Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Mindestlohn Mehr Geld, weniger Jobs: Warum die Gleichung nicht aufgeht

Der Mindestlohn ist in der Politik umstritten. Ökonomen sind sich bei seiner Beurteilung dagegen einig: Der Mindestlohn gefährdet vor allem Minijobs.
Kommentieren
Auch nach Einführung des Mindestlohns sind die Arbeitszahlen kräftig gestiegen. Quelle: dpa
Löhne

Auch nach Einführung des Mindestlohns sind die Arbeitszahlen kräftig gestiegen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Bevor in Deutschland im Januar 2015 erstmals eine allgemeine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro eingeführt wurde, hatten deutsche Ökonomen entsprechende Pläne scharf kritisiert und hohe Beschäftigungsverluste vorausgesagt. Die simple Logik dahinter: Wenn Arbeitskräfte teurer werden, werden weniger Arbeitskräfte nachgefragt.

Wer weniger bringt, als er nach der neuen Regelung kostet, wird arbeitslos. Die Kritiker sagten den Verlust von 500.000 bis zu mehr als einer Million Arbeitsplätzen durch die Mindestlohneinführung voraus. Andreas Knabe, Ronnie Schöb und Marcel Thun etwa prognostizierten 2014 in ihrem Standardmodell den Verlust von einer halben Million Minijobs, 250.000 sozialversicherungspflichtigen Stellen sowie 90.000 Rentner- und Studentenjobs. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung schrieb in seinen Jahresgutachten seit 2004 gegen den Mindestlohn an, mit dem Argument, er werde sehr viele Stellen kosten.

Der Verein für Socialpolitik, die führende deutschsprachige Ökonomenvereinigung, hat sich nun mit einem Themenheft seiner Zeitschrift „German Economic Review“ der Frage gewidmet, ob und wie viele Arbeitsplätze die Lohnuntergrenze nun tatsächlich gekostet hat.

Den ersten Anschein haben die Kritiker gegen sich. Die Beschäftigung stieg im Jahr der Einführung des Mindestlohns und in den Folgejahren kräftig an. Das kann aber natürlich nicht direkt auf die Mindestlohneinführung zurückgeführt werden. Es ist ja möglich, dass bei der guten Konjunkturlage noch mehr Stellen geschaffen worden wären, wenn der Mindestlohn nicht eingeführt worden wäre.

Um den Einfluss der Lohnuntergrenze zu isolieren, vergleichen empirische Studien, wie die Beschäftigungsentwicklung dort war, wo der Mindestlohn eine große Rolle spielt und wie sie dort war, wo er eine geringe oder keine Rolle spielt, weil das allgemeine Lohnniveau zu hoch ist. Die Gruppenbildung kann sich dabei nach Regionen richten, also Niedriglohnregionen versus Hochlohnregionen, oder nach Wirtschaftszweigen, oder nach persönlichen Merkmalen der Arbeitnehmer.

Grundannahme: Vollkommene Konkurrenz

Theoretisch lassen sich sowohl positive als auch negative Wirkungen des Mindestlohns auf die Beschäftigung begründen. Das von Kritikern favorisierte theoretische Modell geht davon aus, dass auf Güter- und Arbeitsmärkten annähernd vollkommene Konkurrenz herrscht.

Es gäbe dann keine Gewinne zu verteilen und die Beschäftigten würden annähernd mit dem Ertrag vergütet, den ihre Arbeit hervorbringt. Zwingt man unter solchen Bedingungen die Arbeitgeber, Niedriglöhnern mehr zu bezahlen, werden deren Arbeitsplätze wegrationalisiert, weil sie sich nicht mehr lohnen.

Das wichtigste Konkurrenzmodell geht davon aus, dass die Arbeitgeber in unterschiedlich großem Umfang Marktmacht als Arbeitsnachfrager haben. Das beruht vor allem darauf, dass die Arbeitnehmer in Pendelreichweite nur eine sehr begrenzte Auswahl an möglichen Arbeitgebern und freien Stellen vorfinden.

Eingeschränkte Konkurrenz erlaubt den Arbeitgebern, die Löhne niedrig zu halten und dadurch ihren Gewinn zu steigern. Eine Vorschrift zur Erhöhung der niedrigsten Löhne muss daher nicht dazu führen, dass sich die entsprechenden Arbeitsplätze für die Arbeitgeber nicht mehr lohnen. Sie kann sogar theoretisch dazu führen, dass sie mehr Leute einstellen. Denn der sonst übliche Effekt, dass man höhere Löhne bieten muss, um mehr Arbeitsplätze zu füllen, fällt weg, wenn die Löhne ohnehin erhöht sind.

Zwei Beiträge mit sehr ähnlicher Methodik von Alfred Garloff vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und Sebastian Schmitz vom Arbeitsministerium sind symptomatisch für das Spektrum der Ergebnisse. Beide nutzen den Anteil Niedriglohnbeschäftigter verschiedener Regionen, um die Effekte des Mindestlohns zu isolieren.

Ökonomischer Effekt umstritten
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Mindestlohn - Mehr Geld, weniger Jobs: Warum die Gleichung nicht aufgeht

0 Kommentare zu "Mindestlohn: Mehr Geld, weniger Jobs: Warum die Gleichung nicht aufgeht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote