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Migration Zahl der Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern in Deutschland steigt rasant – aber nicht genug

Die Zahl der in Deutschland lebenden Erwerbsmigranten hat erneut um mehr als 20 Prozent zugenommen. Trotzdem bleibt sie hinter dem Bedarf zurück.
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Nach Angaben der Statistiker lebten Ende vergangenen Jahres hierzulande rund 266.000 Nicht-EU-Ausländer, die wegen eines Jobs eingereist sind. Quelle: dpa
Ausländische Fachkräfte

Nach Angaben der Statistiker lebten Ende vergangenen Jahres hierzulande rund 266.000 Nicht-EU-Ausländer, die wegen eines Jobs eingereist sind.

(Foto: dpa)

BerlinLange herrschte die Meinung vor, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Erst der unaufhaltsame demografische Wandel, der zunehmende Fachkräftemangel und nicht zuletzt der Druck der Wirtschaft bewogen die schwarz-rote Koalition in dieser Wahlperiode, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz auf den Weg zu bringen – und damit Deutschland auch offiziell zu einem Einwanderungsland zu machen.

Aber ist Deutschland nicht längst ein Einwanderungsland und das geplante Gesetz, das noch durch das parlamentarische Verfahren muss, damit überflüssig? Auf den ersten Blick deuten neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes darauf hin.

Die Zahl der im Ausländerzentralregister erfassten Ausländer, die aus Staaten außerhalb der EU zum Arbeiten nach Deutschland gekommen sind, ist 2018 zum dritten Mal in Folge um mehr als 20 Prozent gestiegen. Auf den zweiten Blick zeigt sich aber, dass die Erwerbsmigration aus Drittstaaten kaum mehr ist als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Nach Angaben der Statistiker lebten Ende vergangenen Jahres hierzulande rund 266.000 Nicht-EU-Ausländer, die wegen eines Jobs eingereist waren. Ende 2017 waren es noch 217.000 Menschen. Zu den Hauptherkunftsländern dieser Erwerbsmigranten zählen Indien (zwölf Prozent), China (neun Prozent), Bosnien-Herzegowina (acht Prozent) und die USA (sieben Prozent).

Vor allem aus den Westbalkanstaaten kommen viele Menschen zum Arbeiten nach Deutschland. 66.000 oder knapp ein Viertel der registrierten Erwerbsmigranten aus Drittstaaten sind Bürger aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, dem Kosovo und Mazedonien. Seit Ende 2015 hat sich ihre Zahl beinahe verfünffacht.

Für sie gilt noch bis Ende 2020 ein erleichterter Zugang zum Arbeitsmarkt. Die Bundesregierung sorgte für diese Möglichkeit im Jahr 2016, nachdem sie die Westbalkanländer zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt und somit die Einreise aus humanitären Gründen deutlich erschwert hatte.

Trotz der auf den ersten Blick eindrucksvollen Steigerungsraten bleibt die Erwerbsmigration aber weiter hinter dem Bedarf zurück. „Das ist noch nicht furchtbar viel ?was?“, sagt Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB).

So seien im Jahr 2017 laut Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zwar knapp 61.000 Drittstaatenangehörige zu Erwerbszwecken nach Deutschland gekommen. Dies entspreche nur einem Anteil von elf Prozent an allen Zuzügen aus Drittstaaten rechnet Brücker vor. Klassische Einwanderungsländer erzielten hier Quoten von 40 Prozent.

Zur Erwerbsmigration tragen natürlich aber auch EU-Bürger bei, die innerhalb der Europäischen Union Arbeitnehmerfreizügigkeit genießen und gut die Hälfte der insgesamt Zugewanderten stellen. Allerdings ist der Wanderungssaldo mit EU-Bürgern seit 2015 rückläufig. Viele der Länder stehen selbst vor demografischen Problemen, sodass junge Leute in ihre Heimat zurückkehren.

Auch ursprünglich aus humanitären Gründen eingewanderte Menschen kommen durchaus dem Arbeitsmarkt zugute. So haben von den seit 2015 eingereisten Flüchtlingen knapp 300.000 eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden, rund 70.000 weitere einen Minijob.

Aus Sicht von Arbeitsmarktforschern wird sich aber ohne gezielte Zuwanderung aus Drittstaaten der künftige Arbeitskräftebedarf nicht decken lassen. Nach einer Projektion des IAB wird das Arbeitskräfteangebot in Deutschland bis 2060 von heute rund 45 Millionen auf unter 40 Millionen sinken, wenn die Nettozuwanderung im Bereich des langjährigen Durchschnitts von rund 200.000 Personen verharrt. Um es auf dem heutigen Niveau zu halten, müssten jährlich 400.000 Menschen mehr zu- als abwandern.

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