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Merkel-Nachfolge Die CDU und der fehlende Geist von Lothar Späth

Die Unternehmer im Südwesten der Republik hätten gerne Friedrich Merz an der Spitze der CDU gesehen. Die Enttäuschung nach der Wahl sitzt tief.
09.12.2018 - 20:31 Uhr Kommentieren
Der 2016 verstorbene Politiker und Unternehmer war von 1978 bis 1991 Ministerpräsident in Stuttgart. Quelle: dpa
Lothar Späth

Der 2016 verstorbene Politiker und Unternehmer war von 1978 bis 1991 Ministerpräsident in Stuttgart.

(Foto: dpa)

Stuttgart Der Tunnelbauer Martin Herrenknecht hat vor zwei Jahren mit Lothar Späth einen Freund verloren. Der Unternehmer, der mit eigenen Händen einen Weltmarktführer aufgebaut und sich mit seinen Maschinen durch den Granit des Gotthards gefressen hat, ist keiner, der mit dem Begriff Freundschaft inflationär umgeht. Dem Weggefährten hat er einen mit 40.000 Euro dotierten Preis für findige Unternehmer und Forscher gewidmet. Es ist eine Koinzidenz, dass der „Lothar Späth Award“ einen Tag nach der Wahl der neuen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer erstmals im weißen Saal des Neuen Schlosses in Stuttgart vergeben wurde.

„Das Können und das Wollen kannte bei Lothar Späth nur eine Richtung: vorwärts, mit unverbrüchlichem Mut und Tatendrang immer vorwärts, fortschrittlich und der eigenen Zeit voraus, mit klaren Visionen ausgestattet, in den Gebieten Wissenschaft, Wirtschaft und Technologie, in Kunst und Kultur, in der Politik und Gesellschaft“, sagte Herrenknecht vor 500 geladenen Gästen, darunter auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder.

Späth sei ein „Macher und Voranschreiter“ gewesen, betonte der südbadische Unternehmer. Mit jedem Wort über Späth, das er sagte, wurde klarer, was er in der Politik und in der CDU im Besonderen vermisst: mehr Mut, wie Späth ihn hatte. Bei Friedrich Merz glaubte er, ihn etwas wiederentdeckt zu haben. Umso tiefer die Enttäuschung über den Ausgang der Wahlen zum CDU-Parteivorsitz. „Ich werde jetzt meine Partei-Mitgliedschaft ruhen lassen.“ Was die CDU einfach nicht kapiere, es gehe nicht um die Zukunftsperspektiven seiner Generation, sondern um die Perspektiven der jungen Leute in Deutschland und welche Rolle wir als Nation im internationalen Wettbewerb spielen.

Mut sollten auch die ersten Preisträger des „Lothar Späth Awards“ machen: Gewonnen hat die Ineratec GmbH. Ihr ist es gelungen, Raffinerien so zu miniaturisieren, dass sie in einen gewöhnlichen Industriecontainer passen und überall hin transportiert werden können. Zudem können die pfiffigen Kleinanlagen aus umweltschädlichen CO2-Abgasen und aus mit Wasser erzeugtem Wasserstoff synthetische Kohlenwasserstoffe herstellen. Kurzum aus klimaschädlichem Material Treibstoff wie Benzin, Diesel oder Kerosin synthetisch erzeugen.

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    Außerdem ausgezeichnet wurde die Firma Nanopta, die sich bei Nachtfaltern abgeschaut hat, wie man mit Antireflexbeschichtungen optische Materialien deutlich leistungsfähiger machen kann. Der dritte Preis ging an die Firma Active Fiber Systems, die den Ultrakurzpulslaser der nächsten Generation entwickelt hat, der nicht nur die Grundlagenforschung der Licht-Materie-Wechselwirkung erleichtert, sondern auch in der Krebstherapie verwendet werden kann. „Lothar Späth hätten die Preisträger bestimmt Freude bereitet“, sagte der Juryvorsitzende Hans-Jörg Vetter.

