Metallbranche Stahl-Tarifabschluss erzielt – Verhandlungen für Metall- und Elektroindustrie auf der Zielgeraden

Arbeitgeber und IG Metall vereinbaren Einmalzahlungen für die rund 70.000 Beschäftigten der Branche in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen.
Düsseldorf, Berlin Bei den Tarifverhandlungen für die nordwestdeutsche Stahlindustrie gibt es eine Einigung über einen neuen Tarifvertrag. Arbeitgeber und IG Metall vereinbarten am Samstagmorgen Einmalzahlungen für die rund 70.000 Beschäftigten der Branche in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen, wie beide Seiten mitteilten.
Die Beschäftigten erhalten zum 30. Juni 2021 eine Corona-Prämie in Höhe von 500 Euro. Daneben vereinbarten Arbeitgeber und Gewerkschaft eine weitere Einmalzahlung von 600 Euro, die ab 2023 jedes Jahr ausgezahlt wird. Auf dem Weg dorthin gibt es im Dezember 2021 zunächst 250 Euro und im Februar 2022 weitere 250 Euro.
Diese zusätzlichen tariflichen Entgelte können auch zur Beschäftigungssicherung genutzt und in Freizeit umgewandelt werden. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 31. Mai 2022.
Die Gewerkschaft war mit der Forderung nach einer Tariferhöhung im Volumen von vier Prozent in die Verhandlungen gegangen. In Betrieben mit schlechter Auftragslage sollte das Geld auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung eingesetzt werden können.
Der nordrhein-westfälische Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, nannte die Einigung „einen verantwortungsvollen und fairen Kompromiss“. Die Löhne und Gehälter stiegen durch den neuen Tarifvertrag dauerhaft. Positiv sei auch, dass die Auszubildenden und die unteren Entgeltgruppen überproportional von diesem Verhandlungsergebnis profitierten.
Stahl-Abschluss keine Blaupause für die Metall- und Elektroindustrie
Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Stahl, Heinz Jörg Fuhrmann, sagte, der Tarifvertrag diene dem Erhalt der finanziellen Handlungsfähigkeit der Unternehmen angesichts der existenzbedrohenden Substanzverluste in der Coronakrise.
IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sagte, es sei „unter denkbar schwierigen Bedingungen gelungen, die Entgeltentwicklung nachhaltig zu stabilisieren“. Der Stahl-Abschluss könne aber nicht einfach als Blaupause für die noch laufenden Verhandlungen für die mehr als 3,8 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie dienen, betonte Hofmann. Dafür sei die Situation in den Branchen zu unterschiedlich.
In den regional geführten Verhandlungen der Metall- und Elektroindustrie werden die Tarifparteien am Montag einen erneuten Anlauf starten, einen Pilotabschluss zu erzielen, der dann in den anderen Tarifbezirken – teils mit Abweichungen – übernommen werden kann.
Die zwölfstündige sechste Verhandlungsrunde in Düsseldorf, die in der Nacht zum Freitag endete, hatte noch keinen Durchbruch, aber eine Annäherung gebracht. Die nordrhein-westfälischen Metallarbeitgeber hatten für das laufende Jahr eine Einmalzahlung in Höhe von 350 Euro angeboten und für das kommende Jahr eine Tariferhöhung in Aussicht gestellt, wenn die Gewerkschaft sich auf eine lange Laufzeit des Tarifvertrags einlässt.
Verhandlungen in NRW gehen am Montag weiter
Die Gewerkschaft hatte ein Volumen von vier Prozent für ein Jahr gefordert, das nach ihrer Vorstellung je nach Situation in den Betrieben für Lohnerhöhungen oder für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung und Bewältigung der industriellen Transformation verwendet werden kann.
Der Vorstand der IG Metall hatte dann am Freitagabend entschieden, die Verhandlungen in NRW am Montag fortzusetzen. Die Kolleginnen und Kollegen dort hätten bis jetzt einen soliden Zwischenstand erreicht, wird IG-Metall-Chef Hofmann auf Twitter zitiert. Das sei nur durch die Hunderttausenden von Warnstreikenden in allen Bezirken ermöglicht worden.
Einen Abschluss werde es bei der Fortsetzung der Verhandlungen am Montag aber nicht um jeden Preis geben, betonte Hofmann. „Insbesondere beim Entgelt müssen die Arbeitgeber noch deutlich nachlegen.“
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