tablet-PC ...) von interessierter Seite abgegriffen werden können, egal ob durch Verschlüsselung und/oder Passwort gesichert oder nicht.
    - Ihre IT-Geräte kompromittiert sind, d.h. Hintertüren für den Zugang von interessierter Seite enthalten.
    - Ihre in sogenannten Clouds (z.B. auch von Smartphone-Apps) bzw. "sicheren Netzen" abgelegten Daten von interessierter Seite abgegriffen werden können.
    - sogenannte IT-Sicherheitsprodukte Zugänge für interessierte Seiten freihalten.
    - die IT-Industrie Sie in - falscher - Sicherheit wägen will.
    - Ihre persönlichen Daten bei Firmen, Behörden, etc. trotz gegenteiliger Beteuerungen, von interessierter Seite abgegriffen werden (Beispiel: bayerische Steuerbehörden - guten Morgen Herr Söder! oder aktueller: Yahoo).
    - die Sicherheitsempfehlungen sogenannter IT-Experten funktional zwar richtig und berechtigt sind, aber aus einer integrierten Gesamtsicht heraus unvollständig und lückenhaft sind.
    - alle Daten, die von in Ihrem Haushalt vernetzten Geräten geliefert werden, von interessierter Seite mitgelesen bzw. manipuliert werden können.
    - alle Daten, die von sog. Baby-Apps, Life-Apps, Fitness-Apps ermittelt und überwacht werden, von interessierter Seite mitgelesen bzw. manipuliert werden können.
    - die Stellen, die sich berichtigter oder unberechtigterweise Zugang zu Ihren Daten verschafft haben, auch Fehler machen (z.B. Ihre Daten nicht sicher aufbewahren, Identitäten vertauschen, etc).
    ...

  • Internet ist Neuland. Aber keine Sorge mit den hochqualifizierten Neubuergern kommt das alles in Ordnung.

  • Typisch Staatsdiener.
    Merkel selbst hat doch null Ahnung von Big Data, geschweige denn, erkennt sie die Gefahren für die Noch-Beschäftigten, die dann großflächig ihre Jobs verlieren werden.
    Was soll ein Taxifahrer oder eine Supermarktangestellte denn machen, wenn sie durch Maschinen und autonome Roboter wegrationalisiert wurden.
    Auzch Journalisten wird man zukünftig nicht mehr benötigen.
    Texte schreiben dann Roboter, die von den Großagenturen mit allen wichtigen Informationen versorgt werden. Journalisten braucht zukünftig ebenfalls keiner mehr, gibt eh schon viel zu viele von denen.
    Soll der/die dann zum IT-Experten umgeschult werden?

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