Mindestlohn Das große Experiment

Staatliches Lohndiktat oder Wundermittel gegen Dumping: Der Mindestlohn sorgt für Dauerstreit. Vor den Koalitionsverhandlungen ist die Einführung so gut wie beschlossen. Gerade in Ostdeutschland steht viel auf dem Spiel.
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8,50 Euro pro Stunde: Taxifahrer demonstrierten in Berlin für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes. Quelle: dpa

8,50 Euro pro Stunde: Taxifahrer demonstrierten in Berlin für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEin langer Glaubenskrieg ist so gut wie entschieden. Jahrelang versuchten deutsche Ökonomen, einen gesetzlichen Mindestlohn zu verhindern. Der Sachverständigenrat als wichtigstes wirtschaftspolitisches Beratergremium führte einen regelrechten Feldzug gegen die staatliche Lohnuntergrenze. Eines seiner Gutachten aus dem Jahr 2006 beispielsweise trägt den Titel „Mindestlöhne – ein Irrweg“. 2008 warnten die Chefs von sieben Wirtschaftsinstituten in einem gemeinsamen Statement vor einem „staatlichen Lohndiktat“, das mit „erheblichen Beschäftigungsverlusten“ verbunden sei. Trotz dieser deutlichen Sprache sind die Forschungen zum Mindestlohn weit weniger eindeutig: Manche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass ein Mindestlohn Jobs vernichtet – andere widerlegen das.

Bald können Ökonomen die Auswirkungen vermutlich in der Praxis untersuchen. Die Entscheidung für einen Mindestlohn, so scheint es, ist gefallen. Die SPD hat eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro zur Voraussetzung für eine Regierungsbeteiligung gemacht.

Auch die Union ist nicht abgeneigt. CSU-Chef Horst Seehofer zeigte sich bereits kompromissbereit. Manche Ökonomen warnen nun vor dem Verlust von 1,4 Millionen Jobs – andere erwarten überhaupt keinen Effekt auf den Arbeitsmarkt.

Fest steht: Gerade in Ostdeutschland wären sehr viele Menschen von einem Mindestlohn betroffen. Dort verdienen etwa 25 Prozent der Beschäftigten weniger als 8,50 Euro – im Westen hingegen nur etwa zehn Prozent. „Je höher die Betroffenheit, desto größer ist das Risiko von Arbeitsplatzverlusten“, sagt der Vizechef des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), Ulrich Walwei.

Die Lohnerhöhung durch den Mindestlohn könnte dazu führen, dass Unternehmen Arbeitsplätze abbauen oder auf Neueinstellungen verzichten. Deshalb spielt die Höhe des Mindestlohns vermutlich eine wichtige Rolle.

Genaue Aussagen sind aber schwierig. Unklar ist zum Beispiel, welche Rolle die Marktmacht der Arbeitgeber im Niedriglohnsektor spielt. „Wie sich ein flächendeckender Mindestlohn auf die Beschäftigung auswirkt, ist im Voraus nur schwer kalkulierbar“, sagt Walwei. „Die Einführung wäre ein großes Experiment.“

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81 Kommentare zu "Mindestlohn: Das große Experiment"

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  • ne bescheidene Frage? Wieso sollten Löhne von Wohnungskosten abhängen? oder von Möhren- und Kartoffelpreisen? Ich arbeite für den, der den höchsten Stundensatz zahlt. Das kann in Deutschland sein, in Europa oder in Fernost. Wenn die Löhne/Einkommen wirklich nur nach dem Index für die Kosten eines Warenkorbes ausrichten, dann Gute Nacht. Ich spiele doch nicht Lotto um den 3er zu gewinnen sondern um den Jackpot zu leeren. Wenn gleiche Mindestlöhne dann wird man dort wohnen wo es am billigsten ist.

  • Sie sind ja wirklich ein zutiefst verbitterter Volksgenosse.
    Ich glaube an Gott, an mich und an meine eigene Familie. Sie können gerne vulgär in Gewaltphantasien schwelgen, diese Welt verfluchen und auf den Umsturz hoffen, nur wird der nicht kommen. Die Welt gehört denen, die was aus sich machen - wie es scheint, gehören Sie nicht dazu...

