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MINT-Gipfel Mühevolles Marketing: Mindestens 311.000 MINT-Kräfte fehlen in Deutschland

Viele Akteuren fehlt es an überregionaler Schlagkraft und Koordination. Gegen den Megamangel an MINT-Kräften soll nun die Vernetzung aller Akteure helfen.
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Viele Branchen suchen nach technisch versierten Angestellten. Quelle: Cultura/Getty Images
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Viele Branchen suchen nach technisch versierten Angestellten.

(Foto: Cultura/Getty Images)

BerlinBarack Obama forderte einst: „Make stem a national priority.“ „Stem“ ist der englische Begriff für das, was in Deutschland „MINT“ genannt wird – also die Fächer Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Beim Gipfeltreffen des Nationalen MINT-Forums (NMF) an diesem Donnerstag wollen Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Stiftungen einen neuen Anlauf nehmen, MINT-Berufe attraktiver zu machen.

Das ist nötiger denn je: Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fehlen aktuell mindestens 311.000 MINT-Kräfte in Deutschland. Der Mangel an IT-Kräften hat sich in nur vier Jahren auf fast 60.000 verdreifacht.

Ein großes Problem der MINT-Szene ist, dass es zwar sehr viele Akteure in Wirtschaft, Wissenschaft und Stiftungen gibt, es aber an überregionaler Schlagkraft und Koordination fehlt (siehe auch Interview), so dass das Rad immerzu neu erfunden wird. Große Hoffnung setzt das NMF hier auf den MINT-Aktionsplan von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), der neben einem Wettbewerb zur Koordination der regionalen Akteure auch eine MINT-E-Plattform und eine nationale Vernetzungsstelle vorsieht.

Letztere soll „beitragen, Beispiele guter MINT-Praxis und -Initiativen bundesweit zu vernetzen und die Transparenz zu erhöhen“, sagte ein Sprecher Karliczeks. Sie soll die Akteure zusammenbringen, Leuchttürme identifizieren und den einzelnen Initiativen bei der „selbstgesteuerten Qualitätssicherung“ helfen.

Damit scheint die anfängliche Skepsis des NMF, es gehe nur um das Sammeln der unzähligen Aktivitäten auf einer Plattform, ausgeräumt. „Wir freuen uns über die Ausschreibung zur geplanten Vernetzungsstelle“, sagte NMF-Co-Sprecher Ekkehard Winter von der Telekom-Stiftung. „Wir sehen darin großes Potenzial für die außerschulische MINT-Bildung und halten es für sehr wichtig, dass sie sinnvoll mit den vorhandenen Strukturen und Netzwerken verknüpft wird.“

Neben der Koordination fordern die MINT-Aktivisten vor allem bessere Informationen in den Schulen. „Wir brauchen einen Perspektivwechsel in der Berufs- und Studienorientierung in den Schulen“, sagt Nathalie von Siemens, Sprecherin des Nationalen MINT Forums.

Denn die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen „werde Berufe wählen, die wir heute noch gar nicht kennen – daher müssen wir sie jetzt darin unterstützen, nicht nur die gängigen MINT-Berufe kennen zu lernen, sondern ihre eigenen Stärken, Interessen und Mitgestaltungsmöglichkeiten zu entdecken“. Zentral sei dabei die Kooperation mit außerschulischen Akteuren, aber auch „die Einbindung von Quereinsteigern mit Bildungsbiografien jenseits der klassischen Lehramtsausbildung“.

„Zu wenig qualifizierte junge Leute“

Der Autor des MINT-Nachwuchsbarometers, Olaf Köller, setzt auf Frauen und schwächere Schulabgänger, um die MINT-Lücke zumindest zum Teil zu füllen: „Im dualen System steigen die Zahlen unbesetzter Ausbildungsplätze, weil sich zu wenig qualifizierte junge Leute auf diese Stellen bewerben. Und nur elf Prozent der Ausbildungsverträge im MINT-Bereich werden mit jungen Frauen abgeschlossen, am allerwenigsten in Informatik“, sagt der Chef des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik.

Helfen könnten die Nachqualifikation schwacher Schulabsolventen im berufsbildenden System und mehr Ausbildungspraktika für schwach qualifizierte junge Menschen in Betrieben. Um Mädchen anzuwerben, brauche es neue Rollenmodelle, denn „erfolgreiche Menschen im MINT-Bereich, so das Geschlechterstereotyp, sind weiß und männlich“, so Köller.

Weit größere Chancen habe man zudem, wenn man Mädchen schon vor der Pubertät für Technik und Naturwissenschaften interessiere. Doch „egal, wie sehr sich der Ausbildungsmarkt anstrengt, man wird MINT-Fachkräfte importieren müssen, zumal wir auch in anderen Berufen wie Erziehung und Pflege zu wenig qualifizierte Bewerber haben“.

Mehr: Jeder vierte Viertklässler hat Defizite in Mathematik. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften fordert daher eine Frühförderung – bereits ab der Kita.

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