Merkel-Herausforderer gesucht Was nun, SPD?

Nach Merkels „Ja“ zur erneuten Kanzlerkandidatur stehen die Zeichen für die Bundestagswahl 2017 auf ein „Weiter so“. Die einzige Unsicherheit kommt vom Koalitionspartner. Wer wird für die SPD die Kanzlerin herausfordern?
Update: 21.11.2016 - 13:35 Uhr 34 Kommentare

Wer wird Angela Merkel 2017 herausfordern?

BerlinSie habe unendlich viel nachgedacht, das hat Angela Merkel am Sonntag zu ihrer Kandidatur für eine vierte Amtszeit im Kanzleramt gesagt. Sigmar Gabriel grübelt noch. Tritt er gegen Merkel bei der Bundestagswahl an? In der SPD – eben noch beschwipst vom Steinmeier-Coup ihres Vorsitzenden – weiß es keiner so richtig.

Mal sei Gabriel fest entschlossen – eine Stunde, einen Tag später sei es genau umgekehrt, sagen wichtige Genossen. Er wägt ab, ob es das Beste für die SPD ist, wenn er selbst Merkel herausfordert.

Nun ist klar: Die SPD will erst Ende Januar entscheiden, wer als Kanzlerkandidat gegen Amtsinhaberin und CDU-Chefin Angela Merkel ins Rennen geht. Die K-Frage soll dann abschließend auf einer Vorstandsklausur geklärt werden. Darauf verständigte sich am Montag die SPD-Spitze einstimmig in Berlin, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen erfuhr. Damit bleibt die SPD bei ihrem ursprünglichen Fahrplan. Die Sozialdemokraten wollen sich nicht von der Ankündigung Merkels, die am Sonntag ihre Kandidatur für eine vierte Amtszeit bekanntgegeben hatte, treiben lassen.

CDU-Chefin Merkel hat – für ihre Verhältnisse – ungewohnt offen und menschlich erzählt, wie schwer ihr die Entscheidung gefallen ist: „Kannst du dem Land noch etwas geben? Reicht die Kraft? Bist du neugierig genug?“ Merkel hat Ja gesagt. Auch nach elf Jahren und vielen Anfeindungen seit der Flüchtlingskrise strahlt sie einen unbedingten Machtwillen aus. Gabriels Problem ist: Er ist bei den Bürgern weder so beliebt, noch in der SPD so alternativlos wie Merkel in der Union.

„Eiserne Lady“ ohne Vision
Ausdauer
1 von 7

Merkel schreibt sich selbst „kamelartige Fähigkeiten“ zu: Reserven anlegen, dosiert einsetzen. Krank ist sie selten – wenn doch, erfährt man es in der Regel nicht. Man muss wohl Nerven aus Stahl haben, um Kanzleramt und Parteivorsitz zu meistern. US-Präsident Barack Obama sagt, Merkel sei „hart“, „tough“ und „zäh“.

Geduld
2 von 7

Merkel kann zuhören – und abwarten. Selten reagiert sie im Affekt. Reißt ihr aber die Hutschnur, ist Feierabend. Wie bei der Entscheidung für Sanktionen gegen Russland wegen des Ukraine- Konflikts oder der Entlassung von Norbert Röttgen (rechts) aus ihrem Kabinett.

Ideologiefrei
3 von 7

Merkel zeigt sich erst einmal für alles offen und denkt nicht in Grenzen – auch nicht in denen ihrer Partei. Das führt zu Konflikten mit der Schwesterpartei CSU und auch mit der CDU-Basis.