  • Ordoliberalismus predigen aber tatsächlich dem Feudalsozialismus, das ist die entartete Form des Neoliberalismus, als Zuhälter dienen, so sind sie die FDP Klientel und die Konservativen, also die mit dem großen alternativlosen C, auch die haben sich schon längst an die Marktkonformen verkauft, in der Angst der fiskalische Himmel der Welt bricht über ihnen ein und macht sie zu ganz armen Kirchenmäusen, dafür lohnen sich sogar Gesetzesbrüche und Vertragsbrüche. Aber der Popanz der Rechtsstaatlichkeit wird weiter wie eine Monstranz auf perfide und heuchlerische Art und Weise vor sich her getragen. The show must go on!

    Mein Problem ist ich gebe es zu, dass ich diesem Geschnatter noch nicht mal mehr zu hören möchte. Ich sehe gravierende Probleme menschlicher Art wachsen und entschuldigen Sie mich bitte, das akademische Dummgeschwätz von politischen Betrügern dieser etablierten Parteien gehen mir nur noch am unteren Rückgrat vorbei und für die Wähler dieser Politmafia habe ich nur noch Verachtung übrig.

    Im Übrigen, es gilt als gesichert, dass die “Pizza“ immer ungerechter verteilt wird und das geht noch so lange gut bis es mal richtig auf die Fresse gibt, denn eine andere Sprache verstehen diese feudalen Gierlappen bedauerlicherweise wohl nicht mehr! Ordoliberalismus reizt doch nur deren Lachmuskeln.

  • @wiebitte:
    Meinen liebenswürdigsten Dank für Ihren Hilfeversuch. Selbstdezimierung durch Ernährung und Konsum war gemeint, mit Lagern habe ich nichts am Hut. Wer aber anderen gerne die Kehle durchschneiden würde, hat natürlich auch gleich ein feines Lager für Andersdenkende im Sinn. Wem das Geld fehlt, produziert auch nicht Nachwuchs, wenn er nicht explizit dadurch zusätzliches Transfereinkommen generiert.
    Darf ich Ihre Aussage dann so interpretieren, dass Deutschland entwickelter ist als die USA? Am Deutschen Wesen soll wieder die Welt genesen? Ihre gesamte Argumentation lässt auf eine nationale und sozialistische Gesinnung schließen, aber da nehmen sich Linke und Rechte eh nicht viel: Kollektivismus statt Individualismus. Umverteilung nach politisch normierten Ordnungsmerkmalen, sei es Arbeit, Lohn, Wohnraum, was auch immer. Die Pizza wird aber leider nicht größer, nur weil man sie in mehr Stücke zerteilt.
    Im Übrigen bin ich nicht neoliberal, sondern ordoliberal, aber diese Feinheit überfordert Ihr gesundes Volksempfinden bestimmt...

  • Netter Versuch Gnomon, aber damit haben Sie selbst zugegeben dass sie nun Ihr Gehalt, abzüglich 1,3K Brutto, komplett verbrennen müssen. Von Ihrem eigenen Flachbildschirm ganz zu schweigen. Ich sitze auf dem selben "hohen" Ross wie sie und bin sogar bereit auf meinen persönlichen Luxus zu verzichten, wenn das bedeutet dass damit der Lohnausbeutung in Deutschland Einhalt geboten wird. Das ist es doch was ein Mindestlohn bedeutet, nicht mehr alles und jeden für lau zu bekommen, weil der Staat schon die Differenz für unsere Sklaven zahlt, damit die auch morgen noch die Kraft zum Schufften haben. 8,50€ bedeutet bei weitem nicht Luxus, im Gegenteil die CDU wollte ihn nie weil sie behauptet damit würden die Tariflöhne RUNTER gedrückt. Aber es tut sich ja NIE etwas in der Wirtschaft. Da hilft immer nur der Druck der Pubilicity und des Gesetzes damit das Wort sozial in soziale Marktwirtschaft mehr ist als nur reiner Anstrich ist. Oder haben Sie schon mal gehört dass das Thema Leiharbeit bei einer Aktionärsversammlung eine Rolle gespielt hat?

    Was ist denn Ihre Motivation eigentlich? Sind sie Spargelbauer im Brandenburg und wollen auch nächstes Jahr unsere polnischen Nachbarn für 4€ die Stunde buckeln lassen? Mit denen kann man es ja machen, die verdienen ja noch weniger drüben. Oder sind sie eine Fachkraft die NOCH in Festanstellung ist und der selbst der Boden dünn wird und sich vor der Leiharbeit retten will. Vollausgebildet, 20 Jahre Betriebserfahrung in dem Betrieb in dem man WIEDER arbeitet an der selben Position und trotzdem nur 7€ die Stunde verdient? Das ist die REALITÄT in Deutschland!

