Merkel und die Wirtschaft Zerrüttete Verhältnisse

Schwarz-gelb war ihre Wunschkoalition, doch Merkel hat sie bitter enttäuscht: Die Spitzen der deutschen Wirtschaft sind schlecht auf die Kanzlerin zu sprechen. Brüderles Protokollaffäre ist nur ein weiterer Höhepunkt.
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Angela Merkel mit RWE-Chef Jürgen Großmann und Daimler-Chef Dieter Zetsche: Die kumpelhaften Runden sind vorbei. Quelle: APN

Angela Merkel mit RWE-Chef Jürgen Großmann und Daimler-Chef Dieter Zetsche: Die kumpelhaften Runden sind vorbei.

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Berlin/Düsseldorf"Wenn Sie uns Familienunternehmer nach der politischen Stimmungslage fragen, so muss ich sagen: Die ist durchweg gedrückt", sagte Patrick Adenauer, Präsident des Familienunternehmerverbandes, am Donnerstagabend bei einem Empfang seiner Organisation in Berlin. Grund dafür seien unter anderem die Reaktionen auf Ereignisse wie in Japan und Libyen. Sie "wirken auf der einen Seite hysterisch, auf der anderen Seite ohne jede Haltung", sagte Adenauer. Zu offensichtlich seien sie "getrieben von wahltaktischen Überlegungen". Adenauer forderte im Namen der Familienunternehmer die Politik dazu auf, "wenigstens für die eigenen Wähler zu seiner Meinung von gestern zu stehen".

Die jüngsten Entscheidungen der Bundesregierung haben die Unternehmer in Deutschland auf die Barrikaden getrieben. Dabei war das Verhältnis zwischen der Wirtschaft und Bundeskanzlerin Angela Merkel von Anfang an ohnehin schon kein inniges. Der Wirtschaftsflügel ihrer eigenen Partei nörgelt beständig an der Kanzlerin herum, an ihrer Steuerpolitik, an ihrer Europapolitik und aktuell auch an ihrer Energiepolitik.

Die Zeit der kumpelhaften Runden unter Vorgänger Gerhard Schröder mit den Bossen, der kurze Weg hinein in die Schaltzentrale der Macht - seit Merkel gilt das nicht mehr. „Wirklich schwierig“, beurteilt ein wichtiger Verbandsführer das Verhältnis zur Kanzlerin.

Womöglich ist die Affäre um die Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle beim Bundesverband der Deutschen Industrie vor diesem Hintergrund zu sehen. Dass die vermeintlichen Äußerungen des FDP-Politikers unmittelbar vor der für Merkel so wichtigen Landtagswahl in Baden-Württemberg an die Öffentlichkeit gelangen, ist bemerkenswert. Es geht um das Protokoll eines BDI-Gesprächs mit Brüderle, der eigentlich der engste Partner der Geschäftswelt im Kabinett ist. Danach brachte der FDP-Mann das Moratorium zur Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke in Verbindung mit den anstehenden Landtagswahlen.

War es nun einfach Unbesonnenheit, Geschwätzigkeit oder Wichtigtuerei, die dieses Protokoll in die Öffentlichkeit brachte, oder steckt dahinter eine gezielte Strategie?

Trotz des gespannten Verhältnisses spricht allerdings vieles für die erste These. Jedenfalls entschuldigte sich BDI-Präsident Hans-Peter Keitel telefonisch bei Brüderle. Und mehr noch: Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf übernahm die Verantwortung für diesen peinlichen Vorgang und trat am Freitag zurück. Das ändert nichts daran, dass die Vorwürfe der Opposition, Merkel und die Regierung hätten mit ihrer Wende in der Atompolitik nur Wahltaktik im Sinne gehabt, mit diesem Protokoll einen offenkundigen Beleg erhalten hat. Dennoch wurde in Koalitionskreisen auch die Vermutung laut, hier sollte ganz gezielt Merkel und den Ihren die ganze Unzufriedenheit der Wirtschaft demonstriert werden.

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26 Kommentare zu "Merkel und die Wirtschaft: Zerrüttete Verhältnisse"

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  • nichtwähler macht das einzig richtige was man in einer scheindemokratie machen kann sie abzulehnen,Die wissen genau was los ist da oben und die lumpeneliten sind froh das es so ist.ja bis wieder einmal nichts mehr geht,so ist der mensch und das böse hat wieder gewonnen scheinbar.genau wie in der merkel DDR egal ob gewählt wurde es war fast immer 98% die macht lag gans woanders genau wie jetzt so war es schon immer egal in welchen land. @ Zeitzeuge ob stolpe oder Merkel ob stasi oder demisier Cerny oder sonst wer.weder studirst du oder bist Anwalt in der DDr wenn eine gewisse zusammenarbeit nicht klappt.und gerade in den 50 iger wars ganz leicht das zu realisieren.da hiess der spruch willst du nicht mein bruder sein dann schlag ich dir den schädel ei.das war bekannt.

