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Mitgliedervotum Diese Kandidatenduos ringen um den SPD-Vorsitz

Außer Olaf Scholz sind die meisten anderen Bewerber um den SPD-Parteivorsitz vor allem eines: unbekannt. Die Kandidaten im Überblick.
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Berlin Seit dem Rücktritt von Andrea Nahles ist nicht geklärt, wer als Nächstes die SPD führen wird. Noch bis zum 1. September können sich Kandidaten für den SPD-Bundesvorsitz bewerben. Bisher gibt es sieben Kandidatenduos und drei Einzelbewerber. Die meisten sind gegen eine GroKo. Über die Besetzung des Amtes wird am Ende die Basis entscheiden.

Scholz/Geywitz

Zunächst hatte der Bundesfinanzminister eine Kandidatur abgelehnt. Quelle: dpa
Olaf Scholz und Klara Geywitz

Zunächst hatte der Bundesfinanzminister eine Kandidatur abgelehnt.

(Foto: dpa)

Personen: Olaf Scholz hatte eine Kandidatur zunächst mit dem Hinweis abgelehnt, sein Amt als Bundesfinanzminister lasse sich schon allein zeitlich nicht mit dem Parteivorsitz vereinbaren. Vergangene Woche trat er dann doch an. Der spröde Hanseat ist und war nie der Darling der Partei. Seine Wahlergebnisse als SPD-Vize sind legendär schlecht. Mit der Brandenburgerin Klara Geywitz hat er jetzt eine ostdeutsche Politikerin an seiner Seite, die betont bürgernah und bodenständig auftritt. Allerdings ist sie jenseits der brandenburgischen Landesgrenze so gut wie unbekannt.

Positionen: Das Duo will die Große Koalition über die Runden retten. „Wir stehen für eine SPD, die die Probleme löst. Das kann man nur in der Regierung“, sagt Geywitz.

Chancen: An der Parteibasis und in Teilen des Funktionärsapparats sind die Vorbehalte gegen die Berliner GroKo mittlerweile riesig. Das Duo steht vor einer großen Herausforderung, wenn es die Stimmung noch drehen will.

Stegner/Schwan

Ursprünglich wollte Schwan ein Duo mit Kevin Kühnert bilden. Quelle: ddp/INTERTOPICS/pa
Ralf Stegner und Gesine Schwan

Ursprünglich wollte Schwan ein Duo mit Kevin Kühnert bilden.

(Foto: ddp/INTERTOPICS/pa)

Personen: Gesine Schwan hatte früh Interesse an einer Kandidatur signalisiert. Ihr Plan, mit Kevin Kühnert ein Duo zu formen, scheiterte. Der Juso-Chef wollte nicht. Die zweifache Kandidatin der SPD für das Amt der Bundespräsidentin einigte sich schließlich mit Ralf Stegner. Schwan ist langjährige Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission. Stegner ist Partei-Vize.

Positionen: Stegner ist die omnipräsente Stimme des linken Parteiflügels. „Nach dieser Legislaturperiode ist spätestens Schluss mit dieser sogenannten Großen Koalition“, sagt Stegner. Die SPD dürfe nicht weiter eine „ängstliche Vogel-Strauß-Politik betreiben“, ergänzt Schwan.

Chancen: Stegner und Schwan gehören zum Partei-Establishment. Stegner hat sich auch unter Parteifreunden den Ruf des ewigen Besserwissers redlich erarbeitet. Dass sich Schwan und Stegner selbst als „Powerduett“ bezeichnen, sorgt unter Genossen für Spott. Die „Kandidaten der Herzen“ sind sie sicher nicht.

Roth/Kampmann

Die formalen Voraussetzungen für eine Kandidatur hat das Duo bereits erfüllt. Quelle: Hans Christian Plambeck/laif
Michael Roth und Christina Kampmann

Die formalen Voraussetzungen für eine Kandidatur hat das Duo bereits erfüllt.

