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Mindestlohn Merkel auf Genossen-Kurs

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Bei der Lohnhöhe gilt Großbritannien als Vorbild

Dass eine Lohnuntergrenze Jobs gefährden kann, räumen selbst Wirtschaftswissenschaftler ein, die für ihre Einführung plädieren. Entscheidend ist die Höhe. Liegt ein Mindestlohn unterhalb dem am Markt üblichen Lohn, ist er irrelevant. Überschreitet er ihn, kostet er Jobs. Das ist die gängige Sicht. Dazwischen gibt es aber noch einen dritten Bereich, glauben einige Ökonomen. Oft spiegele der Marktlohn nicht die volle Produktivität der Arbeit wider, dann existiere ein Spielraum für eine Erhöhung, ohne dass Jobs verloren gingen.

Diesen Spielraum richtig zu taxieren ist schwierig. Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, meint: »Wenn sich der Mindestlohn in der Höhe bewegt, wie sie jetzt diskutiert wird, ist kein Arbeitsplatzabbau zu erwarten.« Zwischen knapp 7 Euro pro Stunde im Osten und knapp 8 Euro im Westen soll die Lohngrenze nach den CDU-Vorstellungen liegen. Ronnie Schöb, Professor an der FU Berlin und Arbeitsmarktexperte, warnt aber: »Bei Beträgen um 8,50 Euro erhöhen sich die Arbeitskosten der Unternehmen für viele einfache Jobs um fast 50 Prozent. Das vernichtet Arbeitsplätze.«

Unter Experten gilt Großbritannien als Vorbild. Dort wurde der flächendeckende Mindestlohn auf niedrigem Niveau eingeführt und dann schrittweise erhöht. Derzeit liegt der Satz bei 6,91 Euro die Stunde. Damit rangiert das Vereinigte Königreich im europäischen Spitzenfeld. In 14 von 20 EU-Ländern mit Mindestlöhnen wird weniger als 5 Euro gezahlt. Offenbar ist der Spielraum für einen funktionierenden Mindestlohn also sehr begrenzt.

Viele Erwartungen sind daher völlig überzogen. Der Mindestlohn kann zwar helfen, Auswüchse zu verhindern, aber er ist keine sozialpolitische Allzweckwaffe. Er verhindert nicht einmal, dass viele Menschen arbeiten und trotzdem Hartz IV beantragen müssen. Das betrifft heute rund 1,4 Millionen Bundesbürger. Nicht nur Linke und Gewerkschafter sehen das als Skandal an, als Verstoß gegen die Würde der Arbeit und geradezu wahnwitzige Subventionierung von Hungerlöhnen.

Dem soll der Mindestlohn ein Ende bereiten, doch das dürfte ein Irrtum sein. Das Hauptproblem der meisten sogenannten Aufstocker ist nicht ein niedriger Stundenlohn, sondern zu wenig Arbeit. Sie jobben nur stunden- oder tageweise und können schon deshalb nicht davon leben. Ihnen würde vor allem helfen, wenn es für sie mehr Arbeit gäbe. Nur 300.000 der 1,4 Millionen Aufstocker haben eine Vollzeitstelle, darunter 50.000 Lehrlinge, die traditionell kein volles Gehalt bekommen. Außerdem reicht ein Gehalt im Niedriglohnsektor oft nicht aus, wenn eine ganze Familie davon leben soll, auch nicht mit dem jetzt diskutierten Mindestlohn. Und mehr als drei Viertel der Aufstocker, die voll berufstätig sind, haben eine Familie zu versorgen. Das heißt: Die Aufstocker werden bleiben, selbst wenn der Mindestlohn kommt.

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3 Kommentare zu "Mindestlohn: Merkel auf Genossen-Kurs"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Dem stimme ich voll zu.
    Von Kohl wurde die CDU zum Kanzlerwahlverein gemacht, es wurden Abnicker "geliebt", dann kam Merkel und baute die CDU zur sozialistischen Blockparei um

  • Die Merkel jedenfalls entpuppt sich als gnadenlose Sozialistin. Die CDU wehrt sich noch nicht mal dagegen. Dieser Kanzlerwahlverein ist in einer Weise verkommen, wie es gar nicht mehr dargestellt werden kann. Der Euro und die gnadenlose Ausbeutung der deutschen Bevölkerung für ein "politisches Projekt" gehört ebenfalls dazu.
    Es wird Zeit, dass eine wirklich liberale Partei, die den Eurozirkus beendet, NEU gegründet wird.

  • ein Mindestlohn in Deutschland oder in allen EU-Ländern, ist ein wirksames Mittel um "trojanische Pferde" abzuwehren. Gerade in dieser Finanzkrise mit Firmen-Aufkäufen durch ausländische Investoren ........ und was da noch so alles kommen mag........sichert ein Mindestlohn den arbeitenden Bürgen zumindest eine gewisse Existenzgrundlage. Hinzukommt die motivierende Wirkung.