  • Als Nichtwähler erreichen Sie gar nichts. Die Nichtwähler werden den Wählern prozentual zugeschlagen. Außerdem gibt es kein Quorum. Wenn keiner mehr wählen geht, wählen sich die Politbonzen selbst und das ist auch gültig. Hören Sie bitte auf den Zeitzeugen und werden Sie "Abwähler". Es gibt auch schon neue Parteien - Partei der Vernunft, die Freiheit - um nur 2 zu nennen. Selbst wenn Sie die Piratenpartei oder die Tierschutzpartei wählen, tun Sie unserem Land einen Gefallen. Merkel muss weg!!! Die Frau ist eine Fahne im Wind: "mal bin ich konservativ, mal bin ich liberal".
    Das Standvermögen einer Mrs. Thatcher hat sie auch nicht. Noch mehr solche Damen in der Spitze unseres Landes und Deutschland "hat gleich fertig". Das schreibe ich als Frau. Quotenfrauen sind eine Katastrophe!!!

    Merkels Gesinnung konnte man auch am Parteitag der CDU 2005 sehen, als sie sagte: "die Deutschen haben keinen Anspruch auf immerwährende Demokratie".

    Merkel handelt gegen jegliche Gesetze - Maastricht, Lissabon.
    Merkel handelt gegen die eigene Bevölkerung!

    Unter Rot/Grün wird es garantiert nicht besser.

    Also: keine etablierten Parteien wählen!!!

  • Ich beleuchte die familiären Hintergründe von Frau Merkel. Pastor Kasner stand im Gegensatz zu vielen anderen ev. Pfarrern dem damaligen Regime nahe und genoß deshalb Vorteile etwa wie neben seinem Privat PKW auch einen Dienstwagen sowie die Möglichkeit von Westreisen, die nur regimetreuen Personen zugestanden wurden. Darauf gehen Sie nicht ein.

  • Sie irren, die meisten Pfarrerskinder, die Abitur machen wollten, waren auch in der FDJ, weil es keine offenen Zusagen des Staates gab, daß Pfarrerskinder auch ohne FDJ-Mitgliedschaft die Erweitere Oberschule besuchen konnten und zum Abitur zugelassen wurden. Kein Paffer, kein Gemeindemitglied war sicher, nicht doch denunziert worden zu sein. Nur wenige hatten den Mut dem Regime und dem Zeitgeist offen und eigenexistenzgefährdend entgegenzutreten. "Du gefährdest die Zukunft deiner intelligenten Kinder!" war das Hauptargument.

  • Ihre Nichtwählerschaft wird uns aber nicht weiterbringen in den Dingen, die Sie aufgezählt haben. Kann ich Sie als ABWÄHLER gewinnen? So könnten Sie zur Verunsicherung jeweils derer an der Macht beitragen.

  • Allein aus der Bekanntschaft Merkels mit Stolpe etwas negatives konstruieren zu wollen, ist abwegig. Ob beide IMs waren oder (nur) "abgeschöpft" wurden, ist nicht sicher zu verifizieren. Nach meinen Kenntnissen ist Frau Merkel nicht systemkritisch in der DDR aufgefallen oder zu einer bekannten Figur in der kirchlichen Friedensbewegung in der Zeit vor 1985 geworden, als ein Ende der DDR noch keinesfalls abzusehen war. Allerdings ist signifikant, daß ihre Denkweise vom marxistisch-materialistischen Weltbild und von den Vorstellung einer beinahe universellen Gestaltbarkeit des Siens, eines Staates oder Staatenbundes "von oben" durch eine machthabende Gruppe bzw. durch einflußreiche Einzelpersonen, zu denen sie sich selbst mit zählt, per Erlaß, Vertrag oder publizistischer Äußerungen möglich wäre. Dabei fehlen ihr aber die Kenntnisse und die Lebenserfahung hinsichlich geschichtlicher Hintergründe, nationaler und kultureller Gegebenheiten und der damit verbundenen Verharrunsgvermögen von Personen, Völkern und Strukturen, wie sie real gegeben sind und welche den von ihr gewünschten und geforderten Veränderungen entgegenstehen.

