Militärdrohne Bund lässt „Talarion“ abstürzen

Der Verteidigungsminister zu Guttenberg setzt die geplante Drohne "Talarion" weit oben auf seine Streichliste und legt sich so mit Horst Seehofer an. Denn vor zwei Wochen noch hatte sich der CSU-Politiker eindeutig für die Drohne ausgesprochen gehabt.
Kommentieren
Militärdrohne der US-Armee: Das deutsche Talarion-Projekt ist wohl vom Tisch. Quelle: dpa

Militärdrohne der US-Armee: Das deutsche Talarion-Projekt ist wohl vom Tisch.

(Foto: dpa)

BERLIN. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird die Aufklärungsdrohne "Talarion" des Herstellers EADS wohl dem Sparzwang opfern. Auf der noch geheimen Streichliste, die soeben für den Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, aufgestellt wurde, wird der "Verzicht auf die Realisierung Talarion" empfohlen. Das Papier mit dem offiziellen Titel "Priorisierung Materialinvestitionen" liegt dem Handelsblatt vor. Stattdessen empfiehlt der Führungsstab der Streitkräfte die "sofortige Beschaffung von Saateg AA Male", einer Weiterentwicklung der derzeit geleasten "Heron"-Drohne.

Damit ist ein vorzeitiges Ende des EADS-Prestigeprojekts "Talarion" absehbar. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern hatte kürzlich erneut betont, die europäischen Interessenten für "Talarion" müssten sich bis Herbst auf einen Entwicklungsauftrag über 1,5 Mrd. Euro verständigen, um das Projekt zu retten. Insgesamt soll die Neuentwicklung der Drohne, die EADS-Rüstungschef Stefan Zoller als "zentrales Projekt" für den ganzen Konzern begreift, mehr als drei Mrd. Euro kosten.

CSU fürchtet um Standort Bayern

Mit der Streichung ist nicht nur ein harter Konflikt zwischen zu Guttenberg und der Rüstungsindustrie programmiert. Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ist alarmiert. Er hatte beim Besuch des EADS-Luftfahrtzentrums Manching vor zwei Wochen angekündigt, Sparmaßnahmen im Rüstungsbereich zu verhindern, die "Innovationen beschädigen". Konkret nannte Seehofer dabei die EADS-Entwicklungen "Talarion", "Eurofighter" und "A400M". Doch laut Streichliste sind alle betroffen: Die Bundeswehr will 37 "Eurofighter"-Kampfjets weniger kaufen als vereinbart, und beim Militärtransporter "A400M" fordert die Armeeführung eine "Überprüfung der Stückzahlen", die auf eine Schrumpfkur hinauslaufen könnte.

Startseite

0 Kommentare zu "Militärdrohne: Bund lässt „Talarion“ abstürzen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%