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Mobilfunkstandard Showdown bei der 5G-Vergabe – Im letzten Moment wird alles mobilisiert

Die Bundesnetzagentur zurrt die letzten Details für die Vergabe von 5G fest. Industrie, Netzbetreiber und Politik haben unterschiedliche Wünsche – und machen Druck.
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Ende November sollen alle Details geklärt werden. Doch welche Vorgaben es für das nationale Roaming gibt, bleibt umstritten. Quelle: dpa
5G

Ende November sollen alle Details geklärt werden. Doch welche Vorgaben es für das nationale Roaming gibt, bleibt umstritten.

(Foto: dpa)

Berlin, DüsseldorfIm letzten Moment wird alles mobilisiert. Es geht um den nächsten Mobilfunkstandard 5G und damit um die Basis für die digitale Zukunft der Wirtschaft. Besonders Autobauer pochen auf einen flächendeckenden Ausbau. Die Netzbetreiber wollen möglichst geringe Auflagen. Und in der Mitte steht die Bundesnetzagentur.

Am heutigen Montag setzt sich die Behörde mit ihrem politisch besetzten Beirat zusammen. Agenturpräsident Jochen Homann hatte im Handelsblatt vor drei Wochen bereits die Eckpunkte für die Vergabe der Frequenzen für 5G im kommenden Jahr festgelegt. Eigentlich besitzt der Beirat kein Vetorecht. Doch Homann hat deutlich gemacht, dass er sich mit der Politik einigen will.

Politiker aus CDU und SPD pochen auf etwas härtere Auflagen für die Versorgung. „Die eine oder andere Verbesserung etwa bei der Versorgung entlang der Schienen- oder Wasserwege wird sicher noch möglich sein“, sagte der Beiratsvorsitzende, der Bundestagsabgeordnete Joachim Pfeiffer (CDU), dem Handelsblatt. „Wichtig ist aber, dass wir jetzt die Auktion voranbringen.“ Bis spätestens Ende November sollen alle Details geklärt sein.

Für Telekom, Vodafone und Telefónica rechnen sich die Investitionen in Gebieten mit vielen Kunden. Auf dem Land gibt es jedoch Regionen, in denen sich ein modernes Mobilfunknetz nicht profitabel realisieren lässt. Doch die Politik will verhindern, dass diese Regionen abgehängt werden. In einem Appell forderten zudem Bürgermeister, Landräte und Geschäftsführer von Mainz bis Ulm: „Fehler, die jetzt gemacht werden, öffnen die Schere zwischen Stadt und Land weiter.“

Die Netzbetreiber wollen ausbauen, sich allerdings nicht von der Politik vorschreiben lassen, wo und wie. „Deutschland hat alle Chancen, weiter in der ersten Liga der Technologiestaaten mitzuspielen, wenn die Rahmenbedingungen für die 5G-Auktion fair und verlässlich gesetzt werden“, sagt Telekom-Deutschlandchef Dirk Wössner. Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter sagt: „Ein Zwangsausbau zuerst auf allen Feldern bringt den Wirtschaftsstandort Deutschland nicht weiter.“

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Es gibt einen weiteren Konfliktpunkt: das nationale Roaming. Der Vorgang bezeichnet das Teilen der Infrastruktur mit anderen Anbietern. Gerät ein Vodafone-Kunde etwa in ein Funkloch, soll er auf das Netz der Telekom zugreifen können. So die Theorie. Die Netzbetreiber wollen sich zu so einem Übereinkommen aber nicht von der Politik verpflichten lassen.

Telekom-Vorstand Wössner sagt: „Wir haben stets betont, dass verpflichtendes nationales Roaming die investierenden Netzbetreiber enteignet, Investitionsanreize werden vernichtet.“ Behördenpräsident Homann sagte, er könne Netzbetreiber nur zum nationalen Roaming verpflichten, wenn eine wettbewerbsbeherrschende Stellung vorliege. Die sei jedoch nicht vorhanden.

Damit ist die Diskussion aber noch nicht abschließend vom Tisch. Es sei die „Bereitschaft vorhanden“, die rechtlichen Möglichkeiten zu schaffen, sagt der Beiratsvorsitzende Pfeiffer. „Ich bin zuversichtlich, dass wir etwas Positives hinbekommen.“

„Ein großer Wurf sieht anders aus“

Der stellvertretende Vorsitzende, der Umweltminister von Niedersachsen Olaf Lies (SPD), sagte: „Am Montag werden wir den Vorschlag diskutieren und sicher eine ganze Reihe von Fragen stellen.“ Da der Vorschlag der Agentur hinter den Forderungen des Beirats nach einer flächendeckenden Versorgung mit 5G zurückbleibe, sei „sicher mit größerer Kritik zu rechnen“.