Uneitel
4 von 7

Anhänger wie Gegner schätzen Merkels Bodenhaftung, ihre unaufgeregte Art. Keine Skandale, keine Eskapaden. Sie ist unprätentiös und gilt als unbestechlich. Geld interessiert sie nicht so sehr. Sie verdiene genug, hat sie einmal gesagt. Auf etwa 300 000 Euro wird das Jahresgehalt geschätzt, das die Regierungschefin für ihre Verantwortung für rund 80 Millionen Menschen bekommt. Ein Bruchteil der Summen von Firmenbossen mit einigen Tausend Beschäftigten. Ihr Lohn sei die Macht, soll Merkel einmal gesagt haben. Die Macht, dass es am Ende so gemacht wird, wie sie es will.

Kein Redetalent
5 von 7

Merkel kann ein Publikum nur selten mitreißen. Öffentlich formuliert sie oft umständlich und wenig pointiert. Im kleinen Kreis ist sie dagegen humorvoll und selbstironisch.

Keine Nachwuchsförderung
6 von 7

Dass die CDU in den vergangenen Jahren nie einen anderen Namen als Merkel für den Parteivorsitz und die nächste Kanzlerkandidatur genannt hat, zeigt auch, wie wenig sich Merkel um die Förderung von Talenten bemüht hat. Konkurrenten hat sie oft kalt gestellt.

Keine Visionen
7 von 7

Kritiker beklagen, Merkel habe keine eigenen Ziele, sondern sammele Ideen anderer und suche dann die Mehrheitsmeinung. In der Flüchtlingskrise bewies sie exakt das Gegenteil.

Das bekommt er am Wochenende von der „Bild am Sonntag“ noch einmal Schwarz auf Weiß zum Frühstück serviert. Bei einer Direktwahl läge Amtsinhaberin Merkel mit 51:21 Prozent gegen ihn vorne. Selbst 54 Prozent der SPD-Anhänger sind für Merkel.

Und da ist ja noch Martin Schulz. Gabriels Kumpel, aber nun auch ein Rivale. Der EU-Parlamentspräsident pokert. Er würde gerne seinen prominenten EU-Posten in Brüssel behalten. Die Zeit des Aussitzens läuft jedoch ab. Blockieren die Konservativen in Brüssel Mitte Dezember endgültig Schulz' Anschlussverwendung? Dann käme er beschädigt ins Amt des deutschen Außenministers, das der schwarz-rote Bellevue-Kandidat Frank-Walter Steinmeier voraussichtlich zum Jahreswechsel freimacht. Es würde wie ein Trostpflaster wirken.

Schulz ist beliebter als der Parteichef. Als Außenminister dürfte Schulz noch populärer werden. Das war bei allen Chefdiplomaten so, von Guido Westerwelle einmal abgesehen. Liegt es da nicht nahe, Schulz auch zum Kanzlerkandidaten zu machen? Könnte die SPD machen. Aber was wird dann aus Gabriel? Einfach weitermachen wie bisher als Parteichef, Vizekanzler und Wirtschaftsminister – auf dem Tandemrad hinter Steuermann Schulz? Schwer vorstellbar. Nur als Spitzenkandidat kann Gabriel auf Dauer den Vorsitz behaupten; Andrea Nahles und Olaf Scholz stehen längst bereit.

Merkel ist erneut Kanzlerkandidatin - Wen schickt die SPD ins Rennen?

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34 Kommentare zu "Merkel-Herausforderer gesucht: Was nun, SPD?"

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  • Schulz, ein Buchhändler aus der rheinischen Provinz wäre - wenn er Kanzlerkandidat würde und in dieses Amt gewählt würde, Gott behüte!!! - der erste Kanzler Deutschlands ohne Abitur seit 1945.

    Das muss wirklich nicht sein. Doch daran erkennt man, in welch verheerender Lage der 20-Prozent-Verein namens SPD steckt.

  • Was nun, SPD? Völlig egal, als Angehörige der Einheitspartei brauchen die Herrschaften halt alle vier Jahre jemanden der mitmacht bei der Wahl.

