Merkel im Interview „Der Euro erlebt seine erste große Krise“

Die Euro-Krise lässt sie zwar kaum noch zur Besinnung kommen, doch Angela Merkel erkennt darin auch etwas Positives: Sie lege alle Schwachstellen der Gemeinschaftswährung offen, sagt die Kanzlerin im Interview.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) während eines Interviews mit der Deutschen Presse-Agentur in ihrem Büro im Bundeskanzleramt in Berlin. Quelle: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) während eines Interviews mit der Deutschen Presse-Agentur in ihrem Büro im Bundeskanzleramt in Berlin.

(Foto: dpa)

Frau Bundeskanzlerin, Sie haben in den vergangenen Wochen immer wieder gesagt: „Scheitert der Euro, scheitert Europa.“ Ist der europäische Frieden in Gefahr?

Angela Merkel: „Wir alle in Europa sind in einer sehr schwierigen Situation. Der Euro durchlebt seine erste große Krise in den zehn Jahren seines Bestehens. Alle Schwachstellen kommen jetzt schlagartig ans Licht: die langjährige ungebremste Verschuldung, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit einiger Volkswirtschaften, aber auch die Defizite in unseren europäischen Verträgen - diese Schwachstellen müssen wir jetzt beseitigen und dürfen uns dabei nicht allzu viel Zeit lassen, denn der Euro ist weit mehr als eine Währung, er steht für die Einigungsidee Europas.“

Wie groß ist Ihre Sorge um Italien? Könnte Italien ein zweites Griechenland werden? Würden Italiens Chancen zur Konsolidierung steigen in einer Ära nach Ministerpräsident Silvio Berlusconi?

Über ihre Regierungen entscheiden die Länder selbst. Italien muss seine Sparanstrengungen verstärken - und das weiß die italienische Regierung. Sie hat einen Plan vorgelegt, der jetzt umgesetzt werden muss. Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat gesagt, das Problem Italiens sei nicht seine wirtschaftliche Lage, sondern mangelndes Vertrauen. Dieses Vertrauen kann wiederhergestellt werden, wenn Italien seine Pläne glaubwürdig umsetzt. Vertrauen ist in der derzeitigen Situation eine rare Münze, wir brauchen mehr davon. Wir wissen seit Ludwig Erhard: Ökonomie ist zur Hälfte Psychologie.

Reicht das, was Italien sich vorgenommen hat?

Kein Staat kann zur Zeit von sich behaupten, er sei am Ende des Reformweges, wir alle werden immer wieder über Anpassungen nachdenken müssen. Aber für Italien kann man sagen, dass das Land sich bereits viel vorgenommen hat.

Muss die Europäische Zentralbank (EZB) am Ende doch die Notenpresse anwerfen und unbegrenzt Staatsanleihen notleidender Länder kaufen?

Die EZB hat einen klaren Auftrag. Sie ist für die Stabilität des Geldes zuständig, und diesem Auftrag wird sie bisher in hervorragender Weise gerecht. Die EZB hat immer wieder deutlich gemacht, dass wir die Krise nur überwinden können, wenn die Eurostaaten konsequent ihre Hausaufgaben machen, also auf eine nachhaltig solide Haushaltspolitik zusteuern und Strukturreformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum durchführen. Auch von Italien hat die EZB einen solchen Kurs schon im Sommer gefordert.

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17 Kommentare zu "Merkel im Interview: „Der Euro erlebt seine erste große Krise“"

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  • Wikileaks - deusteche Fehleinschätzung zum Euro 2010!!!!

    Nachzulesen bei Welt-online!

    Nur weg von diesen VERRÄTERN!!!!

  • So wie hier beschrieben ist es, Es wird die Zeit kommen wo sich die Verantwortlichen stellen müssen um Rechenschaft für ihre kriminellen Machenschaften abzulegen. Weg mit der EU-Diktatur hin zur Demokratie des Volkes. Niemand hat euch ligitimiert weder den Euro einzuführen noch die EU - Diktatur. Einzige erklärung ist es DE in Beugehaft zu behalten auf grund seiner Geschichte zukünftige Generationen zu versklaven, was anderes ist es nicht.

  • Wie lange glaubt diese Frau Deutschland noch für dumm verkaufen zu können?
    Das ist nur noch unverschämt!

  • .. Der Euro erlebt seine erste grosse Krise... Die zweite Welle und die dritte Woge stehen uns noch bevor, liebe Mutter Beimer. Mit der DM staenden wir "on the strong side of the moon".
    Schlagt nicht so auf die Mami ein, in der Opposition schlummern jede Menge "EU Pfruende Jerichoposaunen".

  • Frau Merkel und Co,
    Ihre Dialektik kann nur Sie verwirren:

    Hören Sie doch mit dieser Ideologie und Delusion auf! In Wahrheit wissen Sie doch ganz genau: Der Euro macht unser grosses Europa kaputt: Der Euro (und die EU) bringen wachsende Zwiespalt, Konflikte und Demokratieabbau. Dekrete ersetzen die legitimierten Parlamente. Kommissare der EUdSSR geben Befehle. Das Volk hat zu arbeiten und kuschen und nichts zu melden und sagen! Erst geht die Freiheit, dann die Rechtsordnung, um den Widerstand und Unmut im Volk zu unterdrücken, und am Ende kommt der offene Konflikt, wenn alle nur noch um das Überleben kämpfen werden!

