Moderne Familienpolitik Echte Partnerschaft – Fehlanzeige

Für Familienministerin Schwesig setzt moderne Familienpolitik auf Partnerschaft. Doch in kaum einem Land ist die Arbeitszeit zwischen Paaren so ungleich verteilt wie in Deutschland. Schuld daran ist auch die Politik.
In vielen Familien herrscht noch eine typische Rollenverteilung, bei der Kindererziehung Frauensache ist. Quelle: AFP
Mutter mit ihrem Kind

In vielen Familien herrscht noch eine typische Rollenverteilung, bei der Kindererziehung Frauensache ist.

(Foto: AFP)

BerlinFamilienministerin Manuela Schwesig hat gerade erst wieder deutlich gemacht, was sie unter echter Partnerschaft in der Familie versteht: Beim ersten Kind hatte die SPD-Politikerin – damals noch Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern – eine Auszeit genommen. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes sei nun ihr Mann mit der Elternzeit dran, ließ die 41-Jährige diese Woche wissen.

Kaum im Amt, hatte Schwesig Anfang vergangenen Jahres versucht, ihre private Vorstellung von echter Partnerschaft Gesetz werden zu lassen. Doch ihr Vorschlag, Eltern mit Kleinkindern sollten beide nur 32 Stunden pro Woche arbeiten und sich den Verdienstausfall vom Steuerzahler ersetzen lassen, kam damals bei der Regierungschefin nicht gut an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kassierte die Idee als „persönlichen Debattenbeitrag“ gleich wieder ein.

Trotzdem beharrt Schwesig darauf, dass moderne Familienpolitik auf Partnerschaft setzt. Sprich: Beide Partner in einer Beziehungen sollen sich die familiären Pflichten gerecht teilen. Wenn gewünscht, solle jeder auch die gleiche Möglichkeit haben, sich beruflich verwirklichen zu können. Der Mann als Ernährer und die Frau, die nur zu Hause sitzt oder bestenfalls in Teilzeit jobbt - das soll es nicht mehr geben.

Nun zeigt eine Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), dass die Realität von Schwesigs Partnerschaftsideal weit entfernt ist. Denn in kaum einem Land ist die Aufteilung der Erwerbsarbeit zwischen Männern und Frauen so ungleich verteilt wie in Deutschland.

Während Frauen hierzulande im Schnitt pro Woche 16 Stunden weniger arbeiten als ihre Partner, sind es in den meisten osteuropäischen Ländern nur drei Stunden, haben die WZB-Forscherin Lena Hipp und die Bildungssoziologin Kathrin Leuze von der Universität Hannover auf Basis der Europäischen Arbeitskräfteerhebung von 2011 ermittelt.

In Italien ist der Unterschied mit 19 Stunden etwas größer als in Deutschland. In Großbritannien und den USA fällt er dagegen mit 15 beziehungsweise zwölf Stunden geringer aus. Das Ideal einer Fifty-Fifty-Aufteilung der Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern sei allerdings in keinem der 27 untersuchten Länder erreicht, konstatieren die Wissenschaftlerinnen.

Die Gründe dafür, dass Männer im Schnitt deutlich länger arbeiten als ihre Partnerinnen, sind unterschiedlich: Zum einen arbeiten Frauen tendenziell eher in Berufen mit niedrigerem Status – und damit meist mit geringerer Bezahlung. Reduzieren sie ihre Arbeitszeit, ist der finanzielle Verlust geringer als bei ihren Partnern. Auch die Kinderbetreuung ist meist noch Frauensache: Laut der Studie wächst der durchschnittliche Arbeitszeitunterschied bei Paaren mit jedem Kind um fast sechs Stunden.

Zudem spiele die Politik eine entscheidende Rolle bei der Aufteilung der Erwerbsarbeit, heißt es weiter. Beispiel Kitas: Wäre die Kleinkinderbetreuung in Deutschland zum Untersuchungszeitraum schon ähnlich gut ausgebaut gewesen wie in Dänemark, würden Frauen hierzulande im Schnitt nicht 16, sondern nur zehn Stunden weniger arbeiten als ihre Partner. Beispiel Steuerpolitik: Das Ehegattensplitting zementiert aus Sicht der Forscherinnen die ungleiche Verteilung. Im Vergleich zu unverheirateten Frauen arbeiten Ehefrauen hierzulande rund fünf Wochenstunden weniger als ihre Partner. In Schweden dagegen unterscheide das System einer Einkommensbesteuerung nicht zwischen Paaren mit und ohne Trauschein. Der Unterschied bei der Aufteilung der Arbeit liegt dort nur bei rund sechs Stunden.