  • "Weiter so" soll doch wohl ein Witz sein angesichts des Asylantragstellerchaos, Terrorgefahren, Millaidenbetrug der Konzerne, unbegrenzte Leiharbeit , Altersarmut Rentenchaos, Mobbing und burnout auf dem Arbeitsmarkt, Ghettobildungen in den Ballungszentren, Parallelgesellschaften und Rechtsfreie Räume z.B in Berlin, Dortmund Hamburg ,katastrophal arbeitenden STaats und Regierungsbeamten und Minister-( Innen), Millardenverschuldung, Schlamperei bei Agentur für Arbeit, Kommunen Landesregierung, Einschränkung der Meinungsfreiheit in den Konzernen, Steuergeldvernichtung für Griechenlandpleite, Massenentlassung und Korruption der Konzerne usw usw.

  • Herr Marc Hofmann21.11.2016, 10:30 Uhr
    @Tom Schmidt
    Mann oh Mann...den Schulz mit dem 45. Präsidenten der USA = Trump zu vergleichen zeugt schon von einer geistigen/Naiven Barbie Welt.


    Ja, Herr Hofmann, Barbie mag zwar aus Plastik sein... aber schlägt Ihre Argumentation auch noch... Was wollen Sie eigentlich, Ihre Argumentation ist doch genau wie die von Schulz (Trump ist da gar nicht so wild im Vergleich zu Ihnen). Das Schema ist doch einfach: Wer x macht, ist ganz dumm und böse! Dann brauchen Sie keine Gegenargumente und alles ist aus ihrer Sicht gut. Dasselbe gibt es bei Schulz ständig: auch vor Ressentiments miesester Art macht der nicht halt: die bösen Osteuropäer, komplett unsolidarisch! Warum? Haben Herrn Schulz nicht die Füsse geküsst. Immer wieder dasselbe!

    Wissen Sie, wenn man wirklich wissen will, wie die Leute vor 70 Jahren in diesem Land alle mitgelaufen sind, braucht sich nur ihre Argumentation ansehen. Hier Sie (als Guter), da der Rest...

    Ich würde gerne wissen, ob Sie auch ein Argument haben, dass Schulz und Sie von Trump unterscheidet. Oder spielen Sie lieber mit Barbie als Bildungsprogramm?

  • Nachtrag:
    Da die (in der breiten Masse) obrigkeitshörigen Deutschen ihre Regierungschefin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bis zum eigenen Untergang bejubeln werden (kennt man ja aus der Geschichte), besteht eine realistische Chance, sie vorher loszuwerden, ausschließlich durch externe "Einflüsse".
    Der nächste Imperator (POTUS) hat sich schon klar und deutlich dazu geäußert, was er von der Statthalterin der USA in der BRD hält - und es bleibt zu hoffen, dass er auch künftig keine "diplomatische Zurückhaltung" üben wird:
    „Was passiert in Deutschland? Mir wurde gesagt, Merkel sei eine großartige Kanzlerin. Aber was sie in Deutschland gemacht hat, ist wahnsinnig! Es ist irre!"
    https://www.youtube.com/watch?v=Z9f0d7CMIWE

  • Bei diesem prächtigen Novemberwetter draußen ist die poetische Seite in mir erwacht - und darum, liebe Leser, gebt fein acht, ich hab´ euch etwas mitgebracht: ein wunder-, wunderschönes Gedicht nämlich. Es heißt "Revolution von Oben":

    "Ernst Thälmann, schreite du voran,
    ich lieb´den Sozialismus,
    drum steh ich hier nun meinen Mann,
    weil Revanchismus weg muss.
    Schon lange will das rote Heer
    den Feind eliminieren.
    Ich brauch´ hierfür kein Schießgewehr -
    ich werd´ihn infiltrieren!
    Ich werd´ Chef der BRD,
    - der Klassenfeind wird´s hassen! -
    und folg´dem Plan der SED,
    SIE PLEITEGEH´N ZU LASSEN!

