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Metall-Tarifrunde NRW-Arbeitgeber warnen vor Produktionsverlagerungen

Die Produktionskosten dürfen nicht weiter steigen, mahnt Metall-NRW-Präsident Arndt Kirchhoff. Sonst könnten noch mehr Firmen ins Ausland abwandern.
11.03.2020 - 12:10 Uhr Kommentieren
Die Automobilindustrie steckt mitten im Strukturwandel. Quelle: action press
E-Autoproduktion in Zwickau

Die Automobilindustrie steckt mitten im Strukturwandel.

(Foto: action press)

Düsseldorf Als wäre die Situation nicht schon schlimm genug. Die deutsche Industrie steckt bereits länger in der Rezession fest als während der Finanzkrise 2008/09. Die Autobauer und ihre Zulieferer müssen die Umstellung vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität bewältigen. Und jetzt schlägt auch noch das Coronavirus zu: Produktionspläne werden über den Haufen geworfen, Aufträge storniert.

Keine einfachen Zeiten für Tarifverhandlungen, in denen die Metall- und Elektroindustrie mit ihren rund vier Millionen Beschäftigten gerade steckt. „Wir haben einen Doppelschock bei Angebot und Nachfrage“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Niedersachsen-Metall, Volker Schmidt. Wegfallende Absatzmärkte und abgesagte Messen auf der einen, unterbrochene Lieferketten und fehlende Zulieferteile auf der anderen Seite.

Und doch sind die Arbeitgeber und die IG Metall entschlossen, bis Ende April – und damit noch innerhalb der Friedenspflicht – einen Tarifabschluss hinzubekommen. Im Mittelpunkt soll dabei die Beschäftigungssicherung stehen; so sieht es ein „Stillhalteabkommen“ vor, das die Gewerkschaft im Januar angeboten hatte. Sie geht ohne eine bezifferte Lohnforderung in die Gespräche, erwartet dafür aber Verhandlungen über Zukunftstarifverträge mit Job- und Standortgarantien.

Nach ersten Sondierungsgesprächen soll ab dieser Woche in den Regionen nun ernsthaft verhandelt werden. Am Donnerstag ist Nordrhein-Westfalen dran, am kommenden Montag folgen Bayern und Baden-Württemberg. Traditionell wurde in der Vergangenheit in einem dieser drei Länder der Pilotabschluss erzielt, der dann Richtschnur für die gesamte Branche ist.

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    Der Präsident des nordrhein-westfälischen Arbeitgeberverbands Metall NRW, Arndt G. Kirchhoff, ist zwar optimistisch, dass eine Einigung innerhalb der Friedenspflicht – und damit ohne Streiks – gelingt. Aber leicht würden die Verhandlungen nicht. „Wir müssen sehen, wie ernst es der IG Metall mit Beschäftigungssicherung ist“, sagte Kirchhoff dem Handelsblatt.

    Denn über die Schwere der Rezession, die Prognosen für die kommenden Monate oder die Auswirkungen des Strukturwandels herrscht Uneinigkeit zwischen beiden Seiten. Und bei vielen Unternehmen ist der Ärger über den letzten Tarifabschluss noch nicht verraucht, der ein aus ihrer Sicht teures und wenig praktikables Wahlmodell zwischen Geld oder Freizeit gebracht hatte.

    Der Präsident des nordrhein-westfälischen Arbeitgeberverbands Metall NRW ist optimistisch, dass eine Einigung bei der Metall-Tarifrunde ohne Streiks abläuft. Quelle: imago/Jürgen Heinrich
    Arndt Kirchhoff

    Der Präsident des nordrhein-westfälischen Arbeitgeberverbands Metall NRW ist optimistisch, dass eine Einigung bei der Metall-Tarifrunde ohne Streiks abläuft.

    (Foto: imago/Jürgen Heinrich)

    Metall NRW hat deshalb eine Umfrage unter seinen Mitgliedsunternehmen zur Zukunft der Branche gemacht. Von den 189 tarifgebundenen Betrieben, die sich daran beteiligten, hat rund jeder zweite bereits heute Produktionskapazitäten im Ausland oder plant diese.