    Nein, wir brauchen diesen Euro nicht, der uns finanziell kaputt macht, entrechtet, entdemokratisiert und uns direkt in den Molloch eines oligarchen Staatssozialismus führt, in dem nur noch die Hochfinanz und die politischen Lakaien etwas haben und der Rest ausgenutzt wird! Der Euro und die heutige EU führen in die finanzielle, wirtschaftliche, stattliche Katastrophe und werden mit Krieg und Armut enden!

    Zurück mit unserer DM, zurück zu Demokratie, zurück zu einem Europa der unabhängigen und stolzen Nationen.

    Wachen Sie auf! DEM DEUTSCHEN VOLKE, Frau Merkel, steht über dem Deutschen Reichstag - schauen Sie doch einmal aus Ihrem Kanzlerbunker heraus!! Jede grosse Partei, die sich wieder den wahren Interessen Deutschlands verschreibt, insbesondere die die DM wiederbringt, wird sofort die Mehrheit des Deutschen Volkes hinter sich wissen und die CDU wieder zu einer Volks- und nicht einer Interessenpartei machen!

  • Aufgeworfene Frage hier:
    Muss die Europäische Zentralbank (EZB) am Ende doch die Notenpresse anwerfen und unbegrenzt Staatsanleihen notleidender Länder kaufen?
    Antwort Merkel :
    „Die EZB hat einen klaren Auftrag. Sie ist für die Stabilität des Geldes zuständig, und diesem Auftrag wird sie bisher in hervorragender Weise gerecht“

    Nur das Problem ist, weiß die EZB ihren klaren Auftrag schon. Die hier zitierte hervorragende Arbeitsweise der EZB zeigt bisher einen höchst gefährlichen Aufkauf von griechischen und italienischen „bad-Statsanleihen“, d.h. mit anderen Worten, bald gibt es viel Arbeit für die Notenpresse. Vielleicht sollte man rechtzeitig den klaren Auftrag der EZB geben, ihre Befugnisse lieber der Deutschen Bundesbank abzutreten, die dürfte größere Erfahrungen mit diesen Dingen haben ! Mit der gegenwärtigen EZB dürfte bald das Ende des Euro gekommen sein.
    Man könnte zwar entsprechend einem bekannten früheren Ausspruch- die Renten sind sicher – jetzt entsprechend „ Der Euro ist sicher„ verkünden – aber solche Sprüche haben oft sehr kurze Beine – wie die Praxis zeigt.

  • Zitat Merkel „Der Euro erlebt seine erste große Krise“

    Falls die politischen Akteure die Problemlösungen tatsächlich im bisher abgesteckten Rahmen suchen, aber nicht finden können, so liegt der Akzent in Merkels Einschätzung auf „erste“. Die aktuelle italienische Zuspitzung zeigt die Grenzen der bisherigen Lösungsansätze klar auf. Die weitere alleinige Heilssuche mittels Ausweitung der Rettungspakete wird die Situation verschärfen; wird stabile Wirtschaften ebenfalls zerrütten: zuerst moralisch, danach haushälterisch. Die aktuelle Krux zeigt sich in der (scheinbaren) Unvereinbarkeit der Ziele. So muss der Euro erhalten bleiben (z. Bsp. im vitalen deutschen Interesse), ohne schwachen Volkswirtschaften das Anpassungsinstrument der Paritäten zu verwehren. So müssen wir bisherige heilige Kühe wohl schlachten. Historische Betrachtungen könnten neue Wege weisen. Der Euro sollte als alleinige Gemeinschaftswährung erhalten bleiben. Aber unter diesem Mantel sollten Schwachländer zeitweilig eine Bezugs- und Verrechnungseinheit für den Leistungsaustausch im Binnenmarkt legen und damit einen flexibel gestaltbaren Bezugsanspruch auf eine Euromenge schaffen und nutzen. Zwischenstaatliche Verträge und die Konditionierung aller Hilfeleistungen müssen die Entwicklung dieser Bezugs- und Verrechnungseinheit zur Währung s i c h e r ausschließen. Transnationale Hilfen sollten auf die Herstellung des Tauschverhältnisses der Verrechnungseinheit und des Euro im Verhältnis 1 : 1 gerichtet sein. Das Beharren auf dem „Alles-oder-Nichts-Standpunkt“ wird in den Kollaps führen.

  • Vielen Dank für das Interview mit unser größten Schwachstelle ...

  • @Ockhams_Rasiermesser:
    Herr Schäuble, dass Sie hier schreiben, hätte ich nicht erwartet.

  • Der erste Satz ist eine Volksverdummung: "Der EURO ist in seiner größten Krise".

    Solche Verfälschungen und Verdrehungen dürfen nicht unkommentiert stehen bleiben.
    Fakt ist: Fast alle Staaten, auch Deutschland, halten die EURO-Kriterien nicht ein. Während wir mit einem Finger auf andere zeigen, zeigen 3 Finger auf uns zurück.
    Wann endlich begreifen unsere Politiker, das es so nicht geht? Niemals, denke ich mir und glaube Ihnen kein Wort, Frau Merkel.

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