    Der Autor (oder vielmehr die Autorin)?
    Sie raten richtig: die ehemalige FDJ-Funktionärin für Agitation und Propaganda Angela Dorothea Kasner.
    Noch irgendwelche Unklarheiten, weshalb diese Frau weitermacht?? Ja, ihre LEBENSAUFGABE ist eben noch nicht vollendet....

  • wen die "Spezial"-Demokraten letzlich als Kanzlerkandidat "aufstellen" ist zweitrangig.

    Je nach den sich nach der Wahl ergebenden "Optionen" wird man, um an der Macht zu bleiben und Posten zu besetzen (i.d.R. spricht man dann vom "Wählerwillen"), wird man entweder mit Mutti Merkel (und den Grünen, weil es sonst wahrscheinlich nicht "reicht") weitermachen oder wie in Berlin mit den Dunkelroten und den Grünen in die Kiste steigen. Diesbezüglich ist man ja bei allen "Etablierten"-Parteien ohne Prinzipien inzwischen sehr flexibel aufgestellt.

    Beides ist schlecht für unser Land.

    Wichtig wird sein, die Opposition für die Zukunft möglichst stark zu machen.

  • Als " I.M Merkel " wird Merkel nicht aus der Verantwortung der Amerikaner entlassen, zu gut saßen die Amerikaner in jedem Hinterzimmer der EU mit ,über Merkel dann vermutlich ausreichend informiert. Dazu kam die persönliche Überwachung von Merkel. Nicht aus Spaß hat Obama für Merkel eine Wahlempfehlung an die Deutschen abgegeben. Mit Trump kommt nun noch ein Nichtpolitiker an die Macht , der große Augen bekommt, was man über andere Politiker in der Welt weis. Da liegt es auf der Hand , dass Trump das mal öffentlich ausnutzt Daher Merkel und Trump werden beide 4 Jahre Seite an Seite abdienen und Trump muss den Mund halten.

    Deutschland kann gesellschaftlich noch mehr zerstört werden und das kann Merkel nun 4 Jahre fortführen. Die CDU selber ist ohne eine einzige Persönlichkeit zu sehr hat Merkel Qualität ausgesiebt und sich mit jasagern umgeben. Selbst Uschi als VM lässt die BW in der Türkei im Stich statt mit der Faust auf den Tisch zu schlagen. Auch wenn Merkel ständig Demut vor Erdogan fordert.

    Steimeier hat richtig gehandelt in der Türkei nach der Beleidigung an uns Deutschen. Knallhart hat er vergessen.... wen er vertritt. Aber als Grußonkel für paar Monate geht es.

    Also SPD. Kanzler? Ha Ha Ha. Die SPD ist so sozial wie Trump . Nur das Trump ein tick sozialer ist. Mit Gabriel als Kanzlerkandidat oder Schulz ist auch schon das Kanzlermaterial völlig ausgeschöpft.


    Als Wähler habe ich SPD Schmidt gewählt , dann nur noch CDU einmal FDP.


    Aber stünde Sarah Wagenknecht heute als Kanzlerkandidatin auf dem Podest, ich würde sie wählen. So schlimm ist die Situation in Deutschland für mich.

  • und wen stellt die FDP als Kanzlerkandidat? Und wen stellen die grauen Panther als Kanzlerkandidat?

  • Ich war bis 2002 immer SPD Wähler, hatte Gerhard Schröder nacgh reiflicher Überlegung nochmals eine Chance als Bundeskanzler gegeben und ihn gewählt.
    Was dann kam war eine SPD-Reform-Politik vom „Boss der Bosse“, eine Umverteilung des Volksvermögens von unten nach oben > Dank ROT-GRÜN.
    Das Ende der Ära Schröder, dessen Realitätsverlust bei seiner Abwahl, ist allseits bekannt:
    https://www.youtube.com/watch?v=IYs4CjWMkIM

    Ausgegrinst - was danach dann kam sehen wir ja heute am Zustand Europas und Deutschlands.

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