(Foto: Hans Christian Plambeck/laif)

Personen: Die ehemalige nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann und Europa-Staatsminister Michael Roth haben sich Anfang Juli überraschend als Kandidaten-Duo für den Vorsitz ins Rennen gebracht. Kampmann ist NRW-Landtagsabgeordnete. Roth kommt aus Hessen und sitzt seit 1998 im Bundestag.

Position: Kampmann und Roth gehören zu den GroKo-Gegnern, wenngleich sie ihre Skepsis etwas dezenter vorbringen als andere Kandidaten. Die SPD müsse „wieder zu einer starken linken Volkspartei werden“, sagt Kampmann. Das Duo will die Schuldenbremse lösen und fordert mehr Investitionen.

Chancen: Das Team ist anderen Duos einen Schritt voraus: Es hat die formale Voraussetzung für die Kandidatur – die Zustimmung von fünf Unterbezirken, fünf Bezirken oder einem Landesverband – bereits erfüllt. Dennoch dürfte die mangelnde Bekanntheit insbesondere von Christina Kampmann zu einer Bürde für die Kandidatur werden.

Mattheis/Hirschel

Das Duo lehnt eine Fortführung der Großen Koalition explizit ab. Quelle: dpa
Hilde Mattheis und Dierk Hirschel

Das Duo lehnt eine Fortführung der Großen Koalition explizit ab.

(Foto: dpa)

Personen: Hilde Mattheis ist seit vielen Jahren so etwas wie die „linke Seele“ ihrer Partei. Die Abschaffung der Hartz-Reformen ist eines ihrer Anliegen. Die Bundestagsabgeordnete ist Vorsitzende des „Forums Demokratische Linke 21“ innerhalb der SPD. Ihr Partner Dierk Hirschel ist Mitglied im Vorstand der linken SPD-Gruppierung. Im Hauptberuf arbeitet Hirschel als Chefökonom der Gewerkschaft Verdi.

Positionen: Das Duo zieht offen gegen die Große Koalition in Berlin zu Felde. „Kämpft mit uns für eine Sozialdemokratie, die ihrem Namen alle Ehre macht“, ruft Mattheis ihren Unterstützern per Twitter zu. „Wir haben eine klare Analyse, warum die Partei am Boden liegt“, sagt Hirschel. Es gelinge der SPD in der Großen Koalition nicht, eine wirklich soziale Politik zu machen.

Chancen: Mattheis ist in der Partei eine feste Größe mit Unterstützerkreis im linken Flügel. Hirschel dagegen muss sich einem größeren Publikum erst noch bekannt machen. Bei GroKo-Gegnern dürfte das Duo punkten.

Köpping/Pistorius

Ein Kandidatenduo, das man ernst nehmen muss. Quelle: dpa
Petra Köpping und Boris Pistorius

Ein Kandidatenduo, das man ernst nehmen muss.

(Foto: dpa)

Personen: Die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping und der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius bilden eines von drei Ost-West-Duos im Wettstreit um die Parteispitze. Pistorius hat sich als Innenminister rund um Migration und innere Sicherheit einen Namen gemacht. Gegen islamistische Gefährder fuhr er schweres Geschütz auf. Köpping, die auf Erfahrungen als Kommunalpolitikerin verweisen kann, sieht sich als „starke Stimme aus dem Osten“.

Positionen: Ob rein oder raus aus der Großen Koalition sei für ihn nicht die Frage, sagt Pistorius. Man müsse schauen, „was mit der CDU noch möglich ist“. Eine Rezession müsse durch kluge präventive Wirtschaftspolitik abgefedert werden. Köpping sieht die SPD als Garantin für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Chancen: Köpping und Pistorius sind Pragmatiker mit Herz und Verstand. Sie können auf prominente Unterstützer verweisen und gehören zu den Bewerbern, die man ernst nehmen muss.

Lange/Ahrens

Vor allem die kommunale Ebene ist dem Duo wichtig. Quelle: dpa
Simone Lange und Alexander Ahrens

Vor allem die kommunale Ebene ist dem Duo wichtig.

