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Metall und Elektroindustrie Mehr Geld und eine Vier-Tage-Woche: IG Metall untermauert ihre Tarifforderung

Eine Befragung der Gewerkschaft zeigt, was sich die Beschäftigten künftig wünschen. Knapp drei von zehn Befragten sehen ihren Job in Gefahr.
03.12.2020 Update: 03.12.2020 - 19:05 Uhr Kommentieren
Flexible Arbeitszeitgestaltung ist Beschäftigten wie Arbeitgebern wichtig. Quelle: picture alliance / Markus Scholz
Demonstration zur Arbeitszeitbestimmung

Flexible Arbeitszeitgestaltung ist Beschäftigten wie Arbeitgebern wichtig.

(Foto: picture alliance / Markus Scholz)

Berlin Die IG Metall nimmt für sich in Anspruch, nah an der Basis zu sein, Mitgliedern und Beschäftigten auf den Zahn zu fühlen und das Handeln der Gewerkschaft nach ihren Wünschen auszurichten. Doch als der IG-Metall-Vorstand am 9. November seine Forderungsempfehlung für die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie präsentierte, da war die große Beschäftigtenbefragung noch gar nicht beendet.

Jetzt liegen die Ergebnisse vor und sie bestätigen – kaum verwunderlich – die Tarifforderung, die der IG-Metall-Vorstand ja auch nicht aus dem hohlen Bauch heraus entwickelt, sondern nach Beratungen mit Betriebsräten und den Tarifkommissionen in den Bezirken dann am 26. November auch endgültig beschlossen hatte.

Die IG Metall fordert ein Volumen von vier Prozent, das je nach Lage in den einzelnen Betrieben unterschiedlich eingesetzt werden kann – beispielsweise für eine Lohnerhöhung oder, wenn es dem Unternehmen an Arbeit mangelt, für einen Teillohnausgleich bei einer Vier-Tage-Woche. Auch nach dem Willen der Beschäftigten soll es in der Tarifrunde um mehr Geld, sichere Arbeitsplätze und die Gestaltung der industriellen Transformation gehen.

Die Vier-Tage-Woche stößt bei den Befragten – mehr als 250.000 Arbeitnehmer in gut 6700 Betrieben haben sich beteiligt – auf großes Interesse. Zwei von drei halten eine solche Arbeitszeitverkürzung für ein wichtiges oder sehr wichtiges Tarifrundenziel.

Die Metallarbeitgeber haben aber bereits deutlich gemacht, dass es kürzere Arbeitszeiten zur Beschäftigungssicherung allenfalls ohne Lohnausgleich geben könne. Denn sonst sei Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten ja nicht geholfen. Der neue Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Stefen Wolf, hatte sogar eine erneute Nullrunde und Mehrarbeit fürs gleiche Geld ins Spiel gebracht.

Knapp ein Drittel der Beschäftigten erlitt finanzielle Einbußen durch Corona

Zum Einkommensverzicht ist das Gros der Beschäftigten aber offenbar nicht bereit. Denn gleichzeitig gaben gut 71 Prozent der Befragten, von denen knapp ein Viertel nicht Mitglied der IG Metall ist, an, dass Entgeltsteigerungen für sie wichtig oder sehr wichtig sind.

Hohe Zustimmung erfährt die Gewerkschaft auch für die Forderung, Zukunftstarifverträge zu schließen. Die IG Metall will tariflich durchsetzen, dass Arbeitgeber mit ihr über die Transformation reden, beispielsweise über Standortsicherung oder Investitionen.

Auch bei diesem Anliegen sieht sie sich durch die Beschäftigten bestätigt. So sehen 28 Prozent der Befragten ihren Arbeitsplatz als gefährdet an. Gut ein Drittel gab an, dass ihrem Betrieb eine Strategie fehle, um langfristige Herausforderungen wie die Digitalisierung oder die Energie- und Mobilitätswende bewältigen zu können. Besonders „planlos“ sind nach Einschätzung der Beschäftigten die Arbeitgeber in den Bereichen Metallerzeugung, Stahl, Maschinenbau und Handwerk.

Im Fahrzeugbau vermisst jeder dritte Befragte eine Zukunftsstrategie. Und nur 44 Prozent aller Teilnehmer der Befragung fühlen sich vom Arbeitgeber ausreichend über die Zukunftsaussichten ihres Unternehmens informiert.

Zeit als Gewinn

„Mit verunsicherten Belegschaften kann die Transformation kein Erfolg werden“, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Wandel brauche Sicherheit, Beschäftigungssicherung sei deshalb das Gebot der Stunde. „Von den Arbeitgebern fordern wir Konzepte, Investitionen und zukunftsfähige Geschäftsmodelle“, betonte Hofmann.

Das dass nicht leicht wird, zeigt sich gerade beim Autozulieferer Continental, wo Unternehmen und Gewerkschaft ihre Gespräche zur Beschäftigungssicherung gerade abgebrochen haben.

Die Beschäftigtenbefragung gibt auch Aufschluss darüber, wie sich die Coronakrise auf die Organisationsbereiche der IG Metall ausgewirkt hat. So musste knapp ein Drittel der Befragten wesentliche finanzielle Einschnitte verkraften. Mehr als die Hälfte war oder ist in Kurzarbeit. Am stärksten betroffen sind hier die Stahlbranche, der Fahrzeugbau, die Metallerzeugung und der Maschinenbau.

Mehr als zwei von drei Kurzarbeitern empfanden die zusätzliche freie Zeit als Gewinn für sich oder ihre Familie. 38 Prozent gaben aber an, der Einkommensverlust durch die Kurzarbeit wiege schwerer als die zusätzliche freie Zeit. Knapp ein Viertel der Befragten hat wegen Corona erstmals im Homeoffice gearbeitet.

Mehr: IG-Metall-Chef Jörg Hofmann im Interview: „Eine doppelte Null wäre Gift für die Konjunktur“

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