    Sicher scheiterte Späth als baden-württembergischer Ministerpräsident 1991 an allzu großer Nähe zur Wirtschaft, aber er stand immer wieder auf, schloss eine Karriere als Talkmaster und als erfolgreicher Manager mit dem Börsengang von Jenoptik im Jahr 1998 an. „Auch in schwierigen Phasen seines Lebens verließ ihn nie die Zuversicht“, erinnerte sich Herrenknecht. Von Optimismus und Vitalität „a la Späth“ ist an diesem Abend im Stuttgarter Schloss wenig zu spüren. „20 Prozent die Grünen, 20 die AFD und 20 wir, es wird grauenhaft“, heißt es an einem der Stehtische. Die SPD fehlt bei der Aufzählung schon ganz.

    Die tiefe Sehnsucht nach „mehr Späth“ ist im Südwesten tief verankert. Denn Späth machte Dinge einfach so nach seinem Motto: „Man kann, was man will.“ Er habe immer zwei Schritte vorausgedacht. Ein filmischer Rückblick zeigt an diesem Abend „Cleverle“ – wie die Schwaben ihren Ministerpräsidenten liebevoll nannten. Auf einer USA-Reise Mitte der 80er Jahre bestellte er einfach in Kalifornien einen Supercomputer, und Baden-Württemberg war mit der unorthodoxen Aktion plötzlich in der IT allen anderen Bundesländern überlegen.

    „Ganz vorne mitspielen. Ein Leuchtturm sein. Das ist keine Frage von groß oder klein, sondern von Haltung und engagiertem Handeln“, sagte Herrenknecht. All das vermisst Herrenknecht derzeit in seiner Partei – und nicht nur er. „Schon wieder eine Frau“, sagte der Kabelunternehmer Andreas Lapp zwar nicht ganz zeitgemäß und politisch korrekt. Dennoch drückte er zumindest das Gefühl vieler Anwesenden aus, die der taktischen, ausgleichenden, aber meist defensiven Art von Angela Merkel überdrüssig sind und fürchten, dass sich mit der neuen CDU-Chefin am Stil nicht viel ändert.

    „More of the same. Es braucht andere Inputs“, monierte der Ex-Celesio-Chef und heutige Berater Fritz Oesterle. Und auch Ex-LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter sagte: „Ich hab mehr als zwei Tränen im Knopfloch.“ Versöhnlicher dann schon Ex-Bahn-Chef Rüdiger Grube: „Sie muss schnell ihren Stil finden. Sie wirkt ehrlich und zuversichtlich. 2005 haben viele auch Angela Merkel unterschätzt.“ Hoffnungsschimmer sieht zumindest EU-Kommissar Günter Oettinger auch im Scheitern von Merz: „Das starke Ergebnis von Merz zeigt, dass die CDU und ihre neue Vorsitzende bei den Themen Wirtschaft, Ordnungspolitik und Investitionen in die Zukunft ihr Profil deutlich schärfen muss.“

    Nicht verborgen blieb auch Ex-Grünen-Politiker Rezzo Schlauch die Befindlichkeit des politischen Gegners. „Der Südwesten hatte den Fokus auf Friedrich Merz“, sagte Schlauch. „Er war vier Jahre mein direkter Gegenspieler als CDU-Fraktionschef, und ich habe ihn als fair erlebt“, erinnert sich Schlauch. Es sei das Problem der Parteien, dass nur noch glattgeschliffene Charaktere an die Spitze kämen.

    Gerhard Schröder, Altbundeskanzler und Jurymitglied, endete seine Rede mit einer Spitze: „Was hätte wohl Lothar Späth über die Ergebnisse des CDU-Parteitages gedacht?“ EU-Kommissar Günter Oettinger konnte sich in seiner anschließenden Rede eine Replik nicht verkneifen. „Und was hätte Helmut Schmidt über den heutigen Zustand der SPD gedacht?“ Es waren nur kleine politische Nickeligkeiten, aber Applaus und Lacher im Publikum verrieten, woran es in der Politik mangelt: Mehr Diskurs und Kreativität bei der Lösung der wirklich wichtigen Fragen für die Zukunft dieses Landes.

    Die Unternehmer im Südwesten fordern seit Jahren massive Investitionen in die Infrastruktur, Bildung und Hochtechnologie. Die Erhöhung des Kindergelds ist es jedenfalls nicht – zumindest aus der Sicht der Unternehmer an diesem Abend. Und was sagt die aktuelle Situation über ein Land aus, in dem weit und breit kein neuer Späth in Sicht ist – weder männlich noch weiblich?

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