Sein Fazit: „Ein großer Wurf sieht anders aus.“ Spätestens bei einer der nächsten Auktionen müsse es dann klare Vorgaben geben. So ist die Rede davon, unterversorgte Gebiete zu versteigern und mit Steuergeld zu bezuschussen.

Allerdings hat es nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen Finanzminister Olaf Scholz abgelehnt, dafür Geld zur Verfügung zu stellen. Der Staat will bereits in den kommenden Jahren zehn bis zwölf Milliarden Euro in den Glasfaserausbau investieren und so unrentable Gebiete mit Zuschüssen erschließen.

Experten loben die Entscheidung der Netzagentur, zunächst bedarfsgerecht auszubauen und vor allem regionale und lokale Netze zu ermöglichen, damit auch die Industrie im Bereich 5G innovativ sein kann. Firmen wie Volkswagen, Siemens und Bosch erwägen, von der Bundesnetzagentur Lizenzen zu erwerben, um eigene 5G-Netze aufzubauen. Damit könnten sie etwa ihre Produktionsanlagen mit dem Echtzeitmobilfunk versorgen.

Telekom, Vodafone und Telefónica warnen hingegen vor einer Zersplitterung der Mobilfunklandschaft. „Wer auf Profit aus ist, macht hier mit und sammelt Deutschlands lukrativste Städte, ohne auch nur einen Euro ins Land zu investieren“, kritisiert Vodafone-Deutschlandchef Ametsreiter.

Professor Thomas Magedanz, Leiter des Geschäftsbereichs softwarebasierter Netzwerke am Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus), sagt jedoch: „Bei der 5G-Frequenzvergabe an lokale und regionale Betreiber geht es nicht darum, die traditionellen Netzbetreiber zu verdrängen, sondern das zusätzliche Innovationspotenzial zu nutzen, um die Vorreiterstellung von Deutschland im Bereich Industrie 4.0 zu sichern.“ So seien Unternehmen in der Lage, eigene Netze aufzubauen und Kompetenzen zu erwerben, und müssten nicht warten, bis die Mobilfunkunternehmen den Ausbau vornehmen.

Vernetzung von Industrieanlagen mit 5G möglich

Der Institutsleiter am Fraunhofer Fokus, Professor Manfred Hauswirth, warnt davor, weiter Zeit zu verlieren bei der Vergabe der Frequenzen. „Die Unternehmen im Silicon Valley sind bei der Entwicklung von Internetgeschäftsmodellen führend. Industrie 4.0 hingegen kommt aus Deutschland. Wir brauchen 5G, damit wir die Spitzenposition in dem Bereich halten können.“

Fraunhofer Fokus gehört zu den führenden Einrichtungen bei der Entwicklung der 5G-Technologie. Mit ihr werden die Netze erst intelligent, weil es erstmals zur Virtualisierung wie bei einer Cloud kommt. „5G ist ein adaptives Kommunikationsnetz“, sagt Magedanz. „Wie mit einem Lego-Baukasten können die Software-Bausteine zu einem bedarfsgerechten Netz zusammengestellt werden.“ Glasfaserkabel und Funkmasten sind da nur die Grundlage für eine Netz-Revolution.

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Mit 5G können auch Anlagen virtuell vernetzt und gesteuert werden. Es geht darum, „den Kabelsalat“ in den Fabrikhallen zu beseitigen, sagen Experten, und durch neue Netzwerke Cloud-basiert zu steuern und zu warten. Ebenso bei der schnellen Verarbeitung von Bildinformationen wie bei autonom fahrenden Autos, die mit Sensoren und Laser ihre Umgebung erfassen und auf der Basis Entscheidungen treffen, spielt 5G eine große Rolle.

„Es geht nicht nur um schnelle Datenübertragung, sondern auch um eine intelligente Datenverarbeitung“, sagt Hauswirth. So sei es möglich, hohe Datenmengen direkt am Ort der Erfassung zu bewerten und nicht erst zu verschicken. „Daten von Überwachungskameras beispielsweise, die lokal ausgewertet werden, erhöhen die Sicherheit, und das zu übertragene Datenvolumen wird drastisch reduziert – ganz im Sinne eines Privacy by Designs.“

5G könnte viele neue Anwendungen möglich machen. Die interessantesten Szenarien werden gerade erst entwickelt.

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