Die erfolgreichsten Frauen der USA
Platz 10: Ellen Kullman (DuPont)
1 von 10

Ellen Kullman hat den Chemiekonzern DuPont in die Erfolgsspur gebracht. In der Amtszeit der studierten Maschinenbauerin hat sich der Börsenwert des Unternehmens verdoppelt. Kullman selbst verdiente im vergangenen Jahr 13,1 Millionen US-Dollar. Das reichte für den zehnten Platz in einer Rangliste der bestbezahlten weiblichen Manager. Sie wurde von der Nachrichtenagentur Associated Press und dem Gehaltsdatendienst Equilar erstellt.

Im Schnitt stieg das Gehalt von Top-Managerinnen der Studie zufolge um 21 Prozent auf 15,9 Millionen; das ihrer männlichen Kollegen sank um 0,8 Prozent auf 10,4 Millionen. Allerdings fanden sich unter 340 Vorstandschefs gerade einmal 17 Frauen.

Quelle: Associated Press

Platz 9: Irene Rosenfeld (Mondelez International)
2 von 10

Der Hersteller von Oreo-Keksen hat die Gesamtvergütung Irene Rosenfelds im vergangenem Jahr um 14 Prozent auf 15,9 Millionen US-Dollar erhöht. Seit neun Jahren führt die gebürtige New Yorkerin den Lebensmittelkonzern Mondelez International, der früher Kraft Foods hieß.

Platz 8: Patricia Woertz (Archer Daniels Midland)
3 von 10

Neun Jahre lang leitete Patricia Woertz den Konzern Archer Daniels Midland, der unter anderem Pflanzenöl, Ethanol und Zutaten für Fertignahrung herstellt. Im Dezember 2014 endete ihre Zeit in dem Unternehmen. Zuletzt verdiente sie 16,3 Millionen US-Dollar – ein Plus von stolzen 138 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein 501.560 Dollar gab es für Umzugskosten, weil der Konzern seine Zentrale von Decatur nach Chicago verlegte.

Platz 7: Marillyn Hewson (Lockheed Martin)
4 von 10

Seit 32 Jahren ist Marilyn Hewson beim Rüstungskonzern Lockheed Martin, seit 2013 leitet sie ihn. Dafür gab es 2014 17,9 Millionen US-Dollar – gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 13 Prozent. Das macht sie zu einer Top-Verdienerin in den USA.

Platz 6: Virginia Rometty (IBM)
5 von 10

Seit Anfang 2012 leitet Virginia Rometty das IT- und Beratungsunternehmen IBM. Um mit der 102 Jahre alten Firma im weltweiten Wettbewerb weiterhin zu bestehen, drängte sie auch in noch unerschlossene Märkte wie Afrika. Auch wenn Gewinn und Umsatz von IBM im vergangenen Jahr rückläufig waren, erhielt Rometty einen Bonus von 3,6 Millionen US-Dollar und kam auf einen Jahresverdienst von 17,9 Millionen – ein Plus von 28 Prozent.

Platz 5: Phebe N. Novakovic
6 von 10

Früher war Novakovic bei der CIA, seit 2013 führt sie den Rüstungskonzern General Dynamics. Der zahlte ihr im vergangenen Jahr 19 Millionen US-Dollar Gehalt. Im Vergleich zu 2013 ist das eine Steigerung von gerade mal einem Prozent.

Platz 4: Indra Nooyi (PepsiCo)
7 von 10

Indra Nooyi ist seit 2006 Chefin des US-Getränkekonzern PepsiCo. Zuvor hat die Inderin eine Bilderbuchkarriere hingelegt, mit Stationen beim Pharma- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson, bei der Boston Consulting Group sowie bei Motorola. Mehrfach wurde sie von „Forbes“ zu den mächtigsten Frauen der Welt gezählt. In der Liste der weiblichen CEOs der USA, die am meisten verdienen, landet sie mit einem Jahresverdienst von 19,1 Millionen US-Dollar auf Platz vier – ein Plus von stolzen 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Ungleichverteilung führt aber nicht zwingend dazu, dass Frauen weniger verdienen oder seltener in Chefetagen aufsteigen. Dies geschieht nur dann, wenn sie über längere Zeit andauert: „Eine kurzzeitige Reduzierung der Arbeitszeit, um beispielsweise auf Kinder aufzupassen oder an Weiterbildungen teilzunehmen, hat nicht zwangsläufig langfristige negative Konsequenzen auf Einkommen, Karriereverläufe oder Rentenzahlungen“, schreiben die Forscherinnen.

Startseite

Mehr zu: Moderne Familienpolitik - Echte Partnerschaft – Fehlanzeige

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%