  • Teil 1:

    Auch hier muß differnziert betrachtet werden: Vor dem Mauerbau gab es in den 50er Jahren eine Phase, als in den DDR-Gemeinden ein erheblicher Pfarrermangel geherrscht hat. An der protestantisch-christlichen Brüderlichkeit orientert entschlossen sich die westdeutschen Landeskrichen, in der Bundesrepublik ausgebildete Theologen, manche mitsamt ihrer Familie zum Pfarrdienst in die DDR zu entsenden. Manfred Stolpe war niemals offiziell DDR-Funktionär. Er war als Kirchenjurist mit leitenden Aufgaben in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburgs betraut und hatte engen Anteil an den kirchenseitigen Bemühungen hinsichtlich eines für die kirchliche Arbeit praktikablen Verhältnisses in der DDR zu den Staatsorganen. Leider muß davon ausgegangen werden, daß besonders die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburgs (eine Nichtlutherische Landeskriche) von der Staatssicherheit erheblich unterwandert war. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, daß das bei Sitzungen (Konventen) massiv zu spüren war, wenn es um Grundsatzfragen und -entscheidungen hinsichtlich inhaltlicher Ausrichtungen und konkreter Aktivitäten ging, die von der SED-Linie deutlich abzuweichen drohten, bei denen bestimmte Leute sich als "Bremser" und "Bedenkenträger" hervortaten, konkret bei den "Friedensdekaden" und der offenen evangelischen Jugendarbeit.

  • @Zeitzeuge
    Pastor Horst Kasner gehörte in der DDR dem Kreis um Generalsuperintendent Albrecht Schönherr an, der nicht systemkritischwar, sondern eine Zusammenarbeit mit der DDR staatsführung bevorzugte. Er gehörte zu den sogenannten "progressiven" Kräften in der ev. Kirche und wurde auch der "rote Kasner" genannt. Horst Kasner hatte das Privileg von Westreisen, was auch seine Nähe zum Regime ausweist. Angela Merkel war mit diesem familiären Hintergrund im Gegensatz zu den meisten Pastorenkindern FDJ-Mitglied und konnte problemlos das Abitur machen und studieren.
    Der Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland stand Kaser kritisch gegenüber und unterstützte aus diesem Grund die Wiedervereinigung nicht.
    Es ist kein Zufall, dass Frau Merkel, die der Bürgerrechtbewegung in der DDR nicht angehörte, Mitglied des "demokratischen Aufbruchs" des IMs wolfgang Schnur wurde und dann nach ihrer "Entdeckung" durch Helmut Kohl schnell Karriere machte.

  • Was mich so erstant, ist, dass die Arbeitgeber-Verbände jetzt mit ihrer Kritik kommen. Gerade Adenauer, der Merkel noch im Wahlkampf 2009 hofiert hat. Da ließ diese dämliche Merkel sich im Arbeitszimmer von Adenauer ablichten mit Erlaubnis der Adenauer-Familie. Mich hat das damals sehr entsetzt. Armer alter Adenauer, der wäre in seinem Grab rumgesprungen, wenn er dies wüßte.
    Merkel schmückt sich ja immer gerne mit unsren alten Politikern, die sie gar nicht kennt. Ich fand das immer schon unmöglich und ekelhaft
    Hat denn keiner dieser Verbandheinis gemerkt, was diese Frau für eine sozialistische Denke hat? Warum stoppt keiner diese Frau, die unser Steuergeld in Europa verschleudert. Viele Generationen werden dies noch zahlen müssen.
    Also bei allem Verständnis, aber ein wenig unehrlich und heuchlerisch sind sie diese Verbandfürsten

  • Ich sehe niemanden in den politischen Lagern, der/die für eine Kanzlerschaft taugt und das Mittelmaß wird an der Vielzahl der Baustellen, um nicht von Bauruinen zu sprechen, nichts zum Nutzen unseres Gemeinwesens bessern können. Außerdem ist die Wählerschaft viel zu ideologisch gespalten, um eine Regierung zu etablieren, die umfassende Lösungen auf den Weg bringen kann, ohne daß die Staatsverschuldung und die Abgabenlasten weiter steigen werden. Mehr als das Stören der Machtspiele der Parteien durch regelmäßiges Abwählen ist auf Grund des Fehlens sonstiger demokratischer Instrumente für den an echter Demokratie interessierte Wähler nicht möglich! Manches wird nach Merkel sicher etwas anders, aber an nachhaltig Bessers kann ich nicht glauben. Mappus, Merkel, Westerwelle weg!

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