    Hauptmotiv sind – noch vor dem Marktzugang – die im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen niedrigeren Produktionskosten. 85 Prozent der Befragten nannten den Kostenfaktor. Die Unternehmen mit Standorten im Ausland wollen ihre Fertigung dort ausweiten. Entfallen heute noch 59 Prozent der Produktion auf Nordrhein-Westfalen, werden es nach Einschätzung der Befragten in fünf Jahren nur noch 52 Prozent sein.

    Dabei wächst der Anteil der Unternehmen, die mit ihrem Auslandsengagement heimische Produktion ersetzen, statt nur zu ergänzen. Und das zunehmende Auslandsengagement spiegelt sich auch in den Investitionsplanungen wider. Das Signal, das Metall NRW mit der Umfrage senden will, ist klar: Wenn nicht ein Tarifabschluss „mit Augenmaß“ gelinge, könnte sich die Verlagerung von Produktionskapazitäten weiter beschleunigen.

    Die gestiegenen Arbeitskosten sind für rund 90 Prozent der befragten Unternehmen die zentrale wirtschaftliche Herausforderung, mit weitem Abstand vor der Gewinnung von Fachkräften oder der Qualifizierung der Mitarbeiter.

    Zwar machen die durch Corona teilweise bereits unterbrochenen Lieferketten nicht unbedingt Mut zu einem stärkeren Auslandsengagement. Aber Kirchhoff ist überzeugt, dass das auch wieder vorbeigeht. Und es müsse ja auch nicht immer gleich China sein, wo die Viruserkrankung ihren Ausgang nahm: „Die Lohnkosten sind in Rumänien niedriger als in China“, sagt der Metall-NRW-Präsident.

    Wenn Unternehmen in Deutschland gehalten werden sollen, sei entscheidend, dass in den anstehenden Verhandlungen die Bewältigung der Transformation im Vordergrund stehe. Erst wenn die Kosten dafür klar seien, könne man auch über eine Entgeltsteigerung reden, sagt Kirchhoff.

    IG Metall erwartet Entgelterhöhungen

    Die IG Metall hat zwar keine bezifferte Lohnforderung gestellt. Doch ihr Chef Jörg Hofmann erwartet Entgelterhöhungen, „die die Kaufkraft der Beschäftigten stärken und Eingang in die Entgelttabellen finden“. Mit Einmalzahlungen will sich die Gewerkschaft also nicht abspeisen lassen.

    Die Verhandlungen in Nordrhein-Westfalen sind deshalb besonders interessant, weil hier schon einmal ein wegweisender Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung gelang, der „Zukunft in Arbeit“ genannt wurde und – mit leichten regionalen Abweichungen – bundesweit übernommen wurde.

    Das war 2010, nach dem bisher letzten Rezessionsjahr in Deutschland, als viele Arbeitsplätze auf der Kippe standen. Arbeitgeber und Gewerkschaft einigten sich damals für Betriebe, in denen schon mindestens zwölf Monate kurzgearbeitet wurde, auf einen tariflichen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen für die Dauer von weiteren zwölf Monaten.

    Die Arbeitgeber haben damals einen Teil der Ausfallstunden trotzdem bezahlt, um Entgelteinbußen für die Beschäftigten durch eine tariflich auf bis zu 26 Wochenstunden gesenkte Arbeitszeit zumindest teilweise auszugleichen. Auch wurde in Betrieben mit Kurzarbeit das Weihnachts- und Urlaubsgeld auf die Monatsentgelte aufgeschlagen, was zu einem höheren Kurzarbeitergeld führte.

    Über ähnliche Modelle für kriselnde Betriebe könnte auch in der aktuellen Runde wieder geredet werden.

    Mehr: Diese Spuren dürfte die Coronakrise in der Wirtschaft hinterlassen. Die Boston Consulting Group rechnet mit einer zügigen Erholung nach dem Virus-Schock. Die Lieferketten sollten neu geordnet werden.

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