Merkels Telefonstunde „Was möchten Sie mich fragen?“

Ein Jahr vor der Bundestagswahl setzt die CDU auf neue Dialogformen: Parteimitglieder aus dem ganzen Land durften der Kanzlerin am Telefon Fragen stellen - mit Internetübertragung. Nicht alles kam bei Merkel gut an.
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Angela Merkel während der interaktiven Telefonkonferenz auf der CDU-Homepage. Quelle: dapd

Angela Merkel während der interaktiven Telefonkonferenz auf der CDU-Homepage.

(Foto: dapd)

BerlinDie Kanzlerin in der „Tele-Townhall“: Was klingt wie im US-Wahlkampf, probiert Angela Merkel in der CDU-Zentrale aus - eine Fragestunde mit Tausenden Mitgliedern am Telefon. Nicht alle Ratschläge gefallen ihr.

Auf ihre Koalition lässt die Kanzlerin nichts kommen - auch nicht bei noch so wohlmeinenden Ratschlägen der Basis. Sie solle sich ja nicht beirren lassen, wenn der CSU-Chef laufend mit Drohungen komme, hört Angela Merkel von einem langjährigen Mitglied aus Iserlohn. Und antwortet: „Wir arbeiten gut zusammen, auch mit Horst Seehofer.“

Ein CDU-Bürgermeister empfiehlt seiner Vorsitzenden dann, die FDP doch nach Hause zu schicken, wenn die Liberalen sie zu sehr ärgerten. „Nee, nee, wir schicken niemanden nach Hause“, kontert Merkel schnell. Es ist Mittwochabend und Premiere der „Tele- Townhall“, mit der die Volkspartei CDU ein Jahr vor der Bundestagswahl auf neue Dialogformen setzt.

Merkel sitzt in einem eigens eingerichteten TV-Studio im Berliner Konrad-Adenauer-Haus, auf der hölzernen Tischplatte ein Glas Wasser und eine Telefonanlage. Im Hintergrund sind Wahlplakate aus den Zeiten Helmut Kohls zu sehen. Nach einem Mail-Aufruf an Amts-, Mandats- und Funktionsträger im ganzen Land ist Merkel per Telefonleitung mit 7000 angewählten Mitgliedern verbunden.

Rund 400 davon folgen dem Aufruf des Moderators „Drücken Sie die Null“, um der Kanzlerin Fragen zu stellen. Auf der parteieigenen Internetseite können das auch Nicht- Mitglieder sehen - es wirkt wie eine Gesprächssendung im Hörfunk.

„Guten Abend, was möchten Sie mich fragen“, meldet sich Merkel und übernimmt zwischendurch schon einmal selbst die Gesprächsführung mit einem freundlich-bestimmten „Herzliche Grüße, wir gehen zur nächsten Frage“.

Knapp 20 Mitglieder kommen binnen einer Stunde an die Reihe, und das Themenspektrum ist groß: Eurokrise, Islamismus, Frauenquote, Altersarmut, Menschenrechte - aber auch Sorgen um Krankenhäuser oder dass es in einem Ort für 25 Schüler einer Klasse nur 8 Geschichtsbücher gibt. „Es wäre schon nicht schlecht, wenn jedes Kind ein Schulbuch hat“, meint Merkel. Und lehnt auch noch einmal eine Pkw-Maut ab, da Autofahren wegen der hohen Benzinpreise nicht noch teurer werden dürfe.

Bürgerthema Nummer Eins: Eurokrise

Geballte Kritik fürchten muss die Parteichefin von den Anrufern nicht, die Kommunalpolitiker sind örtliche Vorsitzende der Frauen-Union oder Parteimitglieder seit Jahrzehnten. Gottes Segen und alles Gute bekommt Merkel gleich mehrfach gewünscht.

Dennoch klingt durch, dass die Dauerquerelen der schwarz-gelben Koalitionäre in Berlin an der Basis alles andere als gut ankommen. Es gehöre zur Demokratie, „dass man sich öffentlich ein bisschen austauscht“, wirbt Merkel um Verständnis und beharrt darauf: „Wir verstehen uns in der Koalition.“

In einer Live-Umfrage, auf welches Thema sie von Bürgern am häufigsten angesprochen würden, drücken 44 Prozent der Mitglieder am Telefon auf die Taste 1 für die Eurokrise. Eine Christdemokratin aus Köln schildert Merkel dann auch, wie schwer es inzwischen sei, die eigenen Leute vor Ort zu Veranstaltungen zu bekommen oder zum Kampf für ein Thema zu begeistern. Auch hier lebende Bürger aus EU-Staaten spreche die Partei gar nicht mehr an. Merkel stimmt zu, dass die CDU neue Wege gehen müsse, schließlich lockten Ortsvereinssitzungen viele neben dem Berufsstress nicht wirklich.

Am Ende resümiert Merkel, es sei eine breite Vielfalt der Themen gewesen, „fast wie auf einer richtigen Regionalkonferenz“. Mit sechs solchen Veranstaltungen will die Partei von Oktober an Kurs auf den Bundesparteitag Anfang Dezember in Hannover nehmen, wie die Kanzlerin den Anrufern zum Abschied noch ankündigt.

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  • dpa
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3 Kommentare zu "Merkels Telefonstunde: „Guten Abend, was möchten Sie mich fragen?“"

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  • Ich würde die gute Angie fragen was sie so am liebsten zum Frühstück mag oder wie das Wetter in Berlin ist.
    Bei kritischen Fragen wird man endweder keine Antwort bekommen oder typisches Politiker Bla Bla hören.
    Gibt es noch Politiker, die klare Meinungen, klare Standpunkte haben und diese dann auch so umsetzen?
    Sicher Politik heißt verhandeln und sich annähern - doch jetzt wird Politik anders gemacht: Was die Konzerne und deren Lobbyvertreter wollen wird umgesetzt, man muss es nur dem Volk so verkaufen dass das Volk die Kröte ohne viel zu murren schluckt oder immer öfters schummelt man die Kröten am Volk vorbei.

  • Letzendlich kommt es darauf an, wer hier etwas bewegt!! Die Besinnung auf Christliche Werte und das Vertrauen in Gott sind der ausschlaggebende Erfolg unserer Kanzlerin.
    Ich wage nicht darüber nachzudenken, wo wir heute wären, wäre die SPD, in Koalition mit den grünen Hampelmännern, in diesen Zeiten der finanziellen Instabilität in Europa am Ruder......

  • Wieder einmal mehr Schmierentheater. Fragen die ihr nicht gefallen, wehrt sie einfach ab, Nachfragen sind sowieso nicht erwünscht.

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