  • Vor Mitte nächsten Jahres, möglicherweise sogar erst Anfang übernächsten Jahres kommt der Mindestlohn nicht. Hunderte Milliarden Rettungspakete für andere Staaten bzw. deren Banken ginge zur Not inerhalb einer Woche.
    Die CDU/CSU wird schon für reichlich Verzögerung sorgen, es ist noch so viel Beratungsbedarf vorhanden!

  • @cyberpolitics:
    Für die Zukunft meiner Kinder bin ich bereit, die genannten Summen zu bezahlen. Da dies aber erst in 12 und 14 Jahren passieren wird, steht die Aussage unter dem Vorbehalt, dass sich die Dinge an den Unis dort nicht verschlechtern.

  • Fortsetzung
    Es ist aber eine Sache der Logik, wenn sich die vorhandene Arbeit immer weiter globalisiert und auf immer weniger Menschen, aufgrund des extremen Technologiefortschritts, verdichtet, dann geht das auf humanen Wege nicht ohne ein funktionierendes Sozialsystem. Es gäbe dazu nur zwei Alternativen, entweder sie befördern damit extreme Kriminalität und Anarchie oder Sie dezimieren physisch wie Sie es wohl gerne hätten. Fragt sich nur ob Sie genug Gleichgesinnte finden, die ebenfalls Vernichtungs-KZs für sozial Schwache eröffnen möchten. Für mich sind Sie mit diesem Ansinnen noch nicht mal mehr ein ernsthafter Diskussionspartner, Sie haben sich damit eindeutig in dieser Gesellschaft disqualifiziert!

  • @deltaone
    Ich liebe es, wenn mal einer die Maske fallen lässt und das böse Wort dezimieren benutzt im Zusammenhang mit wirtschaftlich schwachen Menschen. Weiß man doch gleich welche ideologische Gehirnwäsche derjenige erleiden musste und das er wohl geistig-moralisch nicht in der Lage ist sich aus dieser selbst zu befreien. Ich versuche mal zu helfen, obwohl ich befürchte das die Degenerationsphase schon zu weit fortgeschritten ist.

    Zu ihrer Information, in anderen wesentlich weniger sozialen Staaten wie z. B. den USA dezimiert man sich schon seit Jahrzehnten und es will einfach nicht aufhören, es kann eigentlich nur noch schlimmer werden. In den USA wird zehn mal mehr menschlicher “Abschaum“ in Gefängnissen weggesperrt als in unseren Gefilden und das schafft sogar vermehrt Arbeitsplätze in der Justiz und dem Sicherheitsgewerbe. Bedauerlich daran ist nur, es produziert weit mehr Opfer als das nicht geringe Heer an Strafgefangenen vermuten lässt. Wer sich so eine gefährliche Umgebung und menschenfeindliche Gesellschaft wünscht, solle doch bitte in das gelobte Land auswandern und die Vorzüge selbst auskosten bevor er dummdreist entwickelteren Nationen dieses Modell verordnen möchte. Ich hoffe Ihre Kinder werden nach ihrem Studium in den USA Ihnen auch von der dunklen Seite der USA aus eigener Anschauung erzählen können, vielleicht vermag das ihre Augen zu öffnen.

    Sie haben in soweit Recht, dass das Sozialsystem wegen unnützer bzw. schädlicher Einwanderung, typische Einwanderungsländer gehen da wesentlich intelligenter vor, aus politischen aber auch zeitweise aus wirtschaftlichen Gründen kleiner Interessengruppen überfordert wurde und weiterhin überfordert wird. In der Beziehung verstehen sich linksradikale Multikultianhänger und neoliberales Unternehmertum hervorragend und schaden mit gewolltem Vorsatz der eigenen Gemeinschaft in einem nicht unerheblichen Maße.
    Fortsetzung

  • @deltaone - hm, also ist Ihnen ein Bachelor sozusagen $240,000+ wert. Harvard gibt die Tuition z.Z. mit ca. $65,000 pro acadamic year an. Wobei das akademische Jahr in den USA 9 Monate beträgt - ca. August bis Mai. Da der Weg zum Bachelor regulär 4 Jahre in Anspruch nimmt, ist also mindestens die oben genannte Summe plus 4x1Quartal zu berappen. Jetzt stelle ich mal die Frage, die sich die meistens US-amerikanischen Studenten inzwischen stellen: Lohnt sich das, stimmen das Preis-Leistungs-Verhältnis und der ROI?

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