(Foto: dpa)

Personen: Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, hatte sich bereits beim SPD-Parteitag im April 2018 als Vorsitzende zur Wahl gestellt. Sie unterlag zwar gegen Andrea Nahles, erzielte aber mit knapp 28 Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg. Alexander Ahrens ist Oberbürgermeister von Bautzen.

Positionen: Ahrens und Lange rücken die Belange der kommunalen Ebene in den Fokus. Es sei wichtig, aus den Kommunen heraus „Verantwortung für unsere Partei zu übernehmen, sie zu erneuern und die drängenden und wichtigen Themen unserer Zeit auf die Tagesordnung zu setzen“, sagt Ahrens.

Chancen: Ahrens ist auf Bundesebene so gut wie unbekannt, Lange dagegen hat sich seit ihrer Kandidatur im Frühjahr 2018 immer wieder zu Wort gemeldet. Sie profiliert sich mit dezidiert linken Positionen und geht mit dem Partei-Establishment hart ins Gericht. Das Duo startet auf einer Außenseiterposition, ist aber für Überraschungen gut.

Scheer/Lauterbach

Beim linken Parteiflügel kommen die beiden gut an. Quelle: imago images / Reiner Zensen
Nina Scheer und Karl Lauterbach

Beim linken Parteiflügel kommen die beiden gut an.

(Foto: imago images / Reiner Zensen)

Personen: Karl Lauterbach und Nina Scheer sind zwar keine Stars der SPD, in der Bundestagsfraktion gehören sie aber zu den allseits anerkannten Fachleuten in ihren Bereichen. Das gilt insbesondere für den Gesundheitspolitiker Lauterbach. Scheer trommelt seit Jahren für eine engagiertere Energie- und Umweltpolitik.

Positionen: Lauterbach und Scheer haben die Große Koalition satt: „Wir gehen beide davon aus, dass die Große Koalition nicht in der Lage ist, den anstehenden Herausforderungen zukünftig gerecht zu werden“, steht in ihrem Bewerbungsschreiben. Beide zählen zum linken Flügel ihrer Partei.

Chancen: Lauterbach und Scheer sind seit Jahren auf ihre jeweiligen Themengebiete festgelegt, als Generalisten sind sie bislang nicht in Erscheinung getreten. Trotz aller Sympathie, die ihnen vom linken Parteiflügel entgegengebracht wird, dürfte es den beiden Bundestagsabgeordneten schwerfallen, große Teile der Basis von sich zu überzeugen.

Die Einzelkandidaten

Robert Maier: Der Kaufmann ist Vize-Präsident des SPD-Wirtschaftsforums. Er gründete 2009 das Unternehmen Visual Meta, das 2011 mehrheitlich von der Springer AG übernommen wurde. Er blieb bis 2018 geschäftsführender Gesellschafter. Auf seiner Agenda stehen Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Digitalisierung ganz oben. Einen „Linksruck der SPD mit Enteignungsplänen“ lehnt er ab.

Hans Wallow: Der Autor, von 1981 bis 1983 und von 1990 bis 1998 SPD-Bundestagsabgeordneter und heute 79 Jahre alt, erklärte im Juli seine Kandidatur. Er verfüge über die Erfahrung, die für einen Neuanfang nötig sei, sagte er.

Karl-Heinz Brunner: Der bayerische SPD-Bundestagsabgeordnete erklärte zu Wochenbeginn, er wolle kandidieren. Er ist Mitglied im konservativen Seeheimer Kreis der SPD. Er wolle sicherstellen, dass im Auswahlprozess „die ganze Vielfalt der Partei widergespiegelt wird“. Derzeit gebe es einen Überhang der GroKo-Gegner.

Mehr: Klara Geywitz und Olaf Scholz wollen die SPD aus der Krise führen. Unklar bleibt, ob Geywitz aus dem Schatten des Vizekanzlers